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Saufen für das grüne Gewissen

Krombacher wird Werbepartner der Utopia AG.

Nach der medial gefloppten Utopia-Konferenz gibt es wieder positive Nachrichten von der Utopia AG.
Krombacher konnte als Werbe-Partner verpflichtet werden, eine neue Dimension des Greenwashing?
Krombacher wirbt schon seit 2002 mit dem Schutz des Regenwaldes, konkret mit dem Slogan »Für jeden Kasten Bier wird ein Quadratmeter Regenwald unter Schutz gestellt«. 2003 befand das OLG Hamm, dass die Werbeaussagen gegen die guten Sitten im Wettbewerb verstoßen und stufte die Initiative als wettbewerbswidrig ein. Das Urteil wurde jedoch vom BGH aufgehoben.
In der Kritik stand die suggerierte Aussage, es würde tatsächlich für jede Kiste »ein Quadratmeter Regenwald aufgekauft und vor Rodung und anderen Gefahren geschützt [werden]. Und das für 100 Jahre« (1). 

In der Realität wird ein Betrag an den World Wildlife Fund (WWF) überwiesen, der damit existente Schutzgebiete, explizit die verantwortlichen Ranger finanziert. Die zu schützende Fläche Regenwald wird somit nicht vergrößert, sondern lediglich erhalten.
Von den 15,50 € pro Kiste Krombacher wurden gerade einmal 6,7 Cent also 0,43% an den WWF überwiesen. Immerhin sind das immer noch eine Menge Euro im Absoluten.
Mittlerweile ist man von der irreführenden Quadratmeter-Metapher abgerückt und Krombacher sponsert den WWF schlicht mit einem Festbetrag. Ob dieser nunmehr höher oder niedriger ausfällt als ehemals mit Kopplung an den verkauften Kisten, ist nicht bekannt, während 2003 mit Kopplung 2 Millionen Euro an den WWF transferiert wurden, waren es 2004, ohne Kopplung an die Bierkiste, lediglich 500.000 Euro. Der Werbeetat für das Regenwaldprojekt umfasste 2003 laut Handelsblatt 10 Millionen Euro, rund das Fünffache der eigentlichen Spende, so etwas nennt man landläufig Greenwashing.
Die Verlautbarung, es würden 4000 km2 Regenwald geschützt, scheint fraglich, Wikipedia gibt als Quelle für diese Zahl Krombacher an, wobei auf der entsprechenden Krombacher-Webseite jedoch keine Aussage zur Größe des von Krombacher finanzierten Schutzgebietes gemacht wird, sondern lediglich die Größe des in Teilen unterstützten Dzanga Sangha Regenwaldes benannt ist.
Infolge der Anfeindungen durch Umweltaktivisten versprach Krombacher das Sponsoring transparenter zu gestalten und jeden Cent nachzuweisen. Auf der Webseite finden sich dazu keine Informationen.
Dafür wird vollmundig die Welt von Dzangha Shanga und ein Reisebericht beworben, inklusive der schönen exotischen Bilder.
Auch die FAQ sind eher weichgespühlt. Uns würde zum Beispiel interessieren

  • wieviel Krombacher pro Jahr an den WWF spendet und wieviel, im Vergleich dazu, die parallel geschaltete Werbekampagne kostet, inklusive Topmoderator Günther Jauch als Werbefigur, wenn er denn noch mit dabei ist,
  • wieviele Quadratmeter Regenwald durch die Förderung von Krombacher, wenn schon nicht erworben, so doch jährlich erhalten werden.

 Derweil läuft die PR-Maschine bei Utopia auf Hochtouren.

Energiepolitik

Nein, Krombacher ökostromt nicht, der von Krombacher »bezogene Strom besteht nur zum Teil aus regenerativen Energieträgern«, wobei eine Angabe unterschlagen wird, wie viel Strom aus regenerative Energieträgern Verwendung findet. Ebenso wird auf die Anspielung der Community mit den vier echten Ökostromanbietern nicht eingegangen, es wird keine Angabe gemacht, von welcher Firma Krombacher den wenigen, verwendeten Ökostrom bezieht.
Man bekundet aber wieder einmal seine Absicht, und prüft »flankierend zu geplanten Einsparzielen und Umweltmaßnahmen« »alternative Energiekonzepte«.
Als einzige erwähnenswerte Umweltmaßnahme führt Krombacher dabei die Verwendung von Recycling-Papier auf.

Produktentwicklung

Krombacher verwendet nach eigener Aussage »natürliche und ausschließlich gentechnisch unveränderte Rohstoffe«. »Eine Umstellung auf Bio ist … nicht vorgesehen.« (2) Auf die verheißungsvolle Vermeidung von Gentechnik kontert Utopistin Maria L »Etwas anderes ist ja dank dem Reinheitsgebot für deutsches Bier auch nicht denkbar, oder?« und belegt dies gleich mit einer Quelle: http://www.transgen.de/datenbank/lebensmittel/214.bier.html. Man bewegt sich also lediglich im gesetzlichen Rahmen und verkauft dies als besondere Leistung (an der Umwelt).

Die »97,8% umweltfreundliches Mehrwegsystem« sind nicht allein auf den Enthusiasmus der Krombacher zurückzuführen, sondern ebenso mehrheitlich der Einführung des Dosenpfandes zuzuschreiben, also einer gesetzlichen Vorgabe.

Man recycelt das Prozesswasser im öffentlichen Klärwerk, aber macht das nicht jeder von uns? Auch hier scheint mir ein Normalzustand als besonders ökologische Verhaltensweise verkauft zu werden.

Entgegen dem bayrischen Reinheitsgebot von 1516 werden beim konventionellen Anbau nach dem deutschen Biergesetz, Pestizide und Kunstdünger eingesetzt. Dem Hopfen hilft man mit dem hoch giftigen Pestizid Triphenylzinn auf die Sprünge, und macht ihn anschließend mit der Beimischung von Schwefel haltbar (im Verhältnis 1/99). Häufig kommt auch Hopfenextrakt zum Einsatz, der mittels chemischer Lösungsmittel zuvor aus Hopfen gelöst wurde. Zur Haltbarmachung vor der Filtration werden in der Regel Polyvinylpolypyrrolidon (PVPP) oder Kieselsäurepräparate zugesetzt.

Zum Abfüllen bedienen sich konventionelle Bierbrauer wie Krombacher zudem der radioaktiven Bestrahlung mit Gamma- oder Röntgenstrahlung, mit denen die Füllhöhe kontrolliert wird. Als Strahlungsquellen finden Abfallprodukte aus der Wiederaufarbeitung von Kernbrennstäben Verwendung.(3)

Da wirkt die Aussage, man werde nicht auf Bio umstellen, ein wenig höhnisch.

Während man in der konventionellen Produktion verharrt, ist man auf dem Gebiet der Biermischgetränke weiterhin innovativ. Nach der erfolgreichen Einführung von Cab Bannana & Beer 2009, ködert man die jungen Kunden nun auch mit Cab Cherry & Beer. Die Biermischgetränke bestehen aus 50% Bier und 50% Frucht-/Colagetränk. Sie sind vor allem bei der jugendlichen Zielgruppe beliebt, da durch die Beimischung von Süßstoffen – wie bei den Alkopops – der von Jugendlichen wenig geliebte, bittere Geschmack, übertüncht wird.

Vertrieb

Der Vorteil des oben kurz beworbenen Rohstoffkreislaufs macht bei Glasflaschen vor allem im lokalen Raum Sinn. Für eine deutschlandweit agierende Brauerei dürfte die Öko-Bilanz der schweren Glasflaschen jedoch eher ungünstig ausfallen. Insofern sind wir sehr gespannt auf den Product Carbon Footprint, der in Zusammenarbeit mit dem Öko-Institut in Freiburg ermittelt werden soll, wenn auch nur für das Produkt Krombacher Pils.
Gelungen fänden wir eine Gegenüberstellung von Krombacher Pils und einer regionalen Marke.

Fazit

Utopist OutlawJens fasst es treffend zusammen: »Utopia verkommt zu einer billigen Werbeplattform für alle Möchte-gern-Naturschutz-Firmen.« Wir bleiben weiterhin gespannt, wann Krombacher den Sprung vom Greenwasher zum Vorzeige-Unternehmen schafft. Derweil stoßen wir mit einem Lammsbräu auf eine grünere Zukunft an.

 

1) http://berlin.business-on.de/wettbewerbsrechtlich-kritisch-kampagne-saufen-fuer-den-regenwald_id2208.html
2) http://www.utopia.de/blog/krombacher-verantwortungsbereiche/umwelt#comments
3) http://www.eco-world.de/scripts/basics/econews/basics.prg?a_no=7243

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