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Die »Neue Rechte« auf Utopia

creative commons 3.0 (by-nd) André Henze

Erneut werben Utopisten für den Rechten Rand.

Diesmal versucht das rechtskonservative Lager auf Utopia Fuß zu fassen.
Der Utopist fahrradfahrer bewirbt gleich drei Webseiten, welche die einseitige Information der Utopisten erweitern soll.

Werbung fuer die »Neue Rechte«

Bei den drei beworbenen Seiten handelt es sich um Vertreter des rechts-konservativen Lagers, im Dunstkreis der neuen Rechten. Sie werden der sogenannten Truther-Bewegung (dt. »Wahrheitsbewegung«) zugeordnet.

NuoViso.tv ist eine Videoproduktion um Verschwörungstheorien und esoterische Themen – mit dem hier beworbenen, angegliederten Videoportal. Der im Beitrag erwähnte Film »Kriegsversprechen« von Frank Höfer (Firmeneigner von NuoViso.tv) wird explizit von der NPD Wittenberg beworben. Des weiteren dokumentierte Frank Höfer u.a. die Gründungsveranstaltung von Jürgen Elsässers »Volksiniative gegen das Finanzkapital«, deren Kooperationspartner er ist. Elsässer selbst distanziert sich von Rechtsextremisten, wird allerdings gerade im rechten Lager beklatscht (u.a. von der Jungen Freiheit, Deutschen Stimme, NPD).

Das Blog »Alles Schall und Rauch« (kurz ASR) wird von Manfred Petritsch (alias Freeman) organisiert. Alternative zum Massenmedium will man sein, ruft – wie die Bildzeitung – die Leser auf, selbst journalistisch tätig zu werden und nennt die so Rekrutierten Volksreporter.
Gleichzeitig hält Petritsch die Rechte an der Domain altermedia.ch, für einen gleichnamigen sogenannten Verein ruft er auch zu Spenden auf. Da das europäische Nazi-Netzwerk »Altermedia« eine andere Internetadresse nutzt und altermedia.ch wohl nie online war, kann nicht eruiert werden, ob hier nur eine geistige Nähe angedeutet werden sollte, Petritsch Ambitionen hatte, der Schweizer Arm des braunen Netzwerks zu werden oder nur eine sehr unglückliche Namensdoppelung vorliegt. (Seit Juli 2010 befindet sich Petritsch’s, als Inhaber eingetragene, Spotnext AG in Liquidation.)
Eine vertiefende Analyse der Beiträge auf »Alles Schall und Rauch« findet sich in Bernd Merling’s Blog »Antifaschismus 2.0«. Besonders lesenswert sind die Absätze »Themen mit linker Zustimmungsfähigkeit« und die »Four Tools of Fear«. Beide Passagen sind auch für Utopisten interessant. Während im ersten auch auf die Kommentatoren des ASR-Blogs eingegangen wird, die unwidersprochen zum Konsumstreik (anstatt zum strategischen Konsum) aufrufen, wird in der Erläuterung zu der Kommunikationsstrategie der Angst die Dämonisierung einer (jüdischen) Finanzelite herausgearbeitet.

»Er sagte, es gibt immer zwei Gründe für alles was die Rockefellers/Rothschilds machen: Ein Scheingrund, der den gutgläubigen Menschen plausibel gemacht wird, und der wirkliche Grund. Als Beispiel, die Klimaerwärmung als Grund für die Reduzierung des CO2, wird den Menschen als dringliche Massnahme erzählt, um den Planeten von einer Klimakatastrophe zu retten, dabei ist der wirkliche Grund, die Menschen mit einem Schuldkomplex zu kontrollieren, einen Umbau der Gesellschaft zu bewirken, mehr Steuereinnahmen zu ermöglichen und den Atomstrom als einzige Rettung vor dem Klimakollaps zu verkaufen.« (ASR, Hervorhebung d. d. R.)

Neben dem verschwörungstheoretischen Aspekt – auch in Umweltfragen – gesellen sich hier Judenhass und Eliten-Ablehnung.
Die ASR betreibt Stammtische im deutschsprachigen Raum, wobei einzelne Besucher die Treffen eher als Zusammenkunft eines verschrobenen Häufleins, denn als Rekrutierungsmaßnahme wahrgenommen haben.
Trotzdem, oder gerade wegen der fehlenden Auffälligkeiten, dient die ASR der Indoktrinierung für rechtes Gedankengut.

Über die Webpräsenz infokrieg.tv, weiß das Antifaschistische Infoblatt zu berichten, dass sie »der deutsche Ableger von ›infowars.com‹« ist, »einer US-amerikanischen Webseite des Verschwörungstheoretikers Alex Jones. … Die deutsche Seite, die vom jungen Studenten Alexander Benesch betrieben wird, ergänzt Jones’ antikommunistische und verschwörerische Thesen noch um tendenziell antisemitische, geschichtsrevisionistische und völkische Inhalte

Die wenigsten aus diesem Truther-Konglomerat sind Neonazis, jedoch werden »die simpelsten antiamerikanischen bis antisemitischen Reflexe bedient«. Man gibt sich gerne als antidogmatisch und greift dabei, bewusst oder unbewusst, die Querfrontstrategie aus Weimarer Zeiten auf.
Der Themen-Kanon dreht sich um 9/11, Wirtschaftskriese, Machtelite, etc. Diese Einpunktbewegungen dienen in ihrer thematischen Fokussierung dem Einstieg und der Vertrauensgewinnung. Sie sind der Köder, der ausgeworfen wird, um die geneigte Leserschaft in das verdrehte Weltbild der Rechts-Konservativen zu ziehen. Damit wird auch der Radikalen Rechten willentlich Vorschub geleistet, die sich wiederum für dieses Zuführen brav bedankt.

Trotz der Verschrobenheit der Protagonisten sind die Truther nicht zu unterschätzen, so hat das Schall und Rauch-Blog ein höheres Alexa-Ranking (19.220/1359; Platzierung international, national) als die Webpräsenz von Utopia (34.215/1.549). Im internationalen Ranking hat man die Nase deutlich vorn und eine dementsprechende Reichweite. Umso wichtiger ist es, Verlinkungen in das Netz nicht unkommentiert stehen zu lassen.
Derweil nutzt Infokrieger in seinem FriendFeed die Werbung auf Utopia bereits zur Reputationssteigerung.

Da der Utopist fahrradfahrer drei Websites bewirbt, welche alle ausschließlich der Truther-Bewegung zuzurechnen sind, jedoch keine alternativen Informationsangebote (indymedia, wikileaks) benennt, kann ausgeschlossen werden, dass hier aus Unwissenheit gehandelt wurde, vielmehr darf die Kenntnis um die personelle Verknüpfung aller drei Websites angenommen werden. Könnte man die Bewerbung von NuoViso.tv in der Dokumentarfilmgruppe von Utopia noch als Ausrutscher ansehen, so zeigt der parallele Verweis auf das ASR-Blog und die infokrieger, dass hier unter dem Deckmäntelchen der Aufklärung für die Truther geworben werden soll.

Das auf Utopia niemand auf derartige Vorstöße reagiert, zeigt das fehlende Wissen der Utopia AG und der Utopisten auf. Hier existiert akuter Handlungsbedarf.

PS: Mittlerweile hat sich ein Utopist gefunden und auf die Verquickung der Beworbenen mit dem rechten Lager aufmerksam gemacht.

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