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Wer war »Nägel gucken«?

Wie es um die Image-Veranstaltung des Art Director Clubs (ADC) steht und wohin uns die Zukunft führt.

Riesenrad in Pryjat

Früher war alles besser

Vor gut zehn Jahren habe ich einen Anstandsbesuch bei der Ausstellung des ADC, die jährlich im April die Kreativsten auszeichnen möchte, noch für nötig erachtet. Von Jahr zu Jahr wurde die Veranstaltung jedoch selbstreferenzieller.
Masse statt Klasse war auch schon immer ein Problem der Push-Kommunikation. Doch einige wenige Highlights ließen einen doch immer mal wieder durch die Menge Dreck wühlen die sich da fand. Irgendwann hatte man dann auch raus, dass bei den Publikationen und beim Corporate Design ein bis zwei Perlen zu finden sind und man den ganzen Anzeigen-Quatsch einfach rechts liegen lassen konnte.
Und trotzdem, jedes Jahr hadert man mit sich, soll ich oder soll ich nicht, lohnt sich der Bilder-Marathon überhaupt? Schließlich ist jede kleine Kunstausstellung innovativer und inspirierender, und nicht zuletzt deshalb auch kurzweiliger. Auch dieses Jahr waren wir nicht da, und bestimmt haben wir was verpasst, vor allem das Schulterklopfen, aber vermisst haben wir nichts.

ADC in der Krise

Das es so nicht weitergehen kann merkt in Zeiten der Krisen auch der ADC. Hat man bis vor Toresschluss noch gebangt, dass die Selbstbeweihräucherung in Form der Award-Show dieses Jahr ganz ins Wasser fällt, konnte man beruhigt aufatmen, die Agenturen haben ihre Mitarbeiter, wenn auch kurzfristig, doch noch zum hippen Happening abgestellt. Eine Prüfung des Konzepts steht trotzdem an.

Strahlend wird die Zukunft sein

Und ein wichtiger Schritt in die falsche Richtung ist bereits getan. Neuer Werbepartner wird der »größte« deutsche Ökostromanbieter Entega (aus den Superlativen kommt der ADC anscheinend nicht heraus).
Wenn man sich den vollen Namen (ENTEGA Vertrieb GmbH & Co. KG) zu Gemüte führt wird klar, dass Entega nicht selbst Strom produziert sondern nur mit ihm handelt. Bei der Entega handelt es sich um eine »gemeinsame Vertriebstochter der HEAG Südhessische Energie AG (HSE) und der Stadtwerke Mainz AG«.
Laut »Atomausstieg selber machen« gehört die HSE »zu 40 Prozent der Thüga AG, die Teil des E.ON-Konzerns ist. […] Wer bei Entega Ökostrom kauft, finanziert somit wieder die Geschäfte und die Politik von E.ON.« E.ON, das waren jetzt wiederum die mit den elf Atomkraftwerken, alles im Solarportal hübsch nachzulesen, vertiefend dazu die Greenpeace-Studie »Fokus Ökostrom«.
Landläufig nennt man so etwas »Schummelstrom« (Zeitpunkt, Linkszeitung, Grüne Liga, Atomausstieg selber machen).
Die neue Marschrichtung des ADC bleibt also das alte Werber-Ideal: Gewissenlose Konsumenten-Verdummung.
(Und ihr fragt euch wirklich, warum euch keiner lieb hat?)

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