Gestatten: Willkür
Beschreibung der Repressionstechniken mit denen die Utopia AG auf Kritik reagiert.
(Ein Artikel vom 25.3.2009 der wohl mit für meinen Rauswurf verantwortlich war.)
Im Raum steht eine gewisse Verständnislosigkeit und damit Hilflosigkeit seitens der Utopia AG, ob der üblen Unterstellungen und haltlosen Verdächtigungen:
»Wir verstehen Eure Nachfragen aber verstehen nicht den Verdacht der Willkür oder bösen Absicht.« (Werner Stickler, Moderator)
Die Antwort lautet kurz angebunden aber prägnant: »Selbst schuld.« und soll hier ein wenig ausführlicher erläutert werden.
1. Wenn Fragen nicht oder nur unzureichend beantwortet werden, neigen Fragende dazu dieses Informationsdefizit selbst aufzufüllen. Es mag der Phantasie des Menschen und seinem Wunsch nach Spannung und Aufmerksamkeit entspringen, dass hier die abstrusesten und gruseligsten Phantasien am ehesten Gehör finden.
Durch die Nichtbeachtung dieser einfachen Kommunikationsregel hat die Utopia AG dazu beigetragen die Gerüchteküche ordentlich auf Trapp zu bringen.
Dabei ist im Nachhinein völlig unerheblich ob ein technisches Problem, ein Problem in der Qualifikation der Mitarbeiter oder ein Problem in der quantitativen Auslastung der selben die Ursache ist. Vielleicht war es auch eine Mischung aus allen dreien?
Vorbeugen kann man dem mit offenherziger, sich an Ausführlichkeit überbietender Kommunikation. Immer nach dem Gusto: Was möchte mein Kommunikationspartner von mir wissen? Und nicht: Was möchte ich ihm mitteilen?
2. Die Einschränkung der Funktionalität der Community-Site vom 10. März 2009 bis 12. März 2009 war so ziemlich das Seltendämlichste was man hätte anstellen können, und im folgenden soll erläutert werden warum. Trennen wir als erstes Ursache und Wirkung. Auf die Ursache, also die kritischen aber nicht konstruktiven Beiträge, gehe ich später ein.
In der Wirkung wurde von Daniel Überall eine »Flutung« der Community-Website attestiert. Daraufhin wurde die Anzahl der dargestellten Neueinträge halbiert und mit dem Abschalten der »Mehr«-Funktion die Funktionalität der Seite derart eingeschränkt, dass eine sinnvolle Nutzung unmöglich gemacht wurde.
Was war nun falsch an dieser Maßnahme?
Zum einen wurden alle (utopisch positiv geschätzten) 40.000 Utopisten für etwas bestraft, was man vielleicht einer handvoll Aufmüpfigen hätte vorwerfen können.
Darin besteht die Willkür.
Des weiteren hat man sich schlicht erspart im Einzelfall die Verfehlung der Utopisten zu begründen. Auch dies bedient den Verdacht auf Willkür. Dazu später mehr.
Da zu diesem Punkt bis heute jede Stellungnahme / Einsicht von Seiten der Utopia AG auf sich warten lässt, greift wieder Punkt 1.
Die von den Utopisten erfahrene und somit erlernte Willkür seitens der Utopia AG, wird fortan auf alle Handlungen der AG, auch rückwirkend angewendet. Sprich jede Handlung wird nun unter dem Verdacht der Willkür misstrauisch beäugt.
Dem kann die Utopia AG nur schwer etwas entgegensetzen. Gebranntes Kind scheut das Feuer. Es wird eine lange Zeit dauern und viel Transparenz brauchen, um dieses Misstrauen auf Seiten der Utopisten wieder abzubauen.
Der konstruktive Flashback.
Wie hätte nun die AG bei gleichen Voraussetzungen anders handeln können?
Erinnern wir uns noch einmal an die von Daniel Überall eingebrachte Metapher des »Flutens«. Übertragen wir diese Metapher in die Realwelt und finden eine neue Herleitung. Wenn es kritische Beiträge regnet und der Staudamm droht überzulaufen, wie bekommt man das in den Griff? Indem man das Schleusentor zumacht oder die Tore weit öffnet, um den Druck aus dem System zu nehmen?
Vielleicht wäre es sinnvoller gewesen die Beitragsliste anstatt sie zu verkürzen, zu verlängern, sagen wir mal auf 50 Beiträge. Denn das Ziel sollte doch sein, dass der »unkritische« Utopist weiter aus einer reichen Zahl von Beiträgen wählen kann.
Vielleicht hätte die Utopia AG diese Utopisten unterstützen sollen, anstatt ihre Rechte zu beschneiden. Z.B. hätte man mittels einer farblichen oder grafischen Markierung, interessante (also »unkritische«) Beiträge von kritischen Beiträgen visuell trennen können? So hätte jeder das lesen können was sie/ihn interessiert.
Vielleicht hätte ein kurzer Kommentar seitens der Moderatoren in den kritischen und doch nicht ausreichend konstruktiven Beiträgen zu einem konstruktiven Dialog geführt? Zumindest hätte so jeder Utopist feststellen können, dass er/sie für das Debakel verantwortlich gemacht wird, und hätte das eigene Handeln überdenken können.
Doch auf einen Lerneffekt hat man für beide Seiten zugunsten der »Knüppel aus dem Sack«-Methode verzichtet. Was nun wiederum manch Utopisten an der Dialogbereitschaft der Utopia AG zweifeln ließ. (Für die Wiedererlangung des Vertrauens in diese Bereitschaft wird ja momentan schon einiges getan.)
Eine öffentliche Entschuldigung bei all den gegängelten Utopisten und ein Versprechen derartige Willkür in Zukunft nicht mehr zu praktizieren, halte ich für das mindeste an Reaktion seitens der Utopia AG.
Die Folgen
- Die Dialogbereitschaft seitens der Utopia AG ist in Frage gestellt.
- Es herrscht Misstrauen auf beiden Seiten.
- Die Repressionspolitik als adäquates Mittel seitens der Utopia AG Intereessen durchzusetzen ist etabliert.
- Die Machtverhältnisse sind klar definiert.
- Innere Emigration von Usern.
- Aufbau und Nutzung von alternativen Kommunilationswegen zu Utopia (Adresstausch / Watchblog etc.).
- Die Lead-Nutzer laufen weg.
- Langfristiger Einbruch bei der Generierung von Inhalten durch die Utopisten.
Ist das wünschenswert?
In meinem Kopf hat sich folgendes fiktives Bild festgesetzt: Claudia Langer kommt empört ins Büro und sagt: »Das muss sofort aufhören«. (Gemeint sind all die »negativen« Beiträge.) Daniel Überall druckst ein bißchen unwillig herum: »Wir könnten die Funktionalität der Community-Site vorübergehend beschneiden, bis die Leute keine Lust mehr haben rumzukrakelen.« (Gesagt – getan.) Dieses Bild würde ich gern loswerden. Vielleicht erzählt ihr einfach mal wie es wirklich war?
Eigentlich unnötig aber hier der Vollständigkeit halber noch mal erwähnt. Neue »Kunden« zu generieren ist deutlich teurer als alte zu behalten.
Die Ursache
Als Ursache für den Einsatz repressiver Mittel wird ein erhöhtes Aufkommen kritischer, allerdings wenig bis gar nicht konstruktiver, Beiträge erwähnt.
Im Sinne der Transparenz wäre es notwendig dies seitens der Utopia AG ausführlich zu kommunizieren.
- a)
- Welche Artikel waren es genau, die als kritisch aber nicht konstruktiv genug eingestuft wurden. Eine (Link-) Liste dieser Artikel möchte ich gerne erhalten, um nachvollziehen zu können ab wann ein Beitrag nicht mehr als konstruktiv gilt.
- b)
- Eine Gegenüberstellung der Zahlen »kritische« Artikel versus »normale« Artikel wäre zusätzlich hilfreich, um nachvollziehen zu können, ab wann man in der Utopia AG von einem »Fluten« ausgeht.
- c)
- Im Sinne der hausinternen Kritik wäre eine, oben bereits erwähnte, Kommentierung der »kritischen« Beiträge aus den genannten drei Tagen durch die Moderatoren und Redakteure wünschenswert. Ich anempfehle in diesem Falle die eingeforderte »Konstruktivität« auch selbst anzuwenden. Warum war der einzelne Beitrag nicht konstruktiv und wie kann der Utopist ihn konstruktiver gestalten?
PS: Grundsätzlich erwarte ich aus Gründen der Höflichkeit bei Nichtbeantwortung einer Frage eine Begründung warum diese Frage nicht beantwortet wird. Das beugt weiteren Spekulationen vor.

