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»Henkel findet Palmöl gut - wir nicht.«

Mitwirkende: rockrebell, schiessbogen, serpente
creative commons (by-nc-nd) André Henze

Protestaktion vom Rettet den Regenwald e.V. zur Palmöl-Nutzung von Henkel für Terra Activ-Produkte

Henkel's Terra Activ – »Bio« statt öko – »nachwachsend« statt nachhaltig

Regenwaldrodung für Ölpalmplantagen

Henkel, Partnerunternehmen der Utopia AG, hat sich ein grünes Mäntelchen übergestreift, das heißt Terra Activ.
Es ist deshalb ein grünes Mäntelchen, da die Herstellung existenter Produkte nicht auf ökologisch verträglichere Produktionsprozesse und Rohstoffe umgestellt wird, sondern man, für das bei einigen Konsumenten erwachte Umwelt-Gewissen, mit viel Werbeaufwand eine extra Produktlinie etabliert. Nachhaltig wäre die Umstellung der existenten Produktlinien nach ökologischen und ethischen Maßstäben.

Die Palmöl-Falle

Nun bekommt selbst das grüne Mäntelchen Flecken, ein wesentlicher Bestandteil der Terra Activ-Waschmittel ist das verruchte Palmöl.

Der nachwachsende Rohstoff Palmöl ist mit nichten nachhaltig, er wird in Monokulturen angebaut und mit Herbiziden eingenebelt. Die Monokultur sorgt für eine Minimierung des Tierlebens auf dem Anbaugebiet. Der benötigte Boden für die Palmöl-Plantagen wird auf Kosten gerodeten Regenwaldes bereitgestellt und zur Bewirtschaftung werden auch Kinder herangezogen.

Rodung des Regenwaldes

Neben der selektiven Rodung zur Holz- und Papiergewinnung und der Brandrodung durch Kleinbauern hat sich eine dritte zerstörerische Kraft zur Vernichtung des Regenwaldes gesellt. Die Abholzung oder Niederbrennung dient der Landgewinnung für Ölpalm-Plantagen. Palmöl ist nämlich ein nachgefragter Rohstoff und verspricht satte Gewinne, ob als Lebensmittel, Kosmetikprodukt oder als Biokraftstoff.
In den letzten 15 Jahren wurden rund 5 Millionen Hektar Palmöl-Plantagen in den Haupterzeugerländern Malaysia und Indonesien angelegt, rund die Hälfte davon auf Kosten vom Regenwald. Zwar haben die produzierenden Länder immer wieder beschworen, keinen Regenwald zur Plantagenerschließung zu roden, jedoch belegen zwei Studien, dass hier offensichtlich gelogen wurde. Mehr noch, plant Indonesien die weitere Erschließung von 20 Millionen Hektar, das entspricht in etwa der Fläche von Großbritannien, den Niederlanden und der Schweiz zusammen.
Der indonesische Landwirtschafstminister hat im Februar 2009 das Moratorium zum Rodungsstop von Torfmooren aufgehoben, das im Dezember 2007 in Kraft trat.
Torfmoor-Regenwälder sind wiederum CO2-Speicher, durch die Rodungen werden jedes Jahr 2 Milliarden Tonnen CO2 freigesetzt.
Die malaysische Palmölindustrie musste derweil eine Schlappe hinnehmen, ihre Anzeigenkampagne in Großbritannien wurde verboten.
Die britische Werbeaufsichtsbehörde monierte explizit die falsche Werbeaussage, dass »das malaysische Palmkernöl ›nachhaltig‹ sei und zu der ›Verminderung der Armut, insbesondere der ländlichen Bevölkerung‹ beiträgt«.

Gift

Auf den Monokulturen werden Herbizide verspritzt.
Unter Umständen ist gar nicht so viel Bio drin, wie man bei der giftgrünen Flasche und den bunten Bio-Aufdrucken der Terra Activ-Flaschen vermuten würde. Für eine Euro-Blumen-Zertifizierung, auch nur ein Siegel das Mindeststandards in Sachen Ökologie garantiert, hat es nicht gereicht.
Während sich unter Bananen- und Tee-Produzenten bereits herumgesprochen hat welche Nachteile der Pestizieinsatz hat und sie sich deshalb z.B. vom Pestizid Paraquat verabschieden, so die Initiative Erklärung von Bern, wird dieses Herbizid noch häufig auf Ölpalmplantagen ausgebracht und führt ob seiner hohen toxischen Wirkung vor allem zu akuten Vergiftungen, sowie Haut- und Augenschäden bei den Plantagenarbeitern, kann aber auch zum Tode führen.
Speziell zu Paraquat gibt es eine Schweizer Website, die über die Opfer des Herbizid-Einsatzes berichtet und Lösungsvorschläge bereithält.
Übrigens hat die DEA bereits anno 1978 die Schädlichkeit von Paraquat dafür genutzt in Mexiko Marihuana-Felder zu vergiften, wie dereinst das Musik-Magazin Village Voice berichtete.

Kinderarbeit

Als Sahnehäubchen stolpert man einmal mehr über Kinderarbeit, da gerne mit den billigsten und entrechtetsten Arbeitskräften gearbeitet wird, die man kriegen kann.

Die Initiative Aktiv gegen Kinderarbeit hält auf ihren Webseiten sehr übersichtlich Informationen bereit, welche Arbeiten auf Palmöl-Plantagen von Kindern ausgeführt werden und welche Konsequenzen dies für ihre Gesundheit haben kann. Neben der Überbeanspruchung der kindlichen Anatomie, Verunfallung durch fehlenden Arbeitsschutz werden Hautkrebs, Schlangen- und Moskitobisse, Pestizidvergiftungen und sexuelle Übergriffe genannt, also die gesamte Bandbreite der sich völlig entrechtete Menschen ausgesetzt sehen.
Leider sind die Möglichkeiten zum selbst aktiv werden recht beschränkt. Grundsätzlich gilt die Empfehlung sich über lokale Bioläden einzudecken und dort auch die nötigen Information anzufragen.
Das es durchaus Möglichkeiten gibt, Palmöl zu zertifizieren und somit ökologisch und ethisch vertretbar zu handhaben, zeigt Amanprana mit ihrem roten Palmöl.
Auch hier gibt es allerdings noch Verbesserungsbedarf, so gilt für das SA-8000-Zertifikat eine Altersbeschränkung von 14 Jahren für Kinderarbeit, also im Sinne der International Labour Organisation, während die UN-Kinderrechtskonvention von 1989 eine generelle Altersschutzgrenze von 18 Jahren einfordert.
Vertiefende Informationen zur Kinderarbeit finden sich auf den Seiten der KinderKulturKarawane.

Einen Zusammenschnitt eines des Fernsehbeitrags »Fette Beute – Palmöl aus Indonesien« arbeitet die Gentrifizierung bei der Umwandlung von Wald in Plantage noch einmal heraus. Der ganze Film kann bei der Produktionsfirma Globalfilm geordert werden.

RSPO – die Industrie bittet zu Tisch

Dem soll eigentlich ein Zertifikat entgegenwirken, das Siegel des Roundtable of Sustainable Palm Oil (kurz RSPO), dass auch Nils Hemmerle, Brand Manager bei Henkel, gerne bemüht.
Nun verhält es sich mit dem RSPO-Siegel so, unter den knapp 303 Mitgliedsorganisationen befinden sich knapp 20 Umwelt- und Sozialorganisationen, die restlichen Sitze (282) belegt die Industrie, nicht gerade paritätisch, unter Umständen mitverantwortlich für die zahnlosen Vorgaben für die Erlangung einer RSPO-Zertifizierung.
Als Vorzeige-Umweltorganisation und Gründer fungiert der WWF, der gleich mehrfach im Gremium vertreten ist. Zwar ist auch dem WWF, die Problematik des exzessiven Raubbaus bewusst, titelt er auf der eigenen Seite »Palmöl – Chance mit Risiko«, doch hält man wohl weiterhin am Pakt mit der Industrie fest und lässt sich somit instrumentalisieren.

In der Realität wird der Regenwald gerodet, hernach an Plantagenbetreiber veräußert und dann RSPO-zertifiziert.
Im Oktober 2008 verabschieden deshalb 250 Umwelt- und Sozialgruppen die Internationale Erklärung gegen Greenwashing von Palmöl durch den RSPO (PDF).

Der Zulieferer für Henkel, United Plantations, wurde von Greenpeace gerade überführt gegen die minimalistischen Anforderungen des RSPO-Siegels verstoßen zu haben.
Illegale Regenwaldrodungen, die Verwicklung in Landkonflikte, die Verhaftungen von 4 Kleinbauern und Torfmoor-Trockenlegungen konnten dem Henkel-Lieferanten nachgewiesen werden. Ein ausführliches Dokument (PDF) steht auf der Greenpeace-Seite bereit.

Zudem hat Greenpeace ein Klimaschutz-Camp in Sumatra eingerichtet, über das man sich im Im Wald-Blog informieren kann.

Henkel findet Palmöl gut – wir nicht!

Momentan (November 2009) initiiert die Organisation Rettet den Regenwald die Protestaktion Henkel findet Palmöl gut – wir nicht!, welche Henkel und deren Testimonial Esther Schweins daran erinnert, welche Augenwischerei sie gerade veranstalten.
Knapp 10000 vergräzte Kunden haben sich schon an der Aktion beteiligt. Das sind so viele wie Nils Hemmerle in einer Werbeaktion für Terra Activ als Tester der neuen Waschkraft gewonnen hat. Interessant ist daran lediglich, dass die Qualität der Lobhudeleien der Tester in etwa den monetären Wert des verschenkten Testpakets widerspiegelt. Niels Hemmerle ist derweil stolz wie Bolle auf seine 360°-Kampagne, obwohl das letztlich nur bedeutet, dass man alle Medienkanäle mit Werbung zumüllt.

Die Waschmittel bestehenlediglich aus 60 % nachwachsenden Rohstoffen, dementsprechend müssen 40 % aus nicht nachwachsenden Rohstoffen stammen. (Andere Quellen berichten von 85 % nachwachsenden Rohstoffen, wir halten uns aber lieber an die Presseerklärungen des Herstellers.)
Warum Henkel die Verwendung von Palmöl als ökologische Neuerung herausstellt bleibt dabei ein Rätsel, seit 1864(!) produziert die B.J. Johnson Soap Company schon Reinigungsmittel auf Palmölbasis und benannte sich wegen des durchschlagenden Erfolges in Palmoliv um.

Auch die Hülle bleibt hinter den Erwartungen zurück

Die »intelligenten Verpackungsformen«, so Henkel, vermisst man bei den (immerhin) PE/PP-Flaschen der Flüssigwaschmittel, genauso wie konkrete Angaben zur Einführung von Bioplastik.
Die Hauptarbeit der Düsseldorfer Design-Agentur Brösske, Meyer & Ruf dürfte im Durchfechten der knallgrünen Farbe bestanden haben, die von Befürwortern gerne als Apfelgrün und von Gegnern gern als Giftgrün bezeichnet wird.
Anscheinend ist Bioplastik noch nicht hübsch genug für die Kundschaft (da ruiniert man lieber die Umwelt, dafür sieht es dann »fetzig« aus) und auch nicht profitabel.

»Abstriche beim Erscheinungsbild und deutlich höhere Kosten sprechen derzeit noch gegen einen Einsatz von Bioplastik als Verpackungsmaterial.« (ebd.)

Auch in Zukunft möchte der Konzern nicht in die Entwicklung von Verpackungen aus Bioplastik investieren, sondern lediglich anderen dabei zugucken, wie sie die Verpackungsrevolution vorantreiben.

»Wir werden die Entwicklung auf diesem Sektor weiter verfolgen und aktiv nach geeigneten Materialien und Anwendungen suchen.« (ebd.)

Ach so, man wird also aktiv zugucken wie andere Bioplastik-Verpackungen entwickeln, das nennen wir mal nachhaltiges Engagement.

Was soll ich bloß Tunfisch?*

Es empfiehlt sich Unternehmen wie Henkel links liegen zu lassen, denn selbst wenn sie für einen geringen Teil ihrer Produktpalette eine reale Zertifizierung hinbekommen würden und Umwelt und Mitarbeiter mit dem nötigen Respekt behandelten, würde dies nur für diesen kleiner Ausschnitt aus der gesamten Produktpalette des Unternehmens gelten.

Zum Glück gibt es Alternativen, die wirklich ökologisch sind. Die Produkte sind vielleicht nicht so präsent wie Henkel's Terra Activ, dafür kann man sich sicher sein, dass die Einnahmen nicht für teure 360 Grad-Werbekampagnen verpulvert werden.
Ein Baukastensystem findet sich bei der Firma Spinnrad. Die gibt es momentan nur online, das ändert sich u. U. wenn man lange genug im Bio-Laden nachfragt.
Gleiches scheint für die Reinigungsmittel von Sonett zu gelten.
Die Firma Auro, bekannt für ihre Öko-Farben, stellt ebenfalls Öko-Waschmittel her, und das schon seit Jahrzehnten. Die Reinigungsmittelserie heißt Awalan.
Der Öko-Büroartikler memo hat ebenfalls Wasch- und Reinigungsmittel, der Serie Klar, im Angebot.
Der Drogeriemarkt dm, bekannt für seinen korrekten Chef, hat eine eigene Öko-Reinigungs-Produktlinie mit dem schönen Namen Denk mit im Programm, allerdings kein Baukastensystem.

Ein paar Tipps finden sich in einem älteren Artikel der Schrot & Korn, z.B. der, dass Flecken mit ein wenig Gallseife vorbehandelt werden können.
Ein Test von 17 Voll- bzw Colorwaschmitteln kann bei Ökotest für 1,20 € bestellt werden.
Ein vertiefender Artikel zum Test findet sich in der nzz online.

Kein Mensch braucht das überteuerte Terra Activ. Kein Mensch braucht den Werbemüll, mit dem Phrasendrescher Nils Hemmerle uns zu beglücken sucht.
Stattdessen kann man zu echten Öko-Waschmitteln greifen, man darf sich nur nicht von bunten »Bio«-Aufklebern der Scharlatane täuschen lassen.

* Songtitel von ichfunktion

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