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Jahreszeitenverlag - Totengräber des Fotojournalismus?

Der Jahreszeitenverlag beschneidet mit neuen Verträgen seit März 2009 die Rechte der FotojournalistInnen.
Die verlangte Überlassung sämtlicher Nutzungsrechte geht mit einer fehlenden Vergütung dieser exklusiven Rechteüberlassung einher. Den Fotojournalisten werden somit die Rechte einer Zweitverwertung entgeltlos abgetrotzt. Dieses branchenunübliche Verhalten kennt man sonst nur aus dem B-to-C-Bereich (Business to Consumer) bei nutzergenerierten Inhalten z.B. von Fernsehsendern oder der Webportale wie etwa Utopia, und selbst dort trifft es unverholen auf Kritik.
Zudem sollen die FotgrafInnen dem Verlag sämtliches Material überlassen. Die Auswahl der Fotografien aus einer Serie ist jedoch Bestandteil der fotografischen Arbeit. Ziel des Verlags ist hier, auf Kosten der Qualität, ein mehr an Material zu erhalten und auf verschiedenen Kanälen verwerten zu können.

Der Jahreszeitenverlag vereint unter seinem Dach diverse Zeitschriften: Für Sie, Petra, Vital, Zuhause Wohnen, Selber Machen, Selber Machen Garten, A&W; Architektur & Wohnen, Country, Der Feinschmecker, Wein Gourmet, Merian und Prinz. Die angestrebten »kostenfreien« Zweitverwertungen lassen sich hier profitabel nutzen.

Peinlich nur, dass Thomas Ganske, Leiter der Ganske-Verlagsgruppe, zu der wiederum der Jahreszeitenverlag zählt, sich gern als Verfechter der Urheberrechte inszeniert. Als Nummer 23. der Unterzeichner des »Heidelberger Appells« zum Beispiel.
Der von Roland Reuß formulierte Appell wird allerdings von vielen Autoren krititsiert (Perlentaucher, c't, Archivalia, irights, romanistik.de mit Links zu FAZ, Welt, Tagesspiegel und NZZ). Reuß mischt Äpfel und Birnen und nutzt die Heidelberger Erklärung nicht allein gegen die Enteignung Geistigen Eigentums durch GoogleBooks, vielmehr führt er sie auch gegen die gesamte OpenAccess-Community ins Feld.

Dabei könnte es doch so einfach sein. Man soll den Autorinnen und Autoren endlich einmal selbst die Entscheidung überlassen wie sie ihre Rechte gewahrt sehen wollen, und wer diese für sie durchsetzen soll. Allenthalben bietet der einzelne Verwerter dafür eine, wenn auch nicht die beste Möglichkeit. Würden die Honorare für die Erstverwertung den Aufwand einspielen, bekäme sicher auch die OpenAccess-Gemeinde noch mehr zuspruch.

Die Beschneidung der Rechte von FotojournalistInnen durch den Jahreszeitenverlag führt auf breiter Front zum Boykott. Die untergeschobenen Verträge werden einfach nicht unterzeichnet, zudem werden auch die existenten Archivmaterialien in diversen Bildagenturen für diesen Kunden gesperrt. Freelens, der Verband für Fotojournalisten, mit rund 1800 Mitgliedern hat eine Online-Petition initiiert, die auch Du unterschreiben kannst, um Deine Stimme gegen die Aushöhlung des Urheberrechts zu erheben.

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