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Du sollst die Menschen nicht nach ihrer Meinung fragen wenn Du sie nicht hören magst

Das Volk besucht die Führer im Iran

Nun ist die Wahl im Iran schon wieder ein paar Tage her, die Stimmen sind ausgezählt, und der alte ist auch der neue Machthaber.
Ein Haufen Leute sind erbost und protestieren auf den Straßen.

Iran / 17.6.2009 / Krimkhan St / protest NOW #iranelection on Twitpic Peter Scholl-Latour macht Politik im ZDF, und schwadroniert dabei leider am Thema vorbei. Alles nicht so schlimm, meint er. Die paar gefälschten Stimmen. Halt so wie in der DDR, sagt er nicht, denkt er auch nicht, denke ich, wenn ich hören muss, dass so ein bisschen Wahlbetrug schon o.k. ist, wo doch woanders viel Schlimmeres passiert.
Ein Irrtum von Peter Scholl-Latour ist es, anzunehmen, dass der Betrug keine 30% der Wählerstimmen umfassen könnte. Der Irrtum besteht darin, anzunehmen, dass sich wirklich wer die Mühe machen würde, die Stimmen auszuzählen, wenn das Wahlergebnis im Vornherein feststeht. Ein weiterer Irrtum ist es, davon auszugehen, dass Lügner »nur so ein bisschen« lügen würden. Je mehr zu gewinnen, je höher der Einsatz, auch hier herrscht die Gier. In welche Sphären sich die Weltfremdheit und Selbstbeweihräucherung hochschaukeln kann, durfte man in der DDR bewundern. Nun ist es auch im Iran geschehen. Man hat sich verspekuliert und dass Volk einmal zu viel und vor allem zu heftig veräppelt. Wir lernen: Eine Lüge ist nur so gut wie ihre Glaubwürdigkeit, weiß man aber auch schon seit Münchhausen.

Despoten neigen nun besonders zu einem entschieden verklärten Blick auf sich und ihr Werk. Mahmoud Ahmadinejad ist da keine Ausnahme. Ein wenig erinnert er an »Ich liebe euch doch alle«-Mielke. Gutes tun mit der Brechstange, und die Überzeugung was gut ist, ist dabei zudem eine Standpunktfrage.
Wer nicht still ist, oder derselben Meinung, wird niedergeknüppelt. Reporter ohne Grenzen berichtet von gestürmten Wahlkampfbüros, geschlossenen Nachrichtensendern, blockierten Websites oppositioneller Gruppen zusätzlich zu der schlechten Erreichbarkeit bestimmter Internetangebote wie sie im Iran üblich scheint.
Wo bleibt da das Zuckerbrot?

Auch das ist sicherlich eine Frage der Positionierung. Immerhin inhaftiert man Menschen, wie den Dissidenten Ibrahim Yazdi, jetzt schon aus dem Krankenhaus heraus, berichtet das TehranBureau. Andererseits schießt man die Menschen noch nicht wild zusammen, wie 1989 beim Tian’anmen-Massaker (und wo sich die »Wende« jubel-jährt: Auch hierzulande saßen die Schergen mit durchgeladenen Waffen auf ihren LKWs, rund um die Leipziger Montags-Demo postiert.)

PortraitGerade verschwinden Twitter-Accounts aus unerfindlichen Gründen im Zwitscher-Himmel.

Einige Iraner berichten mittlerweile über den offenen Twitter-Sammel-Account OpenIran. Das macht Einzelne weniger angreifbar und der Kanal wird noch nicht vom Regime mit Spam geflutet.
Anders beim twitter-Kanal der nur dem Tag »Iran Election« folgt, hier darf jeder schreiben.

PortraitDer Torrent-Anbieter Piratebay hat sich aus Solidarität umbenannt in »The Persian Bay« und auch gleich das Logo grün eingefärbt. Ein Klick auf das modifizierte Logo führt zum Forum »Why we protest«, welches sich insbesondere mit dem sicheren Kommunizieren im Internet beschäftigt.

Unsere Freunde von Boing Boing posten eine Anleitung wie Blogger die Proteste im Iran unterstützen können, welche den schönen Titel Cyberwar guide for Iran elections trägt. In selber wird Dir in 5 Punkten mit auf den Weg gegeben wie Du die Protestierenden unterstützen kannst. (Und hätte Marco Dettweiler diese Anleitung gelesen bevor er seinen Artikel »Teheran zwitschert vielstimmig« in der FAZ veröffentlichte, wüsste er auch warum viele Twitterer plötzlich aus Teheran twittern. ;-)

Das war der einen oder dem anderen jetzt vielleicht wieder ein bisschen viel Text, hier also ein paar Bilder von den Protesten.

Kleiner Nachtrag: Avaaz.org sammelt heute, den 18.06.2009, innerhalb von 24 Stunden Spenden ein, um eine Telefonbefragung der WählerInnen im Iran durchzuführen und diese noch vor der offiziellen Nachzählung der Stimmen zu veröffentlichen.

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