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Lippenbekenntnisse gegen Rechts

Die »›Neue Rechte‹ auf Utopia«, dritter Teil: Wie die Utopia AG rechten Sektierern willfährig in die Hände spielt.

Das Vorspiel

Das Utopia Watchblog erspähte einen Beitrag im utopischen Universum, der in ein Netzwerk von rechten Verschwörungstheoretikern verlinkte. Unsere Veröffentlichung dieses Missstandes brachte indes keine Reaktion, da die Utopia AG ganz offensichtlich ihr eigenes Watchblog ignoriert. Beschwerden von Utopisten innerhalb des selben Threads blieben ebenfalls unbeachtet, da sich die Utopia AG auch der eigenen Mitglieder nicht annimmt, bzw. technisch nicht in der Lage scheint, derartige Wortmeldungen überhaupt wahrzunehmen.
Reagiert hat die Utopia AG erst, als sich Glocalist Medien den rechten Ausuferungen auf Utopia annahm, und hat auf den geharnischten Kommentar ebenso geharnischt reagiert. Immerhin hat die Utopia AG auch den angemahnten Beitrag gelöscht, etwas zu dem weder der Watchblog noch die eigenen Mitglieder die Utopia AG hatten bewegen können. (Ein Dank geht hierfür somit an Glocalist Medien, die die nötige Öffentlichkeit zu erzeugen wussten, um den nötigen Handlungsbedarf zu schaffen.)

Zur Entschuldigung bringt die Utopia AG vor, dass »die Kommentare eines Nutzers nicht sofort entdeckt wurden«, und schlägt vor:

Wenn Sie daran interessiert sind, dass fragwürdige Inhalte schnellstmöglich aus der Öffentlichkeit verschwinden, können Sie uns jederzeit direkt ansprechen und auf die Inhalte hinweisen. Wir sind für jegliche Unterstützung dankbar.

Nichts leichter als das. In einem weiteren Artikel zeigen wir fünfzehn weitere Beiträge auf Utopia auf, von denen aus auf Webseiten des rechten Truther-Netzwerks verlinkt wird, und teilen dies Stefanie Dowe (Head of Stakeholder Dialog Utopia AG), Autorin der oberen Zeilen mit.

(Eine kleine Einführung in die Welt der Truther gibt es beim Netz gegen Nazis der Zeit im Artikel »Verschwörungstheotien, Antisemitismus und das Web 2.0«.)

Das zähe Ringen gegen Rechts

Eine Reaktion auf unsere Mail, seitens Stefanie Dowes, erfolgt nicht. Auch unserem telefonischen Nachfassen wird mit Verleugnung begegnet. Allerdings wird der Problemfall nun an den Community Manager Werner Stickler delegiert, der sich umgehend bei uns meldet.

Erfreulicher Weise kommt Herr Stickler, unabhängig von uns, ebenfalls zu dem Schluss, dass die Löschung der Verlinkungen in braune Netzwerke allein keine adäquate Lösung darstellt. Vielmehr geht er mit unserer Meinung kongruent, dass es zudem der Aufklärung über die Rechten an genau der Stelle bedarf, wo sie versuchen Fuß zu fassen.
Zu diesem Zwecke will Herr Stickler einen Artikel über die Rechten und ihr Agieren in Sozialen Netzwerken erstellen, auf den dann wiederum verwiesen werden kann, sobald er einer neuerlichen Intervention von rechts gewahr wird. Zudem sollen die von uns aufgezeigten Verlinkungen mit einem diesbezüglichen Kommentar ausgestattet werden.
Soweit der Plan.

Der erste vereinbarte Termin verstrich, und wir vertagen diesen Artikel, um die Aktion der Utopia AG in den Artikel mit einfließen lassen zu können.
Infolge riefen wir im Wochentakt bei Herrn Stickler an, um uns vertrösten zu lassen. Nach drei Wochen hatten wir auf diesen Ringelpiez keine Lust mehr.

Nunmehr sind seit unserem Schreiben an Stefanie Dowe zwei Monate vergangen (Wir erinnern an das »schnellstmöglich« aus oben angegebenen Zitat.). Der letzte Anruf bei Werner Stickler liegt knapp drei Wochen zurück. Getan hat sich nichts.

Die von uns aufgezeigten Verlinkungen in die rechten Netzwerke sind weder gelöscht, noch kommentiert. Sie fungieren weiterhin als Einstieg in die rechte Szene.

Die ausbleibende Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen gegen rechte Infiltration wirft Fragen auf:

Wird die Gefahr, die durch derlei Unterwanderungen ausgeht, nicht erkannt?
Wir berichteten bereits über die deutlich höhere Reichweite der ASR-Webseite, dem Flaggschiff der Truther-Bewegung im Vergleich zur Utopia Community. Auch die Facebook-Repräsentanz von ASR sammelt doppelt soviel Mitglieder um sich, wie die Utopia-Gruppe auf Facebook. Wir glauben jedoch nicht, dass man bei der Utopia AG, den Verharmlosungen aus der Truther-Szene anheim fällt, immerhin hat man den ersten von uns gemeldeten Link gelöscht.

Woran kann dann das Unvermögen einer Reaktion auf die Infiltrationsversuche durch rechte Gruppierungen liegen?
Fehlt es an Argumenten gegen einzelne Webpräsenzen, fehlt es an der Begründung für das Rügen einzelner Inhalte. Sicher ist man sich beim Bewegen am rechten Rand seitens der Utopia AG nicht immer sicher in der Einschätzung, vor allem, da sich die Protagonisten der Szene kaum die Blöße geben – und eine Rechtslastigkeit häufig vehement abstreiten, ist die Beweisführung schwierig. Doch hierfür gibt es Hilfe, und Quellen.

Ins Feld geführt wird auch gern die fehlende Zeit, doch bitteschön, was bedarf einer höheren Priorität in der Wichtigkeit – eine anstehende, jährlich wiederkehrende Konferenz oder die Grundsteinlegung für ein rechtschaffendes Vorgehen gegen den braunen Sumpf im eigenen Garten?
Wie kann die Positionierung gegen Rechts bei der Prioritätenbildung der Aufgaben auf der Strecke bleiben, oder anders gefragt: Was läuft da falsch bei der Utopia AG, wenn dergleichen geschieht?

Solange der bloßen Absichtsbekundung kein Handeln folgt, bleiben Statements gegen Rechts reine Lippenbekenntnisse, die im Endeffekt den Rechten in die Hände spielen.

Momentan beteiligen sich 57 Soziale Netzwerke an der Kampagne »Soziale Netzwerke gegen Nazis«, unter ihnen auch die VZ-Netzwerke, mySpace, youtube & Co. Lediglich facebook fehlt … und Utopia. Die Aktionswoche (11.-17. Oktober 2010) hat man bereits verpasst. Stellt sich im Kontext des utopischen Claims – »Wir fangen dann schon mal an.« – die Frage: »Wann?«

 

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