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MachMitMob auf Twitter ist Telekom-PR

Die Öffentlichkeitsarbeit der Telekom ist ein weites Experimentierfeld.

Social Media gilt bei Firmen als unkontrollierbar und wird deshalb gemieden. Nur wenige trauen sich ins Mienenfeld, die Deutsche Telekom AG gehört dazu.

Der MachMitMob 2010, der am 16. Juli 2010 stattfindet, ist eines dieser Engagements der Deutschen Telekom auf Twitter.
Es ist der Aufruf von Telekom-Mitarbeitern, einen Tag lang Vorschläge zum Thema Nachhaltigkeit zu twittern, und dabei das Tag #MachMit zu nutzen, um viele Tweets zum Thema Nachhaltigkeit zu sammeln.
Das Ganze unglücklicherweise »Online-Demo« zu nennen, heißt die Begrifflichkeit nicht verstanden zu haben oder mit neuen Bedeutungsinhalten füllen zu wollen, wir befürchten er findet neuerdings vermehrt Verwendung, um aktionistischer und rebellischer zu wirken.

MachMitMob ist PR

Dominik Holl, Telekom-Mitarbeiter in Bonn, meint es handele sich nicht um Telekom-PR, Grund genug unser Urteil zu untermauern.

Die Idee eines virtuellen Flashmobs mag einzelnen Mitarbeitern der Telekom gekommen sein, oder sie wurde ihnen vom Unternehmen an die Hand gegeben, letztlich wurde die Umsetzung maßgeblich vom Unternehmen befördert.
Während auf der Startseite des MachMitMob 2010 der Telekom für die Unterstützung gedankt wird, steht eben jene im Impressum, und verantwortet somit die redaktionellen Inhalte.
Die Website für den MachMitMob wurde von der Agentur 1000grad Digital im Auftrag der Deutschen Telekom AG erstellt. Domaininhaber für machmitmob.de ist, laut denic, ebenfalls die Deutsche Telekom AG. Ansprechpartner für die Administration ist Marion Schoeberl, langjährige Leiterin Public Relations Deutsche Telekom AG, jetzt Domainmanagement.

Wenn noch dazu im Interview mit der Rhein-Zeitung auf die Frage »Wie kommt man auf die Idee für den Machmitmob?« geantwortet wird »Man könnte sagen, dass es angefangen hat, als die Deutsche Telekom die Nachhaltigkeitsoffensive gestartet hat.« sei uns also gestattet, bei diesen Vorbedingungen auf eine PR-Maßnahme der DTAG zu schließen.

Public Relations umfassen, nach unserer Definition, jede Form der Öffentlichkeitsarbeit, also auch die Förderung der eigenen Mitarbeiter zur Vermittlung eines positiven Images des Unternehmens.

MachMitMob-Supporter

Mit rosa Quadraten kennzeichnen Telekom-Mitarbeiter ihre Twitter-Profilbilder.

Die Deutsche Telekom AG, als IT-Unternehmen, unterstützt das Engagement der Mitarbeiter in sozialen Netzwerken, gab ihnen einen Leitfaden zum Verhalten im Social Web an die Hand. Wir erinnern uns, ohne gerade den Beleg zu finden, dass auch die Kenntlichmachung der eigenen Zugehörigkeit zum Unternehmen zu diesem Verhaltenskodex gehörte. Deshalb haben die Telekom-Twitterer vielmals die rosa Quadrate des Telekom-Logos in ihrem Profilbild. (Der Vorteil: Man weiß immer an wem man ist, und so ganz nebenbei wirbt das Profilbild auch noch für die Telekom, ein Geniestreich.)
So zu sehen unter anderem bei den ersten »Supportern« der MachMit-Aktion (s.o.). Da die Liste der Supporter chronologisch geordnet ist, kann man hier ablesen, dass es einen koordinierten Anschub des virtuellen Flashmobs durch die Telekom-Mitarbeiter gibt.
Leider fehlen die Rosa Quadrate beim Profilbild des @machmitmob selbst, obwohl alle im Team der Telekom zuzuzählen sind. Mit einer Kennzeichnung hätte man jedes Missverständnis aus der Welt räumen können (denn nicht jeder guckt auf die Website). Leider fehlt auf dem Twitterprofil jeglicher Hinweis auf die Involvierung der Deutschen Telekom AG. Das wirkt wie Täuschung ist aber sicher nur ein Missgeschick.

Der Tag und die PR

Warum brauchte es einen Ersatz für den Tag #Nachhaltigkeit? Immerhin existiert für diesen Tag sogar ein eigener Bot auf Twitter, der nhbot.
Der #MachMit-Tag aktiviert die Twitter-Gemeinde durch die ihm implizite Aufforderung, und scheint einem Texter-Hirn entsprungen. Zudem ermöglicht ein Eigenname als Tag die Möglichkeit der eindeutigen Zuordnung, und damit Identifikation, des Absenders.
Kurzum, alle mit #MachMit gekennzeichneten Tweets befördern nicht nur das Thema Nachhaltigkeit, sondern können zusätzlich den MachMitMob-MacherInnen zugeordnet werden, und damit letztendlich der Deutschen Telekom AG.

Der Effekt

Ob die Kommunikation des Absenders nun geglückt sein mag oder nicht, unterm Strich hat die Aktion weit mehr Tweets zum Thema Nachhaltigkeit gebracht als sonst. Für einen Tag. Ist das nachhaltig?
Wünschenswert wäre eine dauerhafte Auseinandersetzung mit dem Thema Nachhaltigkeit. Zumindest lässt der Titel, »MitMachMob 2010«, auf eine jährliche Wiederholung schließen.

Was war nun bei den über 1.000 Tweets inhaltlich relevant. Leider nicht viel, doch das ist dem recht unterschiedlichem Niveau der MitstreiterInnen bei derlei Aktionen geschuldet.
Allgemeinplätze wurden bedient: Zu Fuß zur Arbeit, mittags kein Fleisch essen (an einem Freitag!), früh ins Bett und Licht aus.
Einiges Beklatsche und Gegrüße nebst stolzem Schielen auf die Twitter-Statistik. Es sei Ihnen gegönnt, schließlich heißt es ja auch Social Media und nicht Nachschlagewerk.
Zwischendrin auch ein paar lässliche Fehlinformationen und natürlich auch Brauchbares (allerdings ist das Medium halt keine Referenz-Linkliste):
zielinskimartin Open Access unterstützen. http://bit.ly/96fpiZ (via @ypoxx)
X2921294H Tele- und Videokonferenzen anstelle von Dienstreisen. Spart CO2 und Kosten.
think_ideas Schutz vor unerwünschter Werbung. Spart Bäume und Zeit: http://ow.ly/2cEuQ
dkomm
Ökostromwechsel, Rad & ÖPNV, (Rind-)Fleisch vermeiden
gittaha Roll-up display zu Leitlinien der Deutschen Telekom mit zu Meetings nehmen statt immer wieder Poster zu drucken. Awareness steigern!
metawops OHJA! RT @ypoxx: Endlich verstehen, dass nicht die Zeitung, sondern der Journalismus erhaltenswert ist. Spart bestimmt Papier.
Chrizzzzly Lexikon der #Nachhaltigkeit: http://www.nachhaltigkeit.info/
metawops
Sehr aufschlussreich immer: der foodwatch Newsletter! Sehr empfehlenswert! @foodwatch_de http://bit.ly/co10XT
Gute_Aussicht
Markentipp: Zeigen Sie Transparenz über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. #Markenkommunikation

Im Prinzip ist ein Twitterfeed zur Nachhaltigkeit nicht schlecht, wenn man sich die Zeit nimmt und dem Twitterfluss lauscht.
Im Nachhinein gestaltet sich das Lesen des zeitbasierten Mediums eher schwierig.
Nachhaltiger, da jeden Tag verfügbar, ist hoffentlich der Nachhaltigkeits-Ticker – eine Liste die man auch abonnieren kann.

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