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Bismarck wirbt für rechte Wochenzeitung

Ferdinand v. Bismarck wirbt für die rechte Wochenzeitung »Junge Freiheit« die als Sammelbecken der »Neuen Rechten« gilt.

Seit etwa einem Jahr klüngelt das konservative Blaublut Ferdinand v. Bismarck mit der »Neuen Rechten« als Werbemaskottchen für das rechte Blatt »Junge Freiheit«. Heute erreichte uns ebenfalls ein solcher Werbebrief.
Seit bereits 13 Jahren liest Ferdinand v. Bismarck, Chef des Bismarck-Klans und Urenkel von Otto, die rechte Wochenzeitung schon. Trotzdem kann man hier keine Gehirnwäsche unterstellen. Das Tänzchen zwischen Konservativen und straff Rechten war und ist Absicht, denn von derlei haben beide Seiten etwas.

Ferdinand v. Bismarck

Der deutschnational gesinnte Ferdinand v. Bismarck ist keine schillernde Persönlichkeit. Unternehmer steht in der Vita. Er schmückt sich gern mit den Federn seines Urgroßvaters und tingelt auf Prominentenbällen herum. Vanity Fair zitiert ihn mit dem Leitsatz »Ich bin ein Junker und will meinen Vorteil davon haben.« Der Eigennutz passt zum Bild des auf die Bewahrung seines ererbten Vorteils bedachten Adeligen, die Begrifflichkeit »Junker« zum stockkonservativen Image des Fürsten.

Ferdinand v. Bismarck ist Sohn des Nazis Otto Fürst von Bismarck, welcher in seiner politischen Karriere die Stationen DNVP, NSDAP, CDU durchlief, nicht ohne von der FDP hofiert zu werden. (Den Beinamen »Nazi« hat sich der Vater verdient, indem er »als Stellvertreter des deutschen Botschafters in Rom ab 1940 dem Nationalsozialismus erheblich Vorschub geleistet« hat. Schon 1935 war er dem Anglo-German-Fellowship beigetreten, in welchem einflussreiche Britten »ein Bündnis mit dem nationalsozialistischen Deutschen Reich« förderten. Auch in Ernst Klees »Personenlexikon zum Dritten Reich« hält der Vater Einzug.

Derweil gibt der Sohn nur Bilder für die Klatschpresse ab, hier, hier, hier mit kurzem Text, hier und hier.
Aber ich möchte hier nicht verharmlosen. Ferdinand v. Bismarck steht rechts außen, war schon in den antifaschistischen Nachrichten von 2005 zu lesen. Demnach gehört zu seinem Freundeskreis der rechtsextreme Verleger Dietmar Munier.

Der Bismarckbund - Wo Nazis und Konservative sich die Hand reichen

Ferdinand v. Bismarck steht dem Bismarckbund als Schirmherr bei, welcher sich der »Wahrung deutschen Geschichtsbewusstseins« verpflichtet fühlen möchte. Allerdings werden die Sozialistengesetze des »Staatsgründers« Otto von Bismarck auf der Internetpräsenz eher en passant erwähnt.
Der Bund möchte wohl ein historisierend-schönfärbendes Bild vom Kaiserreich malen anstatt ein Bewusstsein für Geschichte zu erzeugen.

Auch die vom Bismarckbund verliehenen Bismarckorden, welche richtiger Weise Halskreuze sind und eine Mitgliedschaft im Bismarck-Orden beinhalten, gingen regelmäßig auch an Aktivisten aus dem rechtsextremen Lager (als Link und als PDF). Ein Artikel aus der Jungleworld bestätigt welchen Umgang der Konservativismus pflegt.
Auch der Spiegel berichtete über den Bismarckbund und seine alten und neuen rechten Mitglieder und Ordensträger. Zu den Mitstreitern gehören bzw. gehörten der, mittlerweile verstorbene, Hugo Wellems, sein Nachfolger, der 2009 ebenfalls verstorbene Emil Schlee, Axel Zehnsdorf (bis zu den Verboten Mitglied der Wiking Jugend und der FAP), Ulf Kretschmann (Mitläufer der Aktionsfront Nationaler Sozialisten"), Werner Fenske (Mitglied im Stillen Hilfe für Kriegsgefangene und Internierte e.V.). Eine Liste der Ordensmitglieder ist im Netz leider nicht verfügbar.
Für Ferdinand v. Bismarck sind das alles nur unpolitische »Fans«.

Ein die Hintergründe der Stiftung beleuchtender Artikel findet sich bei nadir.

Die »Junge Freiheit«

Die 1986 vom heutigen Herausgeber Dieter Stein gegründete »Junge Freiheit« startete als im Zwei-Monats-Turnus erscheinende Schülerzeitung die anfänglich als Presseorgan der Jugendorganisation der Freiheitliche Volkspartei unter Franz Handlos dienen sollte.
Die »Junge Freiheit« verortet sich selbst politisch rechts von der CDU/CSU, aber links von der NPD.
Gerne will man sich dem Rechten und Rechtskonservativem zugehörig fühlen aber nicht dem Rechtsextremistischen. Deshalb wehrte die »Junge Freiheit« sich gegen die Aufnahme in der Rubrik »rechtsextremistrisch« in gleich mehreren Verfassungsschutzberichten, erfolgreich.
Die vertretenen Inhalte bleiben bei einer mit den Jahren ausdifferenzierten, weichgespülteren Argumentationslinie gleich. Im Unrast-Verlag erschien eine ausführliche Analyse deren Vorstellung sich schon gut liest und aus der hier ein Auszug präsentiert wird.
Während die »Junge Freiheit« den Vorwurf des Rechtsextremismus weit von sich weist, zeigt sie gern, und speziell in der Kolumne »Blick nach Links«, auf vermeintliche Linksextremisten. Dabei weiß die »Junge Freiheit« selbst wie weit rechts sie steht, eine Kolumne »Blick nach Rechts« wird damit obsolet.
Man muss der deutschen Sprache schon mächtig sein, um zwischen den Zeilen lesen zu können. Nicht nur die Wortwahl sondern auch die Auswahl der Inhalte und deren parteiische Auslegung lässt tief blicken. Die Unrast-Publikation sei jedem anempfohlen, der nicht die Zeit für eine eigene tiefschürfende Textanalyse mitbringt.

Die Post

Ferdinand von Bismarck schreibt mir aus seinem Hauptstadtbüro, dass er hoffentlich nie besuchen kommt, denn in einem Postfach ist es sicherlich recht eng. Der Eindruck den die Briefkastenfirma auf mich hinterlässt trägt nicht zu einem vorteilhafteren Bild des honorigen Fürsten bei.
Das Briefpapier, für uns Gestalter von besonderem Interesse, soll in seinem hell gelben Farbton edel wirken, doch die Labberigkeit der luftpostleichten Briefbögen lässt letztlich nur erahnen, dass hier für eine massenhaft versandte Werbung ein Wald gerodet wurde.
Die Frage wofür hier geworben wird erreicht mich somit noch vor dem billig wirkendem Anschreiben des Fürsten selbst. Der Briefinhalt ist schrecklich polemisierend und plump formuliert. Als Republikflüchtling finde ich ihn sogar beleidigend, da hier auf meine Kosten Bauernfängerei betrieben wird.
Das Feindbild sind Kommunisten und irgendwie alle links neben Bismarck stehenden. Es wird gegen Diktaturen gewettert und natürlich gegen die, wohlgemerkt demokratischen, Wahlerfolge linker Parteien. Die Marschrichtung ist klar. Demokratie ja, solage sie den Belangen der Konservativen nützt und sie nicht stark genug sind ihren Willen allein durchzusetzen. Man kriegt ein wenig das Gruseln bei dieser Beschwörung des Untertanen-Geistes.

Einzig beruhigend wirkt die Hilflosigkeit des Ferndinand von Bismarck, der in seinem selbstsüchtigen Geltungsdrang wie ein eitler alter Pfau daherstolziert kommt. Ein Gockel der auf seinem braunen Misthaufen krähen kann bis er schwarz wird.

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