Utopia weiter auf Talfahrt
Daniel Überall über Utopia-Interna. Weniger Geld, weniger Mitarbeiter, Kommunikationsprobleme mit der eigenen Community und kein schlüssiges Konzept
»Wir (alle) sind Utopia« betitelt Daniel Überall den neuen Forenstrang, und muss das alle sicherheitshalber in Klammern dazuschreiben.
Nach einem kurzen anrührenden Rückblick macht er seinem Herzen Luft und berichtet, dass »auch die Wirtschaftskrise nicht spurlos an uns vorbei [geht]. Wir sind jetzt deutlich weniger Leute…«
Ein Blick auf die Team-Seite bestätigt, die Belegschaft ist über den Sommer von 17 auf 14 Beschäftigte zusammengeschmolzen und man versucht diesen Verlust personalkosten-freundlich mit Praktikanten auszugleichen. Davon sucht man gleich mehrere, am liebsten mit Praxiserfahrung.
Mittlerweile hat auch die Utopia AG begriffen, dass »der damals gewählte Sender->Empfänger"-Ansatz … überholt« ist. Schön dass dem Team auch mal dämmert, dass Communities irgendwie anders funktionieren als die Kommunikation mit der Claudia Langer's Werbeagentur dereinst die Massen penetrierte. Wobei ich der selbst formulierten Einsicht eigentlich gleich widersprechen muss.
Wenn Herr Überall weiter sinniert »es wird Zeit komplett neu über alles nachzudenken« blitzt es in mir schon wieder schalkhaft auf und ich komme nicht umhin den Werbespruch der Utopia AG (»Wir fangen dann schon mal an«) neu zu formulieren: Die fangen aber ziemlich häufig an.
Wobei der Neustart schon wieder zum Fehlstart zu werden scheint.
Thomas, Gründer der Gruppe Ich bin Utopia, der Gruppe für die Gleichberechtigung der Community auf Utopia.de, soll es nun richten. Thomas H. Kaspar bringt als Community-Chef bei CHIP Online hoffentlich das Wissen mit, um die verfahrene Situation auf der Plattform Utopia zu retten.
Doch von der Führungspersönlichkeiten-Ideologie, neudeutsch »Know-How-Träger«, distanziert man sich immer noch nicht. Das Klüngeln mit Wenigen wird keine Verbesserung im Dialog bringen. Dazu müsste man mit allen, und vor allem mit den verprellten, Mitgliedern der Community den Dialog suchen. Und für einen Dialog muss man zuhören können. Einen weiteren Spezialisten einzusetzen wird kein Wir-Gefühl erzeugen.
Ich sehe keinen neu eingeschlagenen Weg.
Es gibt kein wir zwischen oben und unten.

