Wer will »geile« Autos?
Die Utopia AG bettelt bei der Automobil-Industrie
In einem der letzten Newsletter waren gleich drei Auto-Tests angepriesen, die leider Gottes wenig vergleichbar sind, dass war der Redaktion schlicht zu aufwendig, lieber hatte man die verlässliche Textarbeit Externer einfach direkt der Mehrfachverwertung zugeführt. In diesem Fall wurde eine Bestenliste des Verkehrsclub Deutschland (VCD), dass ist jetzt die Öko-Variante vom ADAC, übernommen.
Im aktuellen Newsletter verweist man nun auf einen Redebeitrag der Chefin, Claudia Langer, selbst, der reißerisch Brandbrief genannt wird und »Wir wollen geile Autos!« betitelt ist.
Zu recht wird darauf verwiesen, dass schon mal an einem Ein-Liter-Auto gebastelt wurde, und es werden die Drei-Liter-Autos vermisst, die wieder vom Markt verschwunden sind. Und dann lässt Claudia Langer die Katze aus dem Sack: »Immerhin macht sich VW langsam auf den Weg, das freut mich. Die strengen sich wirklich an. Danke dafür.« Die vielen Artikel über Autos und ihren Kauf vermittelten schon deutlich, dass man auf der Suche nach einem langfristigen Werbepartner in der Automobilindustrie ist, jetzt steht der Lieblingskandidat fest: Man möchte am liebsten mit VW anbandeln, da wäre dann für jeden etwas dabei, luxuriöse Limousinen für die Reichen und Škoda und Co. für die Ärmeren.
Die Nutzer von Utopia sind freilich nicht derart auf die großen deutschen Automobilkonzerne festgelegt. In den Kommentaren verweist urwalder auf den Hotzenblitz, den Mega E-City, den LUIS free und den Citysax. Bringewald zeigt wie ein Brandbrief aussehen kann, und Tachy stellt Adbusting in Form von Tagungstaschen für die IAA vor, mit denen er für »Nie mehr Benzin!« wirbt.
Derweil gibt es auf www.utopia.de immernoch keine Fahrrad-Rubrik im Einkaufsführer. Hatte ich mich im letzten Sommer noch damit abspeisen lassen, dass derlei redaktionell passend lanciert wird und darauf gehofft, dass mit den wärmeren Temperaturen des folgenden Frühlings die Zeit reif ist für eine Fahrrad-Rubrik, kann ich mittlerweile sicher sein, dass sie erst kommt, wenn man einen Automobilisten als Werbepartner im Sack hat.
Denn erst dann kann die prägnante Präsentation im Einkaufshelfer auch für potentielle Partner mit weniger Werbebudget freigegeben werden. Solange wird man weiter in die Fahrrad-Gruppe vertröstet, die, in Ermangelung von Alternativen auf www.utopia.de, regen Zulauf hat.
Die redaktionelle Auswahl und die redaktionellen Inhalte selbst zeigen einmal mehr wie wirtschaftlicher Druck sich auf eben diese Inhalte auswirkt, auch wenn derlei von der Utopia AG gerne weggelächelt wird.

