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Utopia-Konferenz und Utopia-Award 2010

creative commons 3.0 (by-nd) André Henze

Schulterklopfen im Elfenbeinturm

Alle Jahre wieder lädt die Utopia AG zum Utopia-Award und zur Utopia-Konferenz. Beide finden zwar erst Ende Oktiber statt, doch die Werbetrommel wird schon kräftig gerührt.

Zwei Gründe sprechen für diese frühe Promotion.
Zum einen möchte man erneut die Community einspannen, um für den Utopia-Award die »Vorbilder« (Personalities) / »Unternehmen« / »Organisationen« und »Produkte« zu nominieren.
Zum anderen richtet sich die Konferenz eben nicht an den Verbraucher, sondern an das Branchenpublikum der ökofairen Consumer-Produkte, und solche die dafür gehalten werden wollen. Mithin müssen die Geschäftsmänner und -frauen frühzeitig ihren Terminplan erstellen.

Damit das, von der Utopia AG organisierte, Branchentreffen nicht zum lästigen Händeschütteln wird, gibt es ein Rahmenprogramm mit Vorträgen, was dem Berliner Treffen den Namen Konferenz einträgt.
Im Vortrags-Teil »Economics« hat man denn auch Telekom-Vorstand René Obermann als Referenten gewinnen können. Die Deutsche Telekom ist Premium-Partner der Utopia AG und die Utopia AG katzbuckelte ganz ordentlich ob dieser Ehre. Wahrscheinlich wird Herr Obermann keinen Vortrag über die amerikanische Tochter T-Mobile USA und ihr gewerkschaftsfeindliches Geschäftsgebahren seit ihrer Gründung halten. (Wir berichteten, aber auch der Spiegel.) Dabei hat die Ausbeutung von Beschäftigten, beim heutigen Stellenwert der Personalkosten, durchaus mit Ökonomie zu tun. Und nachhaltig – nur nicht fair – ist die T-Mobile USA in diesem Fall auch, seit 2001 verhindert man eine Gewerkschaft bei der T-Mobile USA.
Im Bereich »Politics« hat man Klimakrieger und Buchpromoter Harald Welzer verdingt, war sich aber auch nicht zu fein, bei Bundeskanzlerin Angela Merkel anzufragen. Man fühlt sich noch immer der Politik der großen Hebel verpflichtet, weshalb Herr Welzer den Eingangsvortrag zum diesem Thema, »Welches sind die großen Hebel für eine nachhaltige Entwicklung«, halten wird.
Für den Bereich »Environment« hat Bianca Jagger zugesagt. Der Utopia AG ist sie aufgefallen, weil sie zuletzt im Film »Die 4. Revolution – EnergyAutonomy« zu sehen war und gut in die Boulevard-Ausrichtung Utopias passt. Das Ex-Supermodell, die Ex-Ehefrau und langjährige Menschenrechtsaktivistin ist zuletzt dadurch medial aufgefallen, dass sie ihren 200.000 € teuren Ring verlor und dem Finder den Finderlohn verwehrte, ihn später sogar verleumdete. Wir finden es bezeichnend, dass die Menschen, die vermeintlich an den großen Hebeln sitzen, anstatt diese zu bewegen, sich einen exorbitant teures Schmuckstück leisten, das noch dazu aussieht, als hätte man es aus einem Kaugummiautomaten gezogen. Auch Bianca Jagger wird wohl kaum über ihr Konsumverhalten oder ihre Verhältnis zu Fairness und Gesetzestreue berichten.
Abgerundet wird die ReferentInnenliste mit Stefan Schaltegger, der seine ernsthaftes Anliegen mit witzigen Stylings zu kombinieren weiß. Sein Vortrag wird hingegen etwas trockener und sich wohl um Nachhaltigkeitsmanagement in der öffentlichen Verwaltung drehen.
Bezeichnender Weise hat für den Konferenzteil »Aktivism« noch keiner der angefragten Aktivisten zugesagt. Vielleicht pflegt man hier ja eine Scheu gegenüber Greenwashern wie der Utopia AG, die bis zur Ölkatastrophe im Golf von Mexiko noch den Förder-Partner BP mit im Boot hatte. Nun mehr paddelt BP alleine gegen den Imageverlust an.
Naomi Klein hätte man auch noch gerne mit dabei, auch hier gibt es (noch) keinen positiven Bescheid.

Das Thema der diesjährigen Konferenz lautet »Utopia around the world in 36 hours!« Man feiert sich wieder einmal selbst, bzw. den Fakt, dass man hofft ein Programm »erstmalig für zwei Tage« zusammenstellen zu können.
Ganz unotopisch will man nach »innovativen, umsetzbaren Ideen … suchen«. Obwohl man hier eher tief in die Phrasendreschmaschine gefasst hat, sind wir gespannt auf die »Vorreiter der Nachhaltigkeitsbranche«, die zusammen kommen, »um mit einem Blick auf die Welt, ihre aktuellen Probleme, beeindruckende Ideen und Lösungsansätze [zu] diskutieren, [zu] präsentieren und [zu] entwickeln.«

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