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Die Typographie im Dienste der Landkarte

Eduard Hoffmann-Feer, 56 S., Verlag Helbing & Lichtenhahn, Basel 1969

Die Typographie im Dienste der LandkarteDie Typometrie, d. h. die Gestaltung von Landkarten mit Hilfe beweglicher Lettern, erfuhr zu bestimmten Zeiten ihre Blüte. Eine dieser Hochphasen war sicherlich das ausgehende 18. Jahrhundert. Zu dieser Zeit beschäftigten sich Wilhelm Haas der Ältere und später sein Sohn, sowie August Gottlieb Preuschen und Johann Gottlob Immanuel Breitkopf mit dem Satz typographischer Karten.

Ziel war es, eine ökonomischere Methode der Kartenerstellung zu etablieren, als die existente Kombination von Kupferstich bzw. Holzschnitt mit einem zweiten Druckgang für die typographischen Angaben. Die Technologie der Typometrie erfuhr ihr jähes Ende mit der Entwicklung der Lithografie.

Im Vorliegenden Band werden alle wichtigen Arbeiten unserer Protagonisten vorgestellt und sind als Schwarz-weiß-Reproduktionen beigefügt.

Neben dem Streit um Anerkennung und Urheberschaft der zwischen Haas und Breitkopf entbrannte, werden vor allem die wenigen Karten in ihren Varianten von Hoffmann-Feer analysiert, nicht ohne genüsslich jeden Satzfehler, jede orthographische Änderung und Neuanordnung zu dokumentieren.
Das ermöglicht einen tieferen Blick in die Arbeitsweise der Schriftsetzer, lässt einen jedoch im Unklaren über die Gründe der qualitativen Schwankungen zwischen Akribie und Dilettantismus.

Die Möglichkeit in kurzer Zeit komplexe Karten zu setzten wird besonders mit dem Kapitel über die militärische Nutzung verdeutlicht.
Ein weiterer Vorteil lag in der Möglichkeit den Text der typographischen Karte auszutauschen und so Karten in mehreren Sprachen herauszugeben. Zugegebener Maßen konnte man jedoch im zweistufigen Druckverfahren (Kombination aus Kupferstich für die geografische Teil und Buchdruck für die Bezeichnungen) zum gleichen Ergebnis kommen.
Bleibt noch die Option einer höhere Auflage im Vergleich zum Kupferdruck.

Im Grunde lagen die Vorteile der Typometrie jedoch im ökonomischen Bereich, was ihr auch immer Kritik im Ästhetischen einbrachte.
Zudem ist der ökonomische Aspekt nicht bestätigt. Wurden Karten doch über Jahrzehnte aufbewahrt und nur leicht abgeändert, anstatt sie neu zu setzen.
Bei seinen Studien bestätigt Hoffmann-Feer zudem die, Haas und Sohn von Breitkopf unterstellte, Anpassung einzelner Drucktypen, welche eine Wiederverwendung selber für weitere Karten quasi verunmöglichte.

Den Typen für die geografischen Zeichen kommt bei der Typometrie besondere Bedeutung bei. Hoffmann-Feer beschreibt diese so ausführlich als möglich, benennt jedoch hauptsächlich ihre Umfänglichkeit. Lediglich die 15 noch erhaltenen Kupfermatritzen der haas’chen Schriftgießerei werden auch abgebildet. Zudem enthält die »Carte Typométrique du Canton de Basel, dédiée au Citoyen Cassini« von 1799, die im Bändchen  reproduziert wird, eine Tabelle mit allen in ihr genutzten geografischen Zeichen.

Eduard Hoffmann-Feer, der selbst einige Jahre in der Haas’schen Offizin wirkte, legt in der vorliegenden Abhandlung den Schwerpunkt deutlich auf die Haas’schen Karten. Preuschen und Breitkopf finden nur am Rande Erwähnung.

Im Ganzen bietet das Bändchen einen gelungenen Einblick in das Themenfeld der Typometrie, mit reichhaltigen – jedoch nur in Schwarzweiß vorliegenden – Abbildungen.