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Das Beste für den Werktätigen?

Design in der DDR - Anspruch und Bilanz
Wann 04.11.2009
von 18:00 bis 21:00
Wo Babylon Mitte, Rosa-Luxemburg-Str. 30, 10178 Berlin
Termin übernehmen vCal
iCal

»DDR-Design wurde einerseits weitgehend durch die politisch gelenkten Produktions- und Konsumtionsvorgaben der sozialistischen Planwirtschaft geprägt, welche stets mit dem Mangel an Rohstoffen und Produktionskapazitäten zu ringen hatte. SED- und Staatsführung nahmen allgemein ideologischen und auch unmittelbar praktischen Einfluss auf die gestalterische Entwicklung von Gütern und Kommunikationsmitteln. Andererseits bemühten sich die ostdeutschen Industrieformgestalter und Gebrauchsgrafiker vielfach sehr erfolgreich um eine hohe Qualität.
Die Vorträge und Gespräche versuchen eine historische Einordnung des DDR-Designs, sie geben Einblicke vom Entwurf bis zur Nutzung und beleuchten dabei auch theoretische Ansätze.«

Portrait

Schade dass die Veranstaltung in den heiligen Hallen des Babylon Mitte stattfindet, wo man leider nicht mehr hingehen kann, ob des Gebahrens von Geschäftsführer Timothy Grossmann gegenüber seinen Angestellten. Schön wäre sicherlich eine Umverlegung an einen gescheiteren Ort. Denn das Babylon besuche zumindest ich erst wieder, wenn die Geschäftsleitung den von den Werktätigen ausgearbeiteten Tarifvertrag unterzeichnet hat.
Die FAU, mitgliederstärkste Gewerkschaft vor Ort, dazu:

»Potentiellen Veranstaltern im Babylon Mitte können wir nur empfehlen zu prüfen ob der Ruf, den sich die Babylon-Geschäftsleitung gerade aufbaut zu ihrer Veranstaltung passt. Mit ungewöhnlich wenig Besuchern muss während des Boykotts von allen gerechnet werden.«

Mittlerweile ruft die FAU nicht mehr zum Boykott auf, da ihr dies am 7. Oktober 2009 gerichtlich untersagt wurde.
Mehr zum Arbeitskampf der Werktätigen im Babylon weiter unten.

Programm:

17.30 Eintreffen der Gäste/Empfang/Registrierung
18.00 Begrüßung durch Christa Stammnitz BDG und Rainer Baum VDID
18.15 Einführung und Moderation (Prof. Dr. Rainer Funke)
18.30 »Die geteilte Form: Deutsch-deutsche Designaffären 1949–1989« (Günter Höhne)
Anschließende Diskussion
19.00 Der freiberufliche Designer in der DDR – ein nur als „Künstler" geduldeter Exot! (Reinhard Otto Kranz, Dipl.-Formgestalter, Dipl.-Ing.)
Anschließende Diskussion
19.30 Pause
20.00 Die individuelle Bildsprache in der Illustration, insbesondere in der Umschlaggestaltung. Ein Rückblick auf 40 Jahre Buchgestaltung, vorgestellt an ausgewählten Beispielen. (Dr. Anita Kühnel)
Anschließende Diskussion
20.30 »Plakatgestaltung in der DDR« (Dr. Sylke Wunderlich)
Anschließende Diskussion

Teilnehmerbeitrag 10,00 für Nicht-Mitglieder, 5,00 ermäßig (Studenten), incl. Mehrwertsteuer von 19%.
Für Mitglieder beider Verbände ist die Teilnahme kostenlos.

Kontakt und Anmeldungen über:

BDG-Mitte
Christa Stammnitz
Zoppoter Straße 24
14199 Berlin
Fon 030 - 892 48 64
Fax 0322 - 23 70 54 49
mitte@bdg-designer.de
www.bdg-designer.de
VDID e.V.
Jutta Ochsner
Markgrafenstraße 15
10969 Berlin
Fon 030 - 74 07 85 56
Fax 030 - 74 07 85 59
vdid@germandesign.de
www.vdid.de

Baby-Lohn im Babylon


»Das Beste für die Werktätigen?« Realy?

Der Titel der Veranstaltung, lässt sich auch auf den seit einem Jahr tobenden Arbeitskampf am hippen Veranstaltungsort Babylon Mitte anwenden.

Prekäre Arbeitsverhältnisse im Babylon Mitte

  • Dumpinglöhne von 5 bis 8 Euro, Tarif wären 7,20 bis 11,38 je nach Qualifikation,
  • keine Nacht- und Wochenendzuschläge (auch die wären in einem Tarifvertrag üblich),
  • häufig nur mündlich abgeschlossene Arbeitsverträge
  • befristete Arbeitsverträge anstatt Unbefristeter

es gab viele Gründe für die Belegschaft, sich zu organisieren. Im November 2008 gründen die Werktätigen des Kino Babylon einen Betriebsrat.

Timothy Grossmann regiert mit harter Hand

Infolge der Betriebsratsgründung wird eines der gewählten Mitglieder des Betriebsrates entlassen, und nach Klage des selben wieder eingestellt. Timothy Grossmannn, Geschäftsführer der Neue Babylon Berlin GmbH, muss im Kampf gegen die eigenen Mitarbeiter ein erstes Mal zurückstecken.
Die Mitarbeiterzahl schrumpft von 30 auf 17 Mitarbeiter. Ein Teil der Mitarbeiter wird schlicht entlassen, der Rest wird an die an gleicher Adresse und unter den gleichen Geschäftsführern firmierenden Kino & Konzerte GmbH ausgelagert und wieder zurück geliehen. Grund für das Arbeitnehmer-Hin- und Hergeschiebe ist die Umgehung von verbrieften Recht, man möchte den Handlungsspielraum des Betriebsrates weitest möglich einschränken, der bei Unternehmen mit einer Belegschaft über 20 Mitarbeitern weit größer wäre.
Mit dem von der Gewerkschaft FAU (Freie ArbeiterInnen Union) mit den Beschäftigten ausgearbeiteten Haustarifvertrag mochte sich Geschäftsführer Timothy Grossmann nicht auseinandersetzen.

ver.di, Die Linke und die Rechte der Werktätigen

Während die Angestellten 8 Monate zuvor an die ver-di-Türen klopften und auch Die Linke sich recht desinteressiert zeigte, für die Rechte von ein paar wenigen Werktätigen zu streiten, hat sich die Lage nach der erfolgreichen Kampagne der Freien Arbeiterinnen Union sichtlich verändert.
Nun sah wohl auch die Linke Handlungsbedarf für ihr Renommier-Objekt, das immer noch das Image eines linken Kinos pflegt, und Austragungsort der Linken Kinonacht war, einer Wahlkampfveranstaltung der Linken auf der die unter Tarif bezahlten Angestellten den Wahlkampf-Versprechungen der Gastredner Gregor Gysi (Fraktionsvorsitzender im Bundestag) und Klaus Lederer (Berliner Landesvorsitzender) lauschen sollten.
Auf Initiative der Linken hat ver.di sich in den Arbeitskampf eingeschaltet und damit gleich die Buhmann-Rolle einer Gelben Gewerkschaft übernommen, über die ver.di sich bei den Postgewerkschaften selbst aufregte.
Von dem Einschreiten von ver.di erfuhren deren Mitglieder aus der Zeitung.
Die mitgliederstärkste Gewerkschaft im Babylon, die FAU, musste eine herbe Schlappe im Arbeitskampf einstecken. Nicht nur wurde der Boykottaufruf der FAU verboten sondern der Gewerkschaft auch die Tariffähigkeit abgesprochen. Die Feststellung der Tariffähigkeit soll eigentlich dazu dienen, eine Handhabe gegen Phantomgewerkschaften wie die oben erwähnten Postgewerkschaften zu haben.
Da die zuständige Vorsitzende des Arbeitsgerichtes Erika Ritter, gleichzeitig ver.di-Fachbereichsleiterin ist, lässt sich zumindest ein Interessenkonflikt vermuten, eine Befangenheit gegenüber der FAU kann grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden.

Eine Griffige Erklärung für das Verhalten der Beteiligten liefert Peter Wilhelm auf indymedia.org.
Timothy Grossmann pflegt lediglich sein persönliches Vorurteil gegenüber Anarchisten und möchte ansonsten in frühkapitalistischer Arbeitgebermanier eine Art Patriarchenrolle gegenüber seinen Arbeitnehmern einnehmen und dabei im Zweifelsfall sein unternehmerisches Unvermögen an die Belegschaft in Form von Niedrigstlöhnen durchreichen.
Die Linkspartei muss auf eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen drängen, um ihren Tariflohn-Forderungen im Wahlkampf zu entsprechen und das Prestigeobjekt im Rot-roten Senat weiter am Leben halten zu können.
Ver.di kann nunmehr ebenfalls das Gesicht wahren und einen ungeliebten Wettbewerber schwächen.

Ein wenig auf der Strecke scheinen die Interessen der Beschäftigten zu bleiben.
Sicherheitshalber hat die Belegschaft deshalb dem Verhandlungsführer von ver.di, Andreas Köhn, die Forderungen der Mitarbeiter übermittelt, um, wenn schon ver.di über die Köpfe der Angestellten hinweg mit der Geschäftsführung Verhandlungen aufnimmt, wenigstens eine Kenntnis darüber besteht, welche Ansprüche eigentlich vertreten werden sollen.
Gleichzeitig gibt die Liste der Forderung einen tieferen Einblick über die Schieflage innerhalb der Neues Babylon Mitte GmbH.

Weitere Quellen

Videointerview mit dem Betriebsrat und den Angestellten.

Prekäres Babylon heißt der Blog von den und über die Werktätigen im Babylon (Mitte). Hier wird über den Arbeitskampf am Babylon und an anderen Orten informiert, und explizit aufgezeigt wie Du den Arbeitskampf der Babylonier unterstützen kannst.

Auf Labournet.degibt es eine Artikelsammlung verschiedener Quellen.

Das Kinonetzwerk ist die Informationsseite von der Gewerkschaft Verdi. Dort gibt es unter anderem Mustertarifverträge zu bestaunen.

Ein zusammenfassender Artikel über das Treiben am Babylon ist kürzlich (10.08.2009) in der Jungen Welt erschienen.

Auf Syndikalismus.tk werden die Fakten, die sich aus dem Urteil des Arbeitsgerichts ergeben, zusammengefasst.

Auf indimedia.org findet sich ein Artikel über die Zusammenhänge der ver.di-Intervention.

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