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Etikettenschwindel

creative commons (by-nc-nd) André Henze

Mit neuem Brandbrief zündelt Claudia Langer im Glashaus sitzend.

Pünktlich zum 25-jährigen Jubiläum der Zeitschrift Öko-Test nimmt Claudia Langer eben diese Institution aufs Korn.

Aus »Brandbrief« wird »Editorial«

Während im Googlealert zum Artikel noch das Wort »Brandbrief« prangt, ist diese Negativ-Vokabel wie von Geisterhand aus dem zugehörigen Artikel verschwunden, dafür heißt es nun »Editorial«. Diese Qualitätssteigerung beschränkt sich leider auf den Rubriken-Titel.

Screenshot »Brandbrief«

Screenshot des Googlealerts

Screenshot »Editorial«

Screenshot der zugehörigen Utopia-Website

Bleibt zu hoffen, dass das stetige Anprangern und Brandbriefen ein Ende findet.

Öko-Test-Kritik

Hauptsächlich krititsiert Claudia Langer alt Bekanntes. Als Aufhänger dient der Spiegelartikel »Verwelkender Ahorn…« (auf den seitens Utopia nicht verlinkt wird). Ein wenig von Claudia Langer herbeigeredet, scheint die »Diskussion, die sich daran [dem Spiegel-Artikel] erhitzen wird«.

Auf die Kritik aus dem Spiegelartikel hat Öko-Test mit einem eigenen Artikel reagiert der eine Richtigstellung beinhaltet.

Die Kritik von Claudia Langer ist mithin eine Aufzählung von Zitaten aus dem Spiegelartikel und soll kurz zusammengefasst werden, unter Auslassung der gefühlsduseligen Ausschmückungen aus dem Erfahrungshorizont Frau Langers.

An Kritik werden zwei Vorwürfe aus dem Spiegel-Artikel von Frau Langer übernommen.

Kritisiert wird die Fehleinschätzung der Verbraucher, die das Öko-Test-Siegel zu häufig als Bio-Siegel fehlinterpretieren würde. Es mag mit der heutigen Kurzatmigkeit des menschlichen Geistes zusammenhängen, dass »Öko« und »Bio« gleichgesetzt werden, auch an der medialen Verbrämung wie sie u.a. der Utopia-Partner Henkel zelebriert, Öko-Test kann dafür jedenfalls nichts. Eine klare Definition davon, wie die Utopia AG »ökologisch« definiert fehlt der Langer'schen Anklage. »Die Frage der Herstellung werde völlig ausgeblendet« zitiert man Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft, und mithin ein Lobbyist. Dieser führt weiter aus »die Produktionsbedingungen, Fragen der Tierhaltung oder des Naturschutzes werden schlicht ignoriert«.
Dass Bio-Produkte per se keine Aufwertung im Öko-Test erfahren, da man sich hierbei auf Herstellerangaben verlassen müsste, ignorieren Löwenstein und Langer ihrerseits, werden aber von Öko-Test in der Replik »Bio bleibt außen vor« berichtigt. Karin Schumacher, die als stellvertretende Chefredakteurin die Tests verantwortet, positioniert sich: »Würden wir also Bio-Produkte grundsätzlich besser bewerten als konventionelle, wie es Bio-Verbände fordern, wären es Herstellerangaben, die wir zur Grundlage unserer Bewertung machen müssten. […] wir sind nicht das ÖKO-Glaub, sondern das ÖKO-TEST-Magazin«.
Auch zu Fragen der Produktionsbedingungen und deren Einfluss in die Tests hat Öko-Test eindeutig Stellung genommen. Im Artikel »CSR, Fairtrade & Co.« wird ebenfalls auf die Problematik der Überprüfbarkeit von Hersteller-Angaben eingegangen. 2007 geriet Utopia-Partner Otto wegen Kinderarbeit bei Zulieferrern des Tochterunternehmens Heine in die Schlagzeilen.

Öko-Test würde zu wenig Wert auf Nutzen und Funktionalität der Produkte legen. Dazu nimmt Öko-Test Stellung im Abschnitt Testverfahren / Bewertungskriterien ihrer Website. Gleichzeitig wird im faq-Abschnitt »So haben wir getestet« auf diverse Tests verlinkt. 

Diese Erläuterungen von Öko-Test, konnten der Autorin, legt man die jeweiligen Veröffentlichungsdaten zu Grunde, bekannt sein, hielten sie jedoch nicht davon ab, in das Horn des Spiegel-Artikels zu blasen.

Sticheln gegen den Wettbewerber

Die Attacken gegen Öko-Test haben bei Utopia Tradition. Ein solcher Artikel inspirierte uns bereits im April des vorherigen Jahres zu einem Beitrag über das Label Utopia.

Das derlei Miesmacherei bei der eigenen Community nicht gut ankommt zeigen Kommentare zu der letzten, vor einem Jahr initiierten Kampagne gegen Öko-Test. Weblempel fragt sich »Es ist schon auffallend, dass bestimmte Medien und auch Utopia über Öko Test herfallen. Warum nur?«. Inaktiver User 31110 (nunmehr wohl ein Ex-Utopist) vermutete eine Verschwörung der Gutmenschen: »Dass sich allerdings die Utopia AG aus dem Fenster lehnt und gegen Ökotest, ich sage jetzt mal, ›Front macht‹, kann ich allerdings nur deshalb nachvollziehen, weil der Artikel in der Zeitschrift ›natur + kosmos‹ veröffentlicht wurde, die zu Utopias Partnern gehört.« Utopistin Tuberkula zitiert ob der Angriffe auf Öko-Test gar aus dem Matthäus Evangelium »Aber was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, doch den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr?«
Schon 2008 hatte man sich der Kritik an Öko-Test-Artikeln angeschlossen.

Das Aufgreifen von Kritik an Öko-Test durch die Utopia AG scheint Methode zu haben. Jede Möglichkeit gegen den Wettbewerber anzuschreiben wird genutzt. Zumal mit der Einführung des eigenen ProduktGuides, und der fatalen Fehleinschätzung, es würde sich hierbei um ein konkurrenzfähiges Produkt (zu Öko-Test) handeln, scheint jeder Anlass recht, den Wettbewerber Öko-Test zu diskreditieren, zumindest aber ihm den Makel des Zweifels anzuheften. »Rufschädigung« konstatierte schon vor einem Jahr ein Community-Mitglied.

Wer im Glasshaus sitzt …

Ungünstig wirkt ein solcher Feldzug, für eine Fehde müsste sich Öko-Test erst noch auf das utopistische Niveau herab begeben, wenn man selbst nicht strahlendes Vorbild ist.

Das angebliche Konkurrenzprodukt ProduktGuide glänzt hauptsächlich durch hübsche Produktfotografie. Die Produkte werden nicht getestet, ja eigentlich sogar ungesehen durch Partnerfirmen im eigenen Portal eingestellt. Nach dem dies anfänglich zum peinlichen Desaster geriet, versucht man die schlimmsten Schnitzer händisch zu entfernen. Dennoch wird hier Glaube über Testen, und das Vertrauen der Konsumenten auf eine nicht endende Geduldsprobe gestellt.

Das Mäkeln am Markennamen »Öko-Test« bekommt einen Beigeschmack, sobald man sich den Namen »Utopia« einmal auf der Zunge zergehen lässt. Auch hier wurde, wie beim Öko-Test, die ursächlichen Bedeutung nach Morus’schen Bildes inhaltlich aufgeladen und erweitert. Weder die ursprüngliche Definition noch die heute etablierte wollen recht auf die Unternehmensziele der Utopia AG passen. (Zugegebener Maßen, war Utopia-Gründerin Claudia Langer vom Namen auch nicht wirklich überzeugt.) Man vermittelt einen Eindruck dem man nicht standhalten kann und verprellt die eigene Klientel.
Oder vielleicht doch nicht. – Die Unerreichbarkeit des Definierten liegt der Utopie zu Grunde. Dem entspricht der ewig währende Reigen des utopistischen Credos »Wir fangen dann schon mal an«, welches nun schon drei Jahre in Endlosschleife läuft.

PS: Wir wünschen Öko-Test zum 25. Jubiläum Tatkraft und Contenance!

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