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Neue Abzocke mit Proforma-Rechnungen

Adressbücher ganz ohne Adressen

Internetkriminalität ist oft gepaart mit bandenmäßigen Betrug. Waren früher vor allem in AGBs versteckte Vertragsabschlüsse mit völlig überhöhten Preisen für meist peinliche Leistungen die Haupteinnahmequelle für derartig orientierte Verbrecher, verlagern diese ihre Aktivitäten nunmehr in den, fälschlicherweise als legitimer wahrgenommenen, Bereich der Proforma-Rechnung.

Willkürlich werden dabei Proforma-Rechnungen an Gewerbetreibende geschickt, wohl in der Hoffnung, dass die Unternehmen das »Proforma« übersehen und die Rechnung einfach begleichen. Besonders Mittelständler deren Unternehmen groß genug sind, um nicht jede Bestellung der Chef-Etage zu hinterfragen, geraten hier ins Visier der Kriminellen.

Im eigentlichen Sinne stellt eine Proforma-Rechnung keine Rechtsgrundlage zur Rechnungstellung dar, muss also nicht bezahlt werden. Ungemach droht derweil vom Finanzamt. Widerspricht das Unternehmen der Proforma-Rechnung nicht, wird der – nicht ausgewiesene – Vorsteuerbetrag fällig.
Natürlich gibt es auch einen sinnvollen Einsatz von Proforma-Rechnungen, der z.B. in der Wikipedia erläutert wird. Genau auf Basis dieser regulären Nutzung versuchen Betrüger Proforma-Rechnungen den Unternehmen unterzuschieben.

Wir bekamen eine solche Proforma-Rechnung für eine weder erwünschte noch georderte Leistung von der Inikat Group Ltd. für ein Inikato.de Packet Gold (Anm.: fehlerhafte Schreibweise liegt bei den Analphabeten) per Email zugestellt.

Registrar für die Domain inikato.de ist laut Denic ein Everton Wilsch aus Berlin.
Nebenbei mimt Everton Wilsch auch noch den Key Account Manager bei call24hours.net. Während die inikato.de auf Everton Wilsch in der Berliner Heerstr. 21 registriert ist, läuft die call24hours.net auf Albayrak Yusuf Korhan in Istanbul. Für Jobs bei dieser Firma wird bei Stellenausschreibungen eine weitere Berliner Adresse angegeben: Call24Hours Ltd., Everton Wilsch, Crellestr. 29-30, 10827 Berlin, Fon: 02103/2781347, Fax: 02103/33924039, Email: w.call24hours@gmail.com).
Die Webpräsenz der Inikat Group Ltd., inikat.de (diesmal ohne »o« am Ende), ist wiederum auf Everton Wilsch registriert, diesmal ebenfalls auf eine Adresse in Istanbul.
Everton Wilsch findet auch in einem Artikel bei antiabzock.net als ehemaliger Betreiber von Win-Total24 Erwähnung. Hier wird auch eine Recherche vorgestellt, die nahelegt, dass es sich bei dem Namen Everton Wilsch um ein Pseudonym oder einen Identitätsdiebstahl handeln könnte. Nachgewiesen wird die Nähe zur Firma Wilzek Marketing.
Die Inikat Group Ltd. residiert derweil am Hohenstaufenring 38-40, 50674 Köln. Eine Adresse die schon durch die Allgemeine Gewerbe Zentrale (AGZ) bekannt und berüchtigt ist. Köln gibt Everton Wilsch auch als Adresse auf seinem Xing-Profil an.

Ausführlich berichtet das Portal raubwirtschaft über die Abzocke mit rechnungsähnlichen Formularen sowie speziell über die Methoden der AGZ. Es werden auch die nötigen Instrumente an die Hand gegeben, um gegen derlei Abzocke vorzugehen.

Neben der Inikat Group Ltd. mit ihrem »Branchenbuch« Inikato.de hat auch das Adress-Portal gelbes-branchenbuch.info in der Vergangenheit von sich Reden gemacht.
Es scheint sich der Trend abzuzeichnen, dass nicht mehr mit versteckten Knebelverträgen Kasse gemacht werden soll, sondern rechnungsähnliche Angebotsschreiben per Massenmail versendet, einen ähnlichen Profit abwerfen und bei den Betrügern als rechtssicherer gelten. Dabei hat der BGH schon 2001 die Zusendung solcher, auf Täuschung abzielenden, Angebotsschreiben als Betrug gewertet.

Ärgerlich an der Betrugsform ist, dass man gezwungen ist der »Proforma-Rechnung« zu widersprechen, um nicht in Bredrouille mit dem Finanzamt zu geraten. Dieser Zwang wird hoffentlich viele Unternehmen veranlassen Rechtsmittel gegenüber den Abzockern einzulegen, und im Zweifelsfall diesen die entstandenen Kosten in Rechnung zu stellen. Man stelle sich vor ein Abzocker wird nicht einmal, sondern 20.000 mal zu einer Kostenübernahme von einer Stunde Sekretariatsarbeit verurteilt, zuzüglich der Rückforderungen, der Anwaltskosten, und einer mehrjähriger Haftstrafe für den mehrfachen Betrug und Betrugsversuch.

 

PS: Mit der Utopia AG hat dies alles ganz und gar nichts zu tun, wohl aber mit unserem Drang unredliches Geschäftsgebaren zu hinterfragen.

 

 

 

 

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