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Ökokapitalismus goes Subversion, II

creative commons (by-nc-nd) André Henze

Utopia AG versteht AdBusting immer noch nicht

Nachdem wir kürzlich von den umtriebigen Wünschen Claudia Langers berichteten und über die Problematik beim wilden Plakatieren aufzuklären versuchten, hat sich die AG entschlossen nicht ins AdBusting-Geschäft einzusteigen.
Statt dessen hat man den friedfertigeren Weg des Botschaften-Projezierens gewählt.
Die Qualität lässt beim unerfahrenen Einsatz zu wünschen übrig. Natürlich hätte man sich professionelle Hilfe holen können, und zwar da wo man sich die Aktion abgeschaut hat, bei Greenpeace und ihrer Totenkopf-Projektion vor 2 Wochen, aber vielleicht war man sich dafür zu fein.
Das alte Problem mit Projektionen ist nun ihre Kurzlebigkeit. Auch bei der Utopia AG hat es keiner wirklich mitgekriegt, zumal Projektionen immer nachts an Wände geworfen werden. Hätte man nicht alles selbst fotografisch dokumentiert und in die PR-Maschine geworfen, würde niemand von der Aktion wissen.
Immerhin liefert die Utopia AG den PR-Kanälen hochwertiges Bildmaterial, während man sich auf www.utopia.de volksnah im »subversiven« Handy-Recording gefällt. Manch einer würde hier von Manipulation reden, man kann es aber auch als zielgruppengerechte Kommunikation interpretieren. (Wir möchten hiermit den oben ausgesprochenen Vorwurf des unerfahrenen Einsatzes der Projektionstechnik revidieren, der Ideenklau bleibt natürlich bestehen.)
Nachdem die Utopia AG, auf unseren Rat hin, und das ehrt uns, nicht wild plakatierte, konnte sie sich trotzdem nicht verkneifen die geplatzte Adbusting-Aktion wenigstens noch zu dokumentieren. Ob nun Chris aus M. wirklich der Ideengeber war oder man selbst in die »Wir waren vorm Recycling eine Werbeagentur«-Kiste gegriffen hat spielt letztlich keine Rolle. Es geht doch um die Inhalte.

Ich finde die Adaption der Werbe-Sprüche nicht wirklich pfiffig und natürlich läuft man auch hier Gefahr abgemahnt zu werden. (Zumal als (Ex?)-Werberin sollte man mehr Respekt vor der Arbeit der Kollegen haben. :)
Auch die Forderung nach dem 2 Liter-Auto, erscheint ob der Tatsache ein wenig fipsig, dass der Werbepartner vom Utopia-Kongress, VW, auf eben dieser IAA ein weiteres Ein-Liter-Concept-Car ausstellt.
Auch die Absender-Nennung ist nicht nur unüblich für echte Guerilla-Plakat-Aktionen, sondern verkehrt die inhaltliche Kritik in eine schlichte Werbeaktion mit subversiven Mitteln.

Diese Instrumentalisierung von subversiven Aktionsformen für werbliche Zwecke ist nun schlicht Ausdruck wirtschaftlichen Unvermögens und fehlenden Respekts gegenüber nichtkommerzieller Unternehmungen.
Die, welche politisch tätig sind, haben meist keine andere Möglichkeit sich auszudrücken und gehen im nunmehr werbungs-assimilierten Stumpfsinn-Sumpf unter. Und den Künstlern (deshalb heißt es Street Art) wird damit auch nicht gerade gehuldigt, hier mal ein Adbuster bei der Arbeit, Poster Boy.
Besonders verwerflich bleibt jedoch das eine Plattform die offensiv für Konsum eintritt, ob nun strategisch oder nicht, sich die hippen Kommunikationsmittel der Konsum-Verweigerer zu eigen macht. Aber wann hat man schon Moral von Werbern erwartet.

Bleibt noch das frömmlerische Nicht-Auffordern zum verkleben bei gleich mitgeliefertem Do-It-Yourself-Werbe-Poster für die Utopia AG.

»Wir müssen Euch eindringlich und kurz darauf hinweisen, dass es nicht legal ist, solche »Guerilla-Plakate« auf andere Plakate zu kleben, obwohl es Chris getan hat und es irgendwie schon klasse ausschaut.
Ja schön schaut das schon aus, wenn da riesig das Utopia-Logo prangt und man dafür nicht bezahlen musste.

Doch von welcher Naivität muss man sein, wenn man glaubt dafür nicht aufs Dach zu kriegen, dass man nicht zum wilden Plakatieren einlädt, aber Druckbögen samt Montageanleitung zu Dokumentationszwecken zum Download bereitstellt, wohlgemerkt auf den Aufklebern prangt dann auch noch hübsch der Absender. Ich bin hin und her gerissen zwischen schallendem Gelächter und verstörtem Kopfschütteln.

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