Der utopistische Pressespiegel
Berichte über www.utopia.de in den Medien, nach Möglichkeit kommentiert.
Die Liste erfasst Artikel und mediale Beiträge über die Plattform Utopia bzw. Beiträge in denen die Protagonisten der Utopia AG selbst zu Wort kommen.
Die Artikel sind nach Datum absteigend sortiert. Allen, seit der letzten Änderung eingestellten, Artikeln ist ein »NEU« vorangestellt, um den Wiederholungslesern das Leben zu erleichtern.
Die Quellen sind nach Möglichkeit kommentiert.
Wir freuen uns über Hinweise zur kritischen Berichterstattung über die Utopia AG, sende sie einfach ans Utopia-Watchblog.
NEU 12.07.2011 Burn Kerosin, Burn! – für die Nachhaltigkeit
Krombachers erste Amtshandlung nach Unterzeichnung des »Changemaker-Manifests« der Utopia AG ist es einen Preis auszuschreiben. Gesucht wird ein »ambitionierter Klimaschützer«, der für seine Ambitionen mit Gratis-Kerosin für 20.000 km Flugmeilen ausgestattet wird. Nun, eigentlich gewinnt er einen Freiflug zum Klimaschutzprojekt der Krombacher-Brauerei in Borneo.
Ein Köpfer ins Fettnäpfchen kann man meinen, der wohl nur der professionellen Zusammenarbeit von Krombacher, Utopia und WWF zu verdanken ist.
Aufmerksam gemacht auf diese PR-Maßnahme wurden wir vom Blog Faktor N, dessen Autor sich zu recht fragt »Was macht Krombacher in Borneo??«, um sinnreicher Weise zum Schluss zu kommen, dass Krombacher doch auch an der eigenen Ökobilanz arbeiten könnte bevor es bunte Bilder aus dem Regenwald geriert. Das hatten wir selbst auch schon einmal festgestellt, und freuen uns, dass wir nunmehr mit dieser Meinung nicht mehr alleine stehen.
Oliver zählt im Anschluss noch ein paar Pros & Conrtas für die Nachhaltigkeit der Brauerei auf um den Artikel mit einem schönen Lied von Hagen Rether über die Nachhaltigkeit ausklingen zu lassen.
Utopia, WWF und Krombacher suchen ambitionierten Klimaschützer – Preis: Ein 20.000 km-Flug von Oliver Adria auf Faktor N
04.03.2011 Die »Lust« der Neo-Ökos.
Claudia Langer gibt ein Interview in der Sparkassen-Kundenzeitschrift. Zwar ist der eigene Werbepartner die GLS-Bank, doch will man die frohe Botschaft weit streuen, muss man sich auch mit der Konkurrenz gut stellen.
Schon in der ersten Antwort, auf die Frage wann die Welt unter geht, wird thematisch auf den »Klimawandel« fokussiert, und mithin der Umweltschutz im allgemeinen sowie das komplexe Themenfeld der Nachhaltigkeit (Ökonomie, Ökologie, Soziales) ausgeblendet.
Auf die Frage wie viel Zeit uns noch bleibt, antwortet Frau Langer, dass »in den nächsten zehn Jahren« »große Schritte« gemacht, wir uns »sehr anstrengen« und »viele Hebel« umgestellt werden müssen.
Das hört sich erst einmal nicht nach lustvollem Tun an. Doch warten wir es ab.
Derweil ist der Projektrahmen von zehn Jahren, der Fragestellung, und dem fehlenden Verständnis von Nachhaltigkeit seitens Claudia Langers geschuldet. Das ist nicht weiter schlimm, ist sie mit ihrem Neo-Öko-Portal doch erst seit drei Jahren am Markt, und auf den Öko-Zug auch erst vor 5 Jahren aufgesprungen. Zuvor warb sie für E.ON, Burger King und Levis (also Atomstrom, Regenwald vernichtende Rinderfarmen und Kinderarbeit. Fairer Weise sei gesagt, dass Levis mittlerweile versucht, Kinderarbeit zu unterbinden, Burger King hat den Regenwaldfarmen schon 1984 abgeschworen. Mittlerweile verzichtet Burger King beim Braten sogar auf Palmöl, nicht wie die Utopia-Partner Henkel und IKEA, die immer noch die Mär vom zertifizierten Palmöl verbreiten und diese für ihren Grünen Anstrich benutzen, Henkel in seinen Terra Aktiv-Produkten, IKEA in Teelichtern).
Trotz allem scheint Claudia Langer dazugelernt zu haben, zumindest kommunikativ.
Auf die den Vorwurf »Sie propagieren strategischen Konsum. Halte ich den Klimawandel auf, wenn ich Ökoseife kaufe?« entgegnet sie ehrlicher Weise »Das reicht nicht. Der beste strategische Konsum ist der Nichtkonsum.« Leider schränkt sie diese Erkenntnis mit eigenem schlechten Vorbild gleich wieder ein.
Sie fliege privat deutlich weniger, was zwischen den Zeilen bedeutet, dass sie geschäftlich wohl keine Einschränkungen im Flugverkehr vornimmt und uns zusätzlich die Frage an die Leserschaft stellen lässt: Wie viel fliegt ihr privat im Jahr? Und wie viel muss man privat fliegen, um im Nachhinein immer noch »privat deutlich weniger« fliegen zu können?
Außerdem dreht Claudia Langer die Heizung runter um den Klimawandel zu stoppen, und isst Bio.
Zu guter Letzt erklärt sie, dass sie derzeit ein Auto bestellt, dass sie nur unter CO2-Gesichtspunkten ausgesucht hat. Dazu sollte man wissen das die Autos der Familie (2 Stück für 2 Erwachsene und drei Kinder) schon einmal Diskussionsstoff auf der Plattform Utopia waren. Es ging um die Frage, ob eine Neuanschaffung wirklich nachhaltiger wäre, als die schädlicheren aber existenten Familienkutschen. Frau Langer vertrat damals die Meinung, dass die alten Wagen es noch ein bisschen tun. Derweil konnte man im Managermagazin im Herbst 2010 lesen das sich der Ehegatte ein Elektrosportmobil der Firma Tesla zugelegt hat. Warum er die 100.000 € in einen Zweisitzer investierte (bei einer fünfköpfigen Familie) weiß sicherlich nur er allein, mit Nachhaltigkeit hat das wenig zu tun aber dafür mit der Lust, und natürlich mit der Doktrin des Protzens. Als Unternehmensberater für Nachhaltigkeit braucht man halt den passenden Untersatz. Zudem stand die Anschaffung einer Familienkutsche von Tesla an. Wie der Fuhrpark nun ausschauen mag, wird im Interview nicht deutlich, wir wollen hier aber auch nicht in Boulevard-Journalismus abdriften.
Kritisch wird weiter gefragt, ob die Wirtschaft nicht lediglich eine neue Zielgruppe bewirbt. Dem hat Frau Langer nichts entgegenzusetzen und zieht sich charmant aus der Affäre: »Wenn die Wirtschaft uns als Zielgruppe interessant findet und sich nach unseren Wünschen und Bedürfnissen ausrichtet, ist mir das recht.« Fehlerhaft ist hier lediglich der Zwischensatz. Wie oben anhand der Utopia-Partner beschrieben, richtet sich die Wirtschaft nicht an den Wünschen und Bedürfnissen der Zielgruppe aus, sondern korrigiert lediglich ihre Kommunikation. Das nennt man landläufig Greenwashing. Unternehmen verstehen unter Marketing noch zu selten Produktentwicklung und zu häufig Kommunikation im Sinne von Werbung und PR, meinen wir beim Utopia Watchblog. Diesen neuen Lifestyle müsse man anpreisen, »damit die Menschen Lust darauf bekommen«, meint Claudia Langer.
»Und Sie hübschen nun die Botschaft auf?« hakt der Interviewer nach.
Die Antwort auf diese Frage lässt tief in Claudia Langers Selbstverständnis blicken: »Der Mensch handelt nun mal nicht aus Einsicht. … Der Mensch ist träge und hat Angst vor Veränderungen. Verzicht ist unattraktiv. Darum versuchen wir Nachhaltigkeit so unwiderstehlich zu präsentieren und die Lust darauf zu wecken.«
Mit anderen Worten, die Konsumenten sind doof und faul, deshalb verkauft man ihnen alles mit bunten Bildern. Die (Ex-) Werberin hat gesprochen. Wie sich diese Auffassung mit dem Portal Utopia.de verträgt (?), ganz offensichtlich ist der Informationsanspruch ein geringerer als gedacht, und dem Verkauf z.B. über das Affiliate-Shopsystem und die schillernde Inszenierung der Werbepartner wird mehr Aufmerksamkeit zu teil.
In Claudia Langers Wortschatz hört sich das dann so an: »Wir setzten auf neue Statussymbole, Sexappeal und die Erfahrung, dass nachhaltigeres Leben sehr viel Freude bringen kann.« Die Wörter Statussymbol und Nachhaltigkeit in einem Satz unterzubringen, das schafft auch nur eine Claudia Langer…
Weiterhin zelebriert die Utopia-Gründerin ihre Vorurteile gegenüber der echten Ökobewegung und fabuliert über deren Ende. »Der Fehler der früheren Öko-Bewegung war meines Erachtens eben gerade die schreckliche Lustfeindlichkeit und deren erhobene Zeigefinger.« Welche frühere Öko-Bewegung sie meint, benennt Claudia Langer indes nie. Auch die Unterstellung von Spaßfeindlichkeit scheint eine, an den Haaren herbei gezogene, Polemik der Nörglerin. Hier fehlt schlicht die Einsicht, dass man ohne Konsum Spaß haben und ein lustvolles Leben führen kann. Claudia Langer, Du armer Tropf, da entgeht Dir etwas.
Auch Interviewer Jan Rübel hört die Konsum-Fokussierung heraus: »Der Eindruck bleibt: Da entsteht lediglich ein kleiner, zusätzlicher Markt. Die Globalen Rahmenbedingungen bleiben unberührt.« Hier bricht sich Frau Langers beschränktes Politikverständnis Bahn. Die Politik hat ihrem Verständnis nach »komplett aufgegeben« »sich gegen den Klimawandel zu stemmen«. Daraus leitet sie eine völlige Ausklammerung der Politik aus dem gesellschaftlichen Gestaltungsprozess ab und mündet einmal mehr in der Gralslösung der Verantwortung durch die Wirtschaft: »Teile der Wirtschaft … sind erstaunlich bereit für Veränderung.«
Spannend ist hier die Wahrnehmung des Politikbetriebes als einem gleichförmig agierenden, unveränderlichen Apparat. Hat Frau Langer nie gewählt, nie mit ihrer Stimme als Bürger Einfluss auf politische Entscheidungen und die gesellschaftliche Entwicklung genommen, sich nie an Petitionen beteiligt, in der außerparlamentarischen Opposition gearbeitet oder bei Politikern Lobbyarbeit geleistet? Zumindest sind Politiker ab und an für ein Interview auf der eigenen Plattform gut, und auch Fördermittel vom Staat, z.B. für die privatwirtschaftliche Softwareentwicklung des eigenen Unternehmens, nimmt man gerne an.
Während sie in ihrer Sichtweise der Wirtschaft durchaus ein Handeln in Teilen unterstellt, lässt sie diese Möglichkeit für die Politik nicht gelten, dabei sind auch Teile der Politik erstaunlich bereit für Veränderung.
Die Argumentation mit dem Tunnelblick auf die Wirtschaft wird fortgeführt. Wieder ist von einer neuen Genration von Führungskräften die Rede, welche »ganz anders denken als ihre Vorgänger« – nur handeln sie leider nicht anders als ihre Vorgänger.
Wie sonst erklärt sich das Standortkonzept des Utopia-Partners Deutsche Telekom, wegen dem tausende Mitarbeiter auf die Straße gehen. Eine Antwort darauf fällt nicht einmal der Telekom in ihrem PR-Kanal auf Utopia.de ein, manche Dinge kann man schlicht nicht schön reden (http://www.utopia.de/gutefragen/fragen/warum-fuehrt-die-telekom-ein).
Auch der Pseudo-Ökostrom für den die Telekom im Klimalügendetektor von Greenpeace und Wir Klimaretter landet, zeigt kein anderes Handeln, selbst das Denken scheint sich nur soweit geändert zu haben, dass man gern mehr wäre, als man in der Realität ist (http://tinyurl.com/2uucb6s).
Derlei Beispiele lassen sich für alle großen Partner der Utopia AG beibringen, und wir haben dies auch leidlich oft vollführt.
Anschließend wird nach der Zukunft von Utopia gefragt, und Frau Langer fabuliert »die Verbraucher haben in Deutschland keine ordentliche Lobby«, um aus diesem Fehlschluss abzuleiten »Wir wollen nicht nur die umfangreichst Orientierungsplattform werden, sondern auch Verbraucherinteressen gegenüber Wirtschaft und Politik vertreten.«
Utopia möchte Zentralorgan für Verbraucherinteressen sein und ist gleichzeitig finanziell abhängig von der Wirtschaft. Als vorgeschobene Begründung für die angestrebte Marktführerschaft hält die Verstreutheit der »viele[n] gute[n] Quellen« her, und zeugt von dem fehlenden Verständnis der Funktionsweise des Web im Allgemeinen und der Suchmaschinen im Besonderen – wohlgemerkt dem fehlenden Verständnis als Betreiber einer Web 2.0-Plattform.
Die Grundlage für den Wunsch nach Anführerschaft ist neben dem monetären Erfolg, und der Sogwirkung, wie man sie gerade bei Facebook miterleben darf, sicherlich die Bequemlichkeit der Konsumenten – die so gar nicht dem, von Utopia propagierten, Lustprinzip entspringt.
Das Gespräch dreht nun dahin, wo Deutschland in zehn Jahren stehen soll. Recht kleinteilig bringt Frau Langer die, für sie wohl neue, Idee vom Teilen und Leihen ins Spiel, und fasst richtig zusammen, dass derlei recourcensparend und gesellig ist. Allerdings fehlen Hinweise auf die Onlineanbieter frents oder happy-lending. Das ist von einer Konsum-Plattform vielleicht auch ein bisschen viel verlangt, wer leiht, kauft schließlich nicht.
Das Gespräch driftet in die falsche Richtung, der Interviewer konkretisiert die Frage nach der Zukunft Deutschlands: »Sollte sich auch das Arbeitsleben in den Unternehmen verändern?« Die Anspielung gilt sicherlich den Arbeitskämpfen bei den Utopia-Partnern, allen voran der Deutschen Telekom und IKEA. Claudia Langer ergreift die Flucht nach vorn: »Ach wissen Sie, da bin ich kein Experte, aber in Deutschland haben wir am Ende doch relativ gute Bedingungen.«, um hernach ins Ausland zu verweisen. So muss man auch nicht über die Arbeitsbedingungen im eigenen Unternehmen referieren (Das Utopia Watchblog berichtet sporadisch über die Praktikanten-Aufstockung seitens der Utopia AG).
Die Behauptung »Die Wirtschaft ist bereit für Veränderungen« wirkt mühevoll herbeigeredet, doch wo ist die Wirtschaft bereit, wer ist bereit. Die Utopia AG benennt niemanden und kann nach drei Jahren ihrer Existenz keine Erfolge mit ihren Partnern feiern. Derweil Claudia Langer redet, handeln andere – klein aber fein.
»Die Wirtschaft ist bereit für Veränderung«, Interview von Jan Rübel mit Claudia Langer in Gut Magazin 04 (Download)
28.12.2010 Im Bett mit der Großindustrie

Als erstes beglückwünschen wir die Utopia AG und Claudia Langer zu ihrem Humor. Die Bildmetapher für das Interview in der Schrot & Korn (Printversion) erinnert uns sehr an die bekannte Globus-Szene aus Charlie Chaplins »Der große Diktator« (http://tinyurl.com/globe-scene).
Wir stimmen Claudia Langers Aussage zu, dass es »erschreckend und unverantwortlich« ist »den Klimawandel zu ignorieren und keine Vorsorgemaßnahmen einzuleiten.« Allerdings halten wir die Politik dabei nicht für überfordert, eher für unwillig.
Derweil dürfte speziell in Deutschland, das wirtschaftlich durch mittelständische Unternehmen geprägt ist, die alleinige Ansprache an die Großindustrie, wie sie die Utopia AG propagiert, ebenso wenig erfolgversprechend sein.
»Was kann Utopia zur Rettung der Welt beitragen?«
Nach Claudia Langers Einschätzung gibt es zwei Aktiva »wenn die Politik nicht mehr handelt«, den Bürger und die Wirtschaft: »die Bürger, denn sie können jeden Tag durch strategischen Konsum neu entscheiden.«
Dies ist eine deutliche Beschneidung der Möglichkeiten eines »Bürgers«, ist er doch im engeren Sinn ein politisches Wesen, dass sich durch sein Wahlrecht auszeichnet, und im weiteren ein zivilgesellschaftlicher Akteur. Die Reduktion auf einen Konsumenten verbaut dementsprechend Handlungsspielraum anstatt neue Wege aufzuzeigen. Somit trägt Utopia weniger zur Rettung der Welt bei als gedacht.
Auch die, von der Wirtschaft so gern hervorgehobenen Aktivitäten rund um die CO2-Reduktion, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Klimaschutz nur ein kleiner Bestandteil des Umweltschutzes ist. Zwar ist es mittlerweile durch diverse Anbieter relativ leicht, sich seine schädliche Klimabilanz mit dem Kauf von Zertifikaten schönzurechnen, jedoch wird damit eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem eigenen frevelhaften Handeln eher vertagt.
Dass Utopia in der Wirtschaft ein »Bewusstsein dafür schaffen« will, »dass Nachhaltigkeit ihre Zukunft sichern kann«, ist sicherlich lobenswert, doch wie sieht es in der Praxis, z.B. bei den Utopia-Partnern aus?
Chemiegigant (und Utopia-Partner) Henkel lanciert eine Produktreihe namens Terra Activ und schöpft mit viel Werbedruck den kleinen Wachstumsmarkt der ökologisch verantwortlich handelnden Konsumenten ab, das restliche, recht beträchtliche Produktportfolio wird nicht auf ökologische Verträglichkeit umgestellt. Selbst Terra Activ ist eine Mogelpackung und landet im Klimalügendetektor von Greenpeace (http://tinyurl.com/32ba3ga).
Ein weiterer Premium-Partner von Utopia ist die Deutsche Telekom, die jetzt zum Teil auf »Ökostrom« umstellt. Für die Ökostrom-Produktion hat sich die Telekom mit einem Atomstromer zusammengetan, echter Öko-Strom ist ihnen einfach zu teuer. Auch die Telekom landet deshalb im Klima-Lügendetektor (http://tinyurl.com/2uucb6s).
Utopia-Partner REWE begründet mit seinem Engagement für die Umwelt sogar die eigenen massiven Verstöße gegen den Datenschutz der Kunden (http://tinyurl.com/2ef8dr8).
Ein weiterer Utopia-Partner ist die Krombacher Brauerei, die in den letzten Jahren bereits exellentes Greenwashing mit ihrem Regenwaldprojekt betrieb. In Hochzeiten lag das Verhältnis von Spendengeld zu Werbeetat nur bei 1 zu 5 (http://tinyurl.com/33ctr29).
»Wie ist die Internetplattform aufgebaut?«
Nach Aussage von Claudia Langer ist die Internetplattform aus zwei Bereichen aufgebaut, Redaktion und Community. Wir finden das stark untertrieben. Hinzu kommen Unternehmensprofile, ein Affiliate-Shopsystem und Werbung – die Bausteine in der Finanzierung der Internetplattform und Bestandteil des Kommunikationsmixes mit den Nutzern der Plattform (sonst würden Unternehmen nicht in diese Produkte investieren).
»Was wurde in den drei Jahren erreicht? Worin liegen die Stärken von Utopia?«
Die postulierte »Marktführerschaft« bezieht sich selbstredend auf den, von der Utopia AG selbst definierten, »strategischen Konsum«, nicht auf den ökologisch interessierten Bürger. Den 70.000 Mitgliedern der Plattform Utopia stehen die Mitglieder verschiedener Organisationen gegenüber, die sich im Umweltbereich engagieren:
| Foodwatch | 17.000 |
| Bündnis 90 Die Grünen | 52.608 |
| Grüne Liga | |
| Robin Wood | |
| WWF | 378.000 |
| NABU | 450.000 |
| BUND | 480.000 |
| Greenpeace | 560.000 |
Die benannten Organisationen finanzieren sich über Beiträge und Spenden, die Mitglieder sind also vor allem auch zahlende Mitglieder, wohingegen für die Mitgliedschaft bei Utopia, das Ausfüllen eines Onlineformulars ausreicht. Campact bietet, wie Utopia, eine einfache Möglichkeit sich auf dem Laufenden zu halten, den Newsletter abonnierten bisher 336.739 AktivistInnen. Selbst Foodwatch mit nur 17.000 Förderern und Spendern hat eine größere Reichweite als Utopia, 73836 Interessierte erhalten den Foodwatch-Newsletter.
Die »gebündelte Verbrauchermacht« lässt sich also eher bei den genannten NGOs verorten, zumal sich diese durchaus im Spezialgebiet der Konsumenten engagieren, z.B. Greenpeace mit seinem Einkaufsnetz.
»Die Aufmerksamkeit von Unternehmen und Politik« hat Frau Langer sicherlich, allerdings fehlt eine Aussage was man bei diesen »Zuhörern« in den letzten drei Jahren bewirken konnte. Schon bei ihrem »Tent Talk« mit Michael Conrad, Präsident der School of Creative Leadership in Berlin, wollte Frau Langer kein Beispiel benennen, welche Unternehmen von den Ideen der Plattform-Nutzer profitieren konnten (»I have some examples, but I would not mention them.«, http://tinyurl.com/32ra5l3).
»Was ist in den vergangenen drei Jahren weniger gut gelaufen?«
Das die »Lebensfähigkeit von Utopia« auch im dritten Jahr nach Gründung »noch ein großes Thema« ist, liegt unter Umständen an Fehlern im Finanzierungskonzept der Utopia AG, dass »Sehnen« »nach mehr Sicherheit« wird die finanziellen Probleme allerdings nicht lösen können.
Bedauernswert, dass hier nicht die Chance zur kritischen Selbstreflexion genutzt wird, Greenwashing (z.B. http://tinyurl.com/369gsst), Sperrungen von Nutzern (http://tinyurl.com/353hov4) und die Unterwanderung der Plattform durch rechte Verschwörungstheoretiker (http://tinyurl.com/2ckhg4v) wären Themen, die bei dieser Interviewfrage hätten behandelt werden können. Doch die Interviewerin hakt nach.
»Stichwort Greenwashing. Ist das ein Thema?«
»Immer. Das ist auch korrekt. Wir haben eine kritische Community.« antwortet Claudia Langer und hat Recht. Denn die Kritik am Greenwashing, insbesondere der Werbe-Partner der Utopia AG, geht lediglich von der Community – nicht von der Utopia AG selbst – aus.
Ein Verweis auf 60% abgelehnte Bannerwerbung macht sich beim Greenwashing-Verdacht gut. Dass ein paar böse Buben wie z.B. KiK bei der Bannerwerbung durchrutschen, ist da eher lässlich. Auch dass man Greenwashing für den VdA (Verband der deutschen Automobilindustrie) kolportierte und auf die Kritik seitens der eigenen Nutzer mit Schweigen reagierte (http://tinyurl.com/25wfw6r) – Peanuts.
Spannender sind doch die auf Utopia buchbaren Unternehmensprofile, die
geradezu zum Greenwashing einladen (z.B. BP Deutschland, s.u.) – und die
Partner der Utopia AG (s.o.), die von der Utopia AG nicht wirklich
kritisiert werden.
Enttäuschend ist die Milchmädchenrechnung der Utopia AG: »Bringe ich Großkonzerne dazu zehn Prozent besser zu werden, ist unterm Strich schon viel geschafft«.
Das ist eine hübsche Floskel. Wenn man jedoch das Verhalten des eigenen
Unternehmens ändern will und dies mittels einer Verhaltensänderung der
Mitarbeiter erreichen möchte, sind kleine und mittlere Unternehmen wohl
der bessere Ansprechpartner, sie beschäftigen 65 % der
Sozialversicherungspflichtigen. Dazu später mehr.
»Die Großindustrie interessiert sich wirklich für Nachhaltigkeit?«
Ein »Nein« auf diese Frage umgeht Claudia Langer geschickt, indem sie erklärt: »In der Großindustrie gibt es nicht das ›perfekte‹ Unternehmen«. Als nächstes postuliert sie eine »neue Generation von Chefs«, die allerdings »echt Druck bekommen« bei ihrem Weg in eine ökologischere, sozialere Zukunft. Gemeint ist ein Top-Manager des Utopia-Partners Henkel, der den energiepolitischen Appell mitunterzeichnete, sich also für Kernenergie und Kohle als zukunftsweisende Energieträger aussprach.
Ein wichtiger Trugschluss in Claudia Langers Wahrnehmung ist die Gleichsetzung von »Unternehmern« und »Managern«. Während Unternehmer in persönlicher Verantwortung kleine und mittelständische Unternehmen führen und sich selbst und ihren Mitarbeitern verpflichtet sind, sind die Manager von Großunternehmen den Aktionären verpflichtet. Dies führt zu Grotesken, wie der Unterzeichnung des energiepolitischen Appells durch Utopia-Partner Henkel, dem Einstieg ins Ölsand-Geschäft durch Ex-Utopia-Partner BP, und den Bezug von Pseudo-Ökostrom durch die Deutsche Telekom, ebenfalls Utopia-Partner.
Die vor allem ökonomische Verpflichtung gegenüber den Aktionären ist der große Hemmschuh im Utopia-Universum. Anstatt ihn zu thematisieren, wird er unter den Teppich gekehrt, und die Chefetage zu Führern in die güldenen Zukunft stilisiert.
»Wie wählen Sie die Firmen aus, die auf Utopia in Dialog treten?«
Ein sogenanntes »Unternehmensprofil« darf im Prinzip jedes Unternehmen buchen. So hatte die Deutsche BP in den Jahren 2009–2010 ein solches Profil gebucht und darüber seine PR kommuniziert (http://tinyurl.com/bp-und-utopia).
Das der auf Utopia angebotene Dialog eher zum Monolog gerät, und zwar immer dann, wenn die kritischen Fragen der Nutzer keine Beantwortung finden, zeigt die konzeptionellen Fehler in der Plattform Utopia. Jüngstes Beispiel ist die Anfrage an den Utopia-Partner Telekom (http://www.utopia.de/gutefragen/fragen/warum-fuehrt-die-telekom-ein), die nicht beantwortet wird und irgendwann im PR-Strom untergeht.
»Hatte BP nicht sogar schon ein Unternehmensprofil?«
Während Frau Langer auf diese Frage erklärt »BP Solar war drin.« zeigen wir in unserem Artikel über BP und Utopia ein Bildschirmfoto von dem Unternehmensprofil der Deutschen BP (und nicht der BP Solar) (http://tinyurl.com/bp-und-utopia). Ludmila Fuhrmann, Press Officer Nordeuropa bei der BP Solar, antwortete auf die Nachfrage des Utopia Watchblogs »BP Solar hat die Utopia AG nie gefördert.« Unserer – mehrfachen – Bitte an Werner Stickler, Community Manager der Utopia AG, uns einen schriftlichen Beweis zu liefern, der die Aussage von BP Solar widerlegt, wurde in den letzten drei Monaten leider nicht entsprochen.
Mit der hier getätigten Aussage widerspricht Claudia Langer, Vorstand Utopia AG, auch der Aussage von Meike Gebhard, ebenfalls Vorstand der Utopia AG, die da lautet: »BP ist seit einem Jahr auf Utopia mit einem kleinen Unternehmensprofil vertreten und zählt insofern zum Kreis der ›Förderer‹.« (http://tinyurl.com/2uomwfa). Meike Gebhard spricht auch ansonsten ausschließlich von der Deutschen BP anstatt von der BP Solar (»Wir haben es sehr begrüßt, dass BP dieser Einladung nach Utopia gefolgt ist – als bislang einziger Mineralölkonzern«, ebenda).
Mit dem Schlußwort im Interview, »Wir müssen eine Transformation schaffen – vom Protestieren zum Gestalten«, möchte sich Frau Langer sicherlich von den »protestierenden« Umweltverbänden abgrenzen. Damit tut sie diesen allerdings Unrecht, denn selbstverständlich besteht die Arbeit der führenden Umweltverbände in Deutschland und weltweit nicht allein in der Organisation von Protest. Vielmehr wird seit Jahrzehnten auf vielfältige Art »gestaltet«, Stichwörter sind hier Bildungsarbeit, Beauftragung unabhängiger wissenschaftlicher Studien, Lobbyarbeit… Die Erfolge z.B. der Arbeit von Greenpeace haben wir anno 2009 in Claudia Langers Blog gestellt, kann aber auch hier (http://tinyurl.com/32mvbdl) eingesehen werden.
»Wir haben das Ohr der Wirtschaft«, Claudia Langer im Interview in Schrot & Korn 01/2011
23.10.2010 Greenwashing mit »B«-Ware bei Utopia-Partner REWE
Die Welt könnte so schön sein, und so grün. Da werben die toom-Baumärkte (REWE-Gruppe) mit einem wahren Schnäppchen, 1 Euro für Energiesparlampen, Energiesparklasse A. Wer sich dadurch noch nicht genug verballhornt fühlt, die Anzeige erscheint in der Bild-Zeitung im Rahmen der »Aktionswoche zur Nachhaltigkeit«.
Zudem soll der Absatz der REWE-Eigenmarke Logo durch ein Nimm 3-für den Preis von 2 angekurbelt werden.
Die Deutsche Umwelthilfe stellt fest, dass die Leuchtmittel nicht die Anforderungen für die angegebene Energiesparklasse erfüllen und erwirkt eine einstweilige Verfügung gegen die irreführende Werbung.
In den Sommermonaten hatte die DUH bereits die Rückgabemöglichkeit von Energiesparlampen in 22 toom-Baumärkten geprüft. Die Ergebnisse reichten von schlecht ausgezeichneten Rückgabebereichen bis zu Falsch-Auskünften der Mitarbeiter, man möge (den Sondermüll) doch einfach im Hausmüll entsorgen.
In der neuen Kampagne von toom wurde nun Billigware verramscht, die mit falschen ökologischen Qualitätskennzeichnungen beworben wurde. Die Auffassung von Nachhaltigkeit, die die REWE-Gruppe vertritt, teilt die DUH nicht, sie verweist vielmehr darauf, dass diese Art Kunden zu hintergehen weit verbreitet ist und empfiehlt grundsätzlich, die Finger vom Ramsch zu lassen: »Es existieren große Qualitätsunterschied bei Energiesparlampen. Billigware ist oft keine gute Wahl, weder für die Umwelt, noch – wenn man Lebensdauer und Stromkosten berücksichtigt – für den Geldbeutel.«
»DUH erwirkt einstweilige Verfügung gegen REWE«, Nachricht auf Glocalist.com
»Deutsche Umwelthilfe stoppt BILD und Rewe bei irreführender Werbung für Ramsch-Energiesparlampen«, Presseerklärung, Deutsche Umwelthilfe
»DUH stoppt Bild und Rewe«, in der Jungen Welt
21.08.2010 Die »Neue Rechte« und Utopia
Die Glocalisten berichten über die neuerlichen rechten Umtriebe auf Utopia und gehen mit den MacherInnen der neogrünen Plattform deutlich härter ins Gericht. Hinterfragt wird die fehlende Intervention seitens der Utopia AG gegenüber der Infiltration durch das rechte Lager. Es wird eine Stellungnahme von der Utopia AG, und weitergehend auch von deren Werbepartnern eingefordert. Explizit werden die Deutsche Telekom, die GLS Bank und REWE eingeladen sich zu engagieren.
Im Grunde ist die Schlafmützigkeit der Utopia AG – auf dem rechten Auge scheint man blind – der Inkompetenz der AG bei
Themen der rechten Ideologie geschuldet. Hier wird sich nur schwer Abhilfe schaffen lassen.
Die fehlende Positionierung zu derlei Affronts gründet sich auf diesem Unvermögen, und ist tiefer in der Kommunikationsstrategie des Problem-Weglächelns, Aussitzens und Todschweigens, begründet, die hier unschöne Blüten treibt.
Hinzu kommt ein Community-(Miss)management, dass daran zweifeln lässt, die mit dieser Funktion betrauten, würden ihren Job verstehen. Utopia-Nutzer Smartman dazu: »Wie kann man rechtsxtreme Propaganda stehen lassen? Jeder kritische
Kommentar wird zensiert, aber rechte, antisemitische Propaganda
zugelassen?«
»›Neue Rechte‹ und Utopia«, Kommentar auf Glocalist.com
6.08.2010 Von den Lohas zur Demokratie
Kathrin Hartmanns Buch »Ende der Märchenstunde« dient Martina Hoffhaus in ihrem Firmenblog lediglich als Aufhänger, um eine Fürsprache für die Lohas im Allgemeinen und ihr Verständnis von CSR zu halten. »Lifestyle-Ökos haben in Deutschland einen schweren Stand«, leitet sie ihren kurzen Artikel ein, und wird sich der Ironie der Wortschöpfung »Lifestyle-Ökos« nicht gewahr. Stattdessen beklagt sie , dass niemand den ihnen »innewohnenden Wertewandel«, die »Moralisierung der Märkte« und die damit verbundene »Chance« sehen will. Das mag darin liegen, dass wir genau den Wertewandel bei den Lohas schmerzlich vermissen, da es doch nur ein grünes Jäckchen ist, dass der Narzist sich überstreift. Eine »Moralisierung der Märkte« ist, systembedingt, nicht zu erwarten, in einem ökonomie-basierten Gesellschaftssystem. Dass die Minderheit Lohas (lifestyle of health and sustainability) – mittlerweile abgelöst von den Scuppies (socially-conscious, upwardly-mobile person) – für irgendwen oder -etwas eine Chance bietet, außer für den eigenen Seelenfrieden, halten wir für ein Gerücht.
Es folgt ein Vorwurf der Polarisierung, nebst einiger rhetorische Fragen – journalistischer Selbstmord. Frau Hartmann will die »wachsende Verbrauchermacht runterspielen«, wird in den Fragen suggeriert. Da in einem globalisierten Markt, die Politik mehr als zuvor gefordert ist, die Rechte für die Menschen einzufordern, die durch eine systemimanente Ausbeutung entrechtet sind, differenziert Hartmann genau zwischen den Möglichkeiten des Individuums und den gesellschaftlichen Stellschrauben aus. Eine Differenzierung, die Hoffhaus ihr ohne Begründung abspricht. (»Statt zu polarisieren, sollten die Dinge differenzierter betrachtet werden.«)
Die Mär von den bekehrten Greenwashern
Nach Hoffhaus gibt es »Unternehmen, die CSR vielleicht nur aus Imagegründen betreiben.« und »als Greenwasher entlarvt … früher oder später … eine Anpassung in Richtung mehr / echter CSR« durchlaufen.
Als Vorzeigebeispiel wird ausgerechnet der Nestlé-Kommunikationsgau herangezogen. Zur Erinnerung: Nach einem Anti-Campaigning zum Nestlé-Produkt »Kitkat«, bei der die zerstörerische Wirkung des für das Produkt verwendeten Palmöls auf den Regenwald herausgestellt wurde, lenkte Nestle ein und verspricht im Mai diesen Jahres die Lieferketten zu überarbeiten.
Martina Hoffhaus interpretiert in die Empörung und Beteiligung vieler Aktivisten und die Nestlé-Einlenkung eine wachsende Macht der Konsumenten hinein. Als Beleg für den Erfolg der Kitkat-Kampagne von Greenpeace führt sie aus, »aber bewirkt hat es, dass Nestlé mit WWF am Tisch sitzt und daran arbeitet, zukünftig nur noch zertifiziertes Palmöl zu verwenden.« Hier müssen wir die Autorin enttäuschen, diese Behauptung ist schlichtweg falsch.
Mit dem WWF war Nestlé bereits anno 2003 im Gespräch, nachdem sich mehr als 17.000 Aktivisten an einer Postkarten-Aktion beteiligt hatten. 2005 wurde dann der Roundtable on Sustainable Palm Oil, kurz RSPO, gegründet, hier sind der WWF sowie Nestlé (erst seit Ende 2009) Mitglied. Genau dieser »Industrieverband« und seine fragwürdigen Zertifikate gelangten in die Kritik diverser Umweltschutzorganisationen – eigentlich aller, außer dem Mitbegründer WWF – und führten zu der Kampange von Greenpeace.
In der Folge wurden die von Hoffhaus angerissenen Kommunikationsfehler von Nestlé begangen, und nun ein neuerliches Versprechen abgegeben die Umwelt nicht ruinös auszubeuten. Neuer Kooperationspartner ist nun der, noch recht unbekannte, The Forest Trust (TFT). Bei der Beschaffung des Palmöls will man sich erneut »auf zertifizierte Lieferanten konzentrieren«. Was sich also ändern wird, bleibt abzuwarten. Der, in den neuen Responsible Sourcing Guidelines festgelegte Richtlinie »regelmäßiges und transparentes Feedback über die Erkenntnisse und das Vorgehen bei Fehlverhalten an[zu]bieten«, wird insofern entsprochen, dass die letzte Meldung vom July 2010 wieder die alte RSPO-Zertifizierung in’s Spiel bringt, diesmal als progressives Mitglied.
Das bringt und zurück zu den zwei eingangs von Frau Hoffhaus aufgestellten Thesen. Zum einen der, Greenwasher würden nach dem Ertappt-werden mehr und echtere CSR betreiben. Mehr PR für ihre CSR betreiben Greenwasher unter Umständen, um den gerade durchs Ertappt-werden entstandenen Imageschaden zu kompensieren. Ob die Kommunikation aufrichtiger wird darf bewzeifelt werden. Als Gegenbeispiel wäre BP zu nennen, die direkt nach dem Sinken der Ölbohrplattform Deepwaterhorizon auch noch ins umweltschädliche Geschäft der Ölsand-Förderung eingestiegen sind.
Uns missfällt jedoch Hoffhaus’ Formulierung des »CSR … betreiben«. CSR, zu deutsch, Unternehmensverantwortung, betreibt man nicht, man lebt sie. Die differierende Auffassung über CSR mag daher rühren, dass wir CSR hauptsächlich als Element der Unternehmensidentität (CI) begreifen und nicht als Mittel der Außenkommunikation. Das Frau Hoffhaus eine andere Sichtweise hat, ist nachvollziehbar berät, sie doch als PR-Agentur in CSR.
These zwei behandelt den wachsenden Einfluss der Verbraucher auf die Geschehnisse im Markt. Gerade Nestlé beweist, dass die Einsicht in die Bedürfnisse der Verbraucher recht lange dauern kann, und keineswegs ein logischer Schluss ist. Zudem waren es nicht die Verbraucher – auch nicht die Lohas, die hier einen Erfolg durch strategischen Einkauf verbuchen konnten, sondern es war einmal mehr eine NGO, die mit ihren Sympathisanten politischen Druck ausübte.
Manche Verbraucher mögen sich nicht auf ihre Einkaufskraft reduziert wissen, wohl auch weil das einem Rückfall in die Zeiten des Zensuswahlrechts (bzw. Dreiklassenwahlrechts) gleichkäme. Die von Kathrin Hartmann geforderte politische Intervention gegenüber Unternehmen ohne Verantwortung gegenüber Mensch und Umwelt, scheint somit ein adäquates Mittel, ein demokratisches noch dazu.
»Die LOHAS - alles nur Märchen? Zu Kathrin Hartmanns Thesen aus ›Ende der Märchenstunde‹« von Martina Hoffhaus in csrcom/messagepool.de
22.05.2010 Selbst bei Kritik der Gewinner: Entega
Entega, der Stromanbieter mit dem grünen Mäntelchen um, und noch dazu Utopia-Partner, wird von Wir Klimaretter kritisiert und kann sich ins Fäustchen lachen. Schon in der Überschrift wird Entega als »Öko-Konzern« bezeichnet. Die Auslagerung der Ökostrom-Vermartktung von den Mutterkonzernen, der HSE (10% Ökostrom, 90% Graustrom) und den Stadtwerken Mainz (3% Ökostrom, 97% Graustrom), zur Entega Vertriebs GmbH und Co KG (66% Ökostrom, 33% Graustrom) ermöglicht nicht nur die wundersame Wandlung von Dreckschleudern zu (fast) reinen Ökostromproduzenten, sondern auch diejenige, der – von den Eignern völlig losgelösten – Betrachtung des Strommixes, denn den schmuddeligen Graustrom verkaufen die Mutterkonzerne schlicht über andere Vertriebsfirmen.
Felix Werdermann berichtet von der neuesten Werbekampagne der Entega, einer Kunstausstellung im Café Endlager und benennt die Kuratoren der Ausstellung mit der »Werbeagentur Bureau N«, die sich selbst wohl eher als Kulturkommunikator sehen würde – eine kleine Stichelei.
Aufhänger ist die 40%ige Beteiligung der EON an der HSE (welche wiederum mit 75% in der Entega drin steckt). Diese Beteiligung wird in den folgenden Ausführungen relativiert, versucht die HSE doch die Anteile zurückzukaufen. Die Spannende Frage, wer eigentlich die 40% anno dazumal an EON verhökert hat und aus welchem Grund, wird leider wieder nicht beantwortet. Uns würde allerdings gerade interessieren welche Entscheider bei der HSE welchen Gesinnungswandel hatten, um zukünftige Entwicklungen besser prognostizieren zu können.
Z.B. heißt es: »Entega will bis 2015 eine Milliarde Euro in erneuerbare Energien investieren, weit mehr als in die klimaschädliche Stromerzeugung, sagt ein Unternehmenssprecher.« Gleichzeitig steht Vorstand Holger Mayers Aussage im Raum, die kommunale Energieproduktion forcieren zu wollen – was die obige Aussage stützt – allerdings nicht in den Netzbetrieb investieren zu wollen, da dieser nicht profitabel genug wäre. Erneuerbare Energien ohne Gleichstromnetz sind jedoch nicht gerade nachhaltige Energiepolitik.
Gleichzeitig lässt uns das Zitat aufhorchen und die vertiefende Frage stellen: Wie viel wurde beider Entega/HSE denn in klimaschädliche Stromerzeugung investiert?
Zu guter Letzt wird die Kampagne »Ein Fass auf Reisen«, die der Ausstellung »Café Endlager« vorgeschaltet war, vorgestellt. Hier fehlt uns ein Kommentar zum Schweigen der Entega gegenüber dem von uns erhobenen Vorwurf, bei der Gasförderung (die 90% Graustrom der HSE werden aus, vermeintlich sauberen, Erdgas gewonnen) anfallender radioaktiver Abfall wird lediglich nach Länderauflagen entsorgt (also in Russland beispielsweise schlicht auf dem Acker ausgebracht (Landspreading).
Immerhin schweigt Entega auch gegenüber Wir Klimaretter: »Wieviel sich Entega die Aktionen mit dem Atomfass und der
Kunstausstellung kosten lässt, möchte das Unternehmen nicht
bekanntgeben.« Was beweist, dass man nicht wirklich an Transparenz oder gar einem Diskurs interessiert ist sondern lediglich ein Image projizieren möchte.
»Entega: Öko-Konzern mit Schönheitsfehler«
von Felix Werdermann auf Wir Klimaretter
19.05.2010 Kommunikations-Gau auf Utopia
Glocalist fasst die Maßnahmen der BP ob der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko zusammen. Neben fehlenden Maßnahmen zur Vereitlung des Unglücks werden auch diejenigen aufgeführt, die BP nun nach Eintritt des Ernstfalls initiiert:
Die Überlebenden werden gedrängt gegen geringe Entschädigungssummen von Schadensersatzklagen abzusehen.
Gleiches versuchte man gegenüber Anrainern der Küste Alabamas, dies unterband die Staatsanwaltschaft.
Das eingesetzte Dispergiermittel Corexit ist in Großbritannien verboten.
Die Berichterstattung wird eingeschränkt: Wachmannschaften
verscheuchen Journalisten von den Stränden.
Auf die Proteste der Utopia-Community und das Verschwinden des BP-Unternehmensprofils von der Utopia-Website wird eingegangen, auch wenn wir den Schlussfolgerungen hier nicht zustimmen können. Dazu später mehr im Watchblog.
Ganz enpassent wird darauf hingewiesen, »dass Utopia den Deutschen Jagdschutzverband unter den Top 10 der Umweltschutzverbände reihte«. Hier kam sicherlich wieder die professionell oberflächliche Recherche der Utopia-Redaktion zum tragen, nach der »Schutz« immer ›gut‹ ist und ›das schon irgendwie passen wird‹; wenigstens die Top-10 ist voll. Nach Kritik kommt eine lapidare Ausrede seitens Utopia zum Einsatz, um die eigene Deppertheit nicht eingestehen zu müssen: »Als Begründung kann man bei Utopia lesen: Jagdschutz sei auch Umweltschutz.« Hübsch die Kurve gekriegt, und wiedermal alle Probleme weggelächelt.
»Ölkatastrophe: 300 Tonnen Rohöl treten täglich aus« auf Glocalist.com
16.05.2010 Greenwashing für Fortgeschrittene
Zuvorderst fasst Kathrin Hartmann die Sauereien zusammen, welche die BP nach ihrem Image-Wandel 2005 (Einführung der neuen Marke Beyond Petroleum) auf die Menschheit zu verantworten hat.
Daten die auch der Utopia AG bekannt sein mussten als sie den Fördervertrag mit der BP unterzeichnete.
Hernach wird fein in der aktuellen PR rumgestochert, mit dem Finger in der Wunde gebohrt, Zitate vom BP-Vorstandsvorsitzenden Tony Hayward und die aktuellsten PR-Maßnahmen werden vorgeführt.
Infolge wird die Partnerschaft der Utopia AG mit BP unter die Lupe genommen. Dabei wird wiederum, wie schon vom Glocalist vorschnell interpretiert, die Utopia AG hätte eine Förderpartnerschaft mit der BP Tochter BP Solar geschlossen. Gleichzeitig wird jedoch auf ein Stellungnahme von Meike Gebhard verwiesen, in der es unter anderem auch heißt:
»BP ist nicht Partner sondern Förderer von Utopia. Wird sind keine strategische Partnerschaft eingegangen. Vielmehr unterstützt BP das Projekt Utopia als Förderer, wofür wir sehr dankbar sind.«
und weiter
»Darüber hinaus betreibt BP ein Unternehmensprofil auf Utopia«.
Dieses Unternehmensprofil stellte die BP Deutschland AG vor. (Lediglich in der Förderliste tauchte ein Logo der BP Solar auf, hier war wohl der Wunsch Vater des Gedankens, siehe auch die Firmenbezeichnung im nächsten Zitat.)
Zudem wird im Artikel attestiert, dass »auf Druck der Utopisten« das Firmenprofil der Deutschen BP von der Plattform Utopia gelöscht wurde.
»Nach Rücksprache mit BP Deutschland ist deutlich geworden, dass dort momentan weder die Zeit noch die personellen Kapazitäten für einen aktiven Dialog mit der Utopia Community vorhanden sind. Deswegen haben wir im beiderseitigen Einverständnis beschlossen, das Profil offline zu stellen.«
Das Zitat zeugt eher davon das die BP Deutsche AG ihr Engagement nicht verlängern wollte, als das die Community irgendeinen Einfluss auf die Entscheidung hatte.
Im Ganzen ist der Artikel sehr lesenswert, da scharfzüngig und pointiert geschrieben.
»BP und Utopia: Greenwashing für Fortgeschrittene« von Kathrin Hartmann auf Ende der Märchenstunde
03.05.2010 Das Private muss öffentlich sein
Im Artikel Grüner Lifestyle - Die Macht der Konsumentinnen und Konsumenten wird eben jene Macht beschworen.
In der Einführung wird eine Trennung von Produktion und Konsum proklamiert die aus Globalisierung und Industrialisierung hervorginge, und dabei die Warenproduktion unsichtbar mache. Mit dieser Trennung wird Konsum als »private Angelegenheit« begründet. Die Trennung von Produktion und Verbrauch ist jedoch nicht für unsere Wahrnehmung von Konsum als privater Angelegenheit verantwortlich, sondern die Freiheit, über unseren privaten Verbrauch selbst zu bestimmen. Die Entkopplung von Herstellung und Verbrauch von Waren kompliziert lediglich die Nachvollziehbarkeit der Herstellungsmethoden. Sieht’s beim Bäcker ranzig aus, geht man dort nicht noch einmal einkaufen, boykottiert ihn also. Nähen Kinder in Pakistan Nike-Fußbälle zusammen, sehe ich das nicht im Sportgeschäft.
Unterstützend lenkt die Werbung »die Konsumenten von ihrem Wertekanon ab«, denn hier sieht man ebenfalls keine Kinder Fußbälle zusammennähen.
Das »Konzept des politischen Konsumenten« wird auf den Soziologen Ulrich Beck, zurückgeführt, der dieses schon 2002, »Jahre vor der Erfindung von Portalen wie Utopia oder Karmakonsum« in die soziologische Debatte einführte. »Richtig organisiert könnten die Konsumenten eine große Macht entwickelt, argumentierte Beck.« Die Entfaltung der Gegenmacht wird im Artikel auch belegt, es fehlt jedoch die Schlussfolgerung vom bewussten Schritt vom Privaten ins Öffentliche. Die Proteste amerikanischer Schüler, Lehrer und Eltern gegen Nike mit Plakaten vor Sportgeschäften waren nicht im Privaten durch positives Kaufverhalten erfolgreich, sondern dadurch, mit Protest öffentlich zu agieren, das Image der Unternehmens zu beschädigen (mit den indirekten wirtschaftlichen Folgen: Umsatzeinbußen und der notwendigen Finanzierung von Gegenmaßnahmen zur Restituierung des Images) und durch Boykottaufruf (direkt: durch Gewinn- und Umsatzeinbußen bei gleich bleibenden Kosten).
Dieses politische Engagement passt allerdings nicht in das Konzept der Lohas, so werden als Umwelt- und Verbraucherorganisationen www.karmakonsum.de, www.lohas.de und www.utopia.de benannt, anstatt der Deutsche Naturschutzring (DNR), der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND), die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW), Greenpeace, der Bund der Energieverbraucher oder die Verbraucherinitiative. Die Schreiber halten wohl stupsnasige Blondchen die vom Weltfrieden faseln auch für den Weltfrieden zuständig.
Der politische Konsum sei »vom Thema einer engagierten Randgruppe in die breite Öffentlichkeit gelangt.«, wobei wiederum nicht zwischen thematischem Zuhören, Reden und Handeln differenziert wird. Vielmehr erfolgt ein Rücksprung auf die bereits erwähnten Lohas und ihren strategischen Konsum der nun gerade kein politischer ist. Genauso wenig repräsentieren Lohas die »breite Öffentlichkeit«, wie ihnen im Artikel nahe gelegt wird.
Als Abgrenzung der Lohas werden die »klassischen Ökos« vorgeführt, »die auf Konsumverzicht und einfache Bio-Lebensmittel setzten (Müsli, Latzhose, Strickpullover)«. Die auch in dieser Definition verbreitete Stereotype ist diskriminierend. Das böse Wort »Konsumverzicht« lässt sich wohl besser mit einer Betonung nicht käuflicher Werte (Familienleben, soziale Kontakte, politisches und gesellschaftliches Engagement) umschreiben. Das Leben dieser Werte kostet Zeit, die nicht zum geldwerten Arbeiten, sehr wohl aber auch zum Arbeiten genutzt wird. Weniger Geld in der Tasche bedingt dann weniger Konsum bei gleichzeitig reichhaltigerem Leben.
»Einfache Bio-Lebensmittel« ist ein Wort-Konglomerat, dass die Frage nahe legt, was »komplexe Bio-Lebensmittel« sein könnten, das Bio-Fertiggericht, die Bio-Tütensuppe?
Hier wird etwas mit einer negativen Konnotation versehen, das diese nicht verdient. Ging und geht es den klassischen Ökos doch um inhaltliche Auseinandersetzung zum Zwecke der Erkenntnis und damit einer bewussten Entscheidung und einer Bewusstheit im Allgemeinen. Wer selber kocht weiß (hoffentlich) irgendwann was er da tut, weiß auch was drin ist im Essen und welche Ansprüche er an die Zutaten hat. (Das kann dann soweit gehen, dass man nur noch Tier ist, dass man auch selbst geschlachtet hat und so zum Vegetarier wird.)
Neben dem ist der DIY-Ansatz (Do It Yourself) ein sehr befriedigender, insbesondere, wenn man als DienstleistungsarbeiterIn ansonsten nicht mehr viel mit den Händen werkelt, jede/r Hobbyhandwerkerin kennt das erbauliche Gefühl etwas geschaffen zu haben.
Doch vielleicht sind derlei Überlegungen vom strategischen Konsumenten zu viel verlangt. Wer gerade noch genug Energie aufbringt eine Tütensuppe aufzureißen, dem ist nicht zuzumuten einmal das Gehirn zu benutzen.
Doch es wird auch der Kritik an der »Privatisierung der Verantwortung« Raum gegeben, wenn auch nur um ein kleines parteipolitisches Scharmützel mit der konkurrierenden CDU abzuhalten. Immerhin wird im Zuge dessen die Lohas-Kritik von Kathrin Hartmann eingebunden, nach der der Konsum von teuren öko-fairen Luxusartikeln lediglich der Abgrenzung und Selbstbestätigung dient und nicht in politischem Handeln mündet.
Ganz offensichtlich versucht der Artikel die Begrifflichkeit des politischen Konsums zu verwässern und auf das Niveau des strategischen Konsums lohas-kompatibel downzucyceln. Politischer Konsum ist immer gemeinschaftlich und damit öffentlich, er impliziert immer politisches Handeln über den Akt des Kaufens hinaus.
»Grüner Lifestyle – Die Macht der Konsumentinnen und Konsumenten« auf der Website der Heinrich Böll Stiftung
02.05.2010 Kleiner Rückblick – Sperrungen
So ganz eigentlich beschäftigt sich Jens Arne Männig’s Blog-Beitrag mit dem Dislike-Button, der von Facebook-Usern seit langem gefordert und von der ekaabo GmbH nun angeboten wird. Die Sprache kommt auf die werbetreibenden Partner und deren Zurückhaltung gegenüber der neuen Funktionalität.
In Zuge dessen wird zu einem Exkurs über Utopia ausgeholt. Das Kreidefressen der Utopia AG und die, nun ein Jahr zurückliegenden, Sperrungen »allzu widerspenstiger Mitglieder« werden pointiert zusammengefasst.
»Kommerzielles Nichtmögen« von Jens Arne Männig auf Männig
30.04.2010 Maßstäbe senken oder Maßstäbe setzen?
Die globalisierte Welt hat schon so ihre Vorteile. Da partnert die Deutsche Telekom mit Utopia ganz ökokorrekt während der amerikanische Ableger T-Mobil sich frühkapitalistisch austobt. Bei Glocalist lief die Meldung als erstes über den Ticker.
Ver.di prangert die Zustände bei der Telekom Tochter T-Mobile USA an. »›Mit allen Mitteln wird unserer Schwestergewerkschaft CWA der Zugang zu den Beschäftigten von T-Mobile in den USA verwehrt.
Unter den Arbeitnehmern selbst herrscht ein Klima der Angst‹,
erklärte ver.di-Experte Ado Wilhelm.«
Während man in Deutschland noch die Sektkorken knallen lässt, ob der Image stärkenden Verkuppelung mit Utopia, holt einen aus den USA eine Studie mit dem schönen Titel »Maßstäbe senken oder Maßstäbe setzen?« (PDF) von den Füßen, welche belegt, dass man sich der Gewerkschaftsarbeit bereits seit 2001 erfolgreich erwehrt.
Besonders peinlich wirken hierbei Kommentare wie sie das Handelsblatt Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger in den Mund legt. Die »CWA habe die Chance, das in den USA gesetzlich vorgesehene Verfahren anzuwenden, bisher nicht genutzt.« heißt es. Das die CWA mit immerhin 700.000 Mitgliedern sich beim Organisieren einer weiteren Arbeitnehmervertretung für T-Mobile USA zu blöd anstellt und die gesetzlichen Verfahren nicht kenne, ist ein bisschen weit hergeholt. Da scheint doch plausibler, dass »T Mobile USA […] Schlupflöcher im
US-amerikanischen Arbeitsrecht [nutze], die Anti-Gewerkschafts-Kampagnen seitens des Managements« zulassen.
»verdi kritisiert T-Mobile USA« in Soziales auf Glocalist Medien
30.04.2010 Utopia-Partner Deutsche Telekom im lügendetektor
Da ist dem/der AutorIn beim Blick in die Süddeutsche und auf die Doppelseitige Telekom-Anzeige wohl der Fair Trade-Kaffee hochgekommen. »›Changemaker‹, wow, was für ein Titel!« wird das Staccato eröffnet, und die Großspurigkeit in der Wortwahl einmal mehr mit dem Karriereweg der Claudia Langer begründet, »Die Utopia.de-Gründerin kommt aus der Werbebrache, und da muss es offenbar für alles ganz große, glänzende Begriffe geben.«
Stein des Anstoßes ist das ChangeMaker-Manifest das in »riesigen Zeitungsannoncen« von der Deutschen Telekom publik gemacht wird.
Diese werden in Folge hübsch seziert und als Luftnummer bezeichnet. Als Beispiel wird aus der Anzeige zitiert. »›Wir vermeiden Abfall und optimieren unsere Stoffkreisläufe.‹ Konkrete Zahlen, an denen sich Fortschritte messen ließen, gibt es nur wenige.«
Die Frage nach der Überprüfbarkeit des im ChangeMaker-Manifest Vereinbarten bringt die Utopia AG in Erklärungsnöte. »›Wir sind keine Prüforganisation‹«, gibt Meike
Gebhard [Vorstand, Utopia AG] zu«. Über die Konsequenzen, die ein Verstoß gegen das utopische Manifest für die Partnerschaft zwischen Utopia und Changemaker hätte, gibt der Artikel keine Auskunft. Soweit hat man bei Utopia allerdings sicher auch noch nicht gedacht. Und wer würde schon am Ast sägen auf dem man sitzt, immerhin gibt es von den Partnern Utopias gutes Geld (100.000€ per Jahr bei einer Premium-Partnerschaft).
Der lügendetektor schaut derweil noch einmal ins Kleingedruckte. Punkt 5 im Manifest wird exemplarisch herausgegriffen: »Wir minimieren den Einsatz natürlicher Ressourcen verbessern kontinuierlich unsere Energieeffizienz und setzen uns dafür ein, dass der Strombedarf aus erneuerbaren Energien gedeckt wird.« »Das klingt prima.« meint auch Greenpeace, und lässt diese Euphorie am langen Arm verrecken. Nicht genug das der Ökostrom der telekom aus dem umstrittenen RECS-geläbelten Strompool eingekauft wird, daran wird sich auch inZukunft nichts ändern, denn, »Die Kosten für direkten Bezug von Ökostrom mit Förderung des Aufbaus von neuen Windparks (oder ähnliche Anlagen für die Stromerzeugung) sind z.Z. einfach zu hoch«, so Ignacio Campino, der Nachhaltigkeits-Beauftragte der Telekom. und so schließt der Artikel ernüchtert und ernüchternd »Ökostrom, der wirklich die Welt verändert, ist der Deutschen Telekom zu teuer.«
Ausführlicher wird das ChangeMaker-Manifest auf Utopia selbst zerpflückt, einfach mal in die Kommentare zu den einzelnen Punkten der Telekom schauen.
»Deutsche Telekom und Utopia.de: Kuscheln im Grünen« im Klima-Lügendetektor von Wir Klima-Retter und Greenpeace Magazin23.04.2010 »Utopia? Über die Planke!«
Wolfgang Röhl sinniert ausdrucksstark über die Idee der Utopia AG. Rückblickend weiß er sehr wohl die Vorzüge der beiläufigen Weltrettung zu würdigen. Mithin scheint ihm diese Vision bei den MacherInnen der Plattform Utopia verloren gegangen. Ihnen wirft er das »Wurzelzwergisch-Schrathafte« vor, dass selbe der altgedienten Ökoszene andichteten. Eine Kritik, der wir so nicht folgen können. Es mag zwar so scheinen, die missionarische Verbohrtheit ist jedoch nur Attitüde, Makulatur über der werbischen Hohlkörprigkeit Utopias.
Ein bisschen wird noch über den neuen Utopia-Partner Telekom gelästert und einige popelige Produkte, aus dem ebenso neuen gleichnamigen Guide, werden vorgeführt, um schließlich die ganze Blase zum Abschuss frei zu geben und mit einer neuerlichen, recht freien Adorno-Interpretation zu schließen. Vergnüglich zu lesen.
»Lohas, he! Was machen eigentlich die Utopisten?« von Wolfgang Röhl auf Die Achse des Guten
22.04.2010 Utopia partnert mit Label-Online
Eigentlich wäre diese Überschrift auch schon die ganze Nachricht. Da man sich selbst außer Stande sieht Inhalte zu generieren, holt man sie sich von anderen. Das Läuft schon mit der Community, den Artikeln aus den Medien und dem Produkt-Check so, nun also auch mit den Labeln. Warum man sich nicht gleich bei Label-Online informieren sollte, diese Frage wird nicht gestellt.
Utopia spekuliert auf die faulen Verbraucher, die lieber alles aus einer Hand, dafür aber weniger geistreich, dargeboten
bekommen wollen. Ob das auch die Zielgruppe ist die man den Werbe-Partnern verkauft?
Das Joint-Venture wäre eigentlich nur eine Kurzmeldung wert, doch dank Lebensmittel-Zeitung kann daraus ein ganzes Interview gerieren.
Laut Langer sind »Lohas Gott sei Dank kein gehyptes Trendthema mehr« »Die Gedanken und Bedürfnisse dieser Gruppe sind in der Gesellschaft und bei Wirtschaftslenkern angekommen.« Da empfehle ich mal eine Fahrt mit den Öffentlichen im Berufsverkehr und das Gespräch mit dem Nachbarn sollte sich um Bio-Joghurt drehen. Das rückt vielleicht das Bild zurecht, dass beim stetigen Blick aus dem Elfenbeinturm so eindrücklich scheint. Zudem wirkt die Vokabel Wirtschaftslenker ein wenig altbacken, stammt wahrscheinlich noch aus Zeiten nationalstaatlicher Wirtschaft und vermittelt erneut die Führer-Ideologie und ein recht schlichtes Verständnis von der Komplexität der heutigen Wirtschaft.
Auf die Frage nach der Siegel-Flut: »Blickt der Verbraucher in diesem Dschungel noch durch?« antwortet Claudia Langer »Nein, das ist von niemandem mehr zu überblicken … Das ist einer der Hauptgründe für Menschen utopia.de anzusteuern.« Zum einen soll nicht verschwiegen werden, dass der nigelnagelneue Utopia-Partner REWE gerade sein Scherflein zum Label-Salat mit dem ProPlanet-Label beiträgt. Zum anderen braucht man Utopia nicht zum Label-Recherchieren, nimmt man die minimalistischen Kriterien Utopias für Utopia-Award, Partnerschaften, ChangeMaker-Manifest, ProduktGuide oder UtopiaCityGuide als Messlatte ist sogar davon abzuraten, sich bezüglich der Label auf Utopia zu verlassen. Öffnet man mit den liberalen Anforderungen doch Greenwashern Tür und Tor.
Die Einführung eines »Super-Labels« sieht Langer aus ganz pragmatischen Gründen kritisch wünscht sich jedoch zumindest eine »dramatischen Reduzierung von Labels«, wünscht – denn wie und von wem die Labelzahl eingegrenzt werden soll, darauf gibt Frau Langer keine Antwort.
Man wechselt fließend das Thema und kommt auf die Utopia-Umfrage zu Lebensmittelhändlerketten zu sprechen. »Wir haben diese Umfrage erhoben, weil der Handel einen ganz großen Hebel für unser Konsumverhalten in der Hand hat.« Die Metapher der Großen
Hebel.
Und wir dachten, dass das Konsumverhalten vom Verhalten des Konsumenten beeinflusst würde. Aber warum Verhaltensmuster ändern wenn das auch mit einem einfachen Sortimentsaustausch gelingen kann. In einer freien Marktwirtschaft holt sich der Kunde sein Produkt dann zwar beim Wettbewerber schon weil dieser Dank geringerer Kosten die Ware billiger anbieten kann, aber eine legislative Lösung passt halt nicht ins Konzept der strategischen Konsumenten. Da melkt man lieber Großkonzerne, die haben's ja.
Zu guter Letzt werden die sinkenden Absatzzahlen im Segment der Luxus-Automobile in Klimaverantwortung umgedeutet, anstatt sich einzugestehen, dass Reiche geizig sein könnten.
»Es gibt zu viele Fakes« von mm in Lebensmittel Zeitung
19.04.2010 Langer abgewatscht
Utopia-Gründerin Claudia Langer bekommt für ihren Brandbrief gegen die Zeitschrift Öko-Test doch noch ihr Fett weg. Minimal fallen die Kritiken gegen diesen unehrenhaften Versuch der Diskreditierung in den Kommentaren des Artikels im Freitag aus. Columbus schreibt in seinem Blog im Freitag das gesamte Wochenthema »Wir Bioheiligen« reflektiert nieder. Auch Claudia Langer's Beitrag wird unter dem Titel »Öko-Test verdient kein Vertrauen mehr« zerpflückt. Langers »steiler Thesensammlung« wird seinerseits das Vertrauen entzogen. Besonders ins Visier gerät die gespielte(?) Naivität. Die Autorin wird vor die Wahl gestellt, als naives Dummchen gelten zu müssen, dass »gekauft wie gelesen«, hirntot shoppen geht, und sich selbst damit jede Kredibilität in Sachen Einkaufsberatung abspricht, oder als boshafte Manipulatorin gelten zu wollen, die sich nur blöd stellt – der Zweck bleibt hier offen. Doch wir wissen um ihn und haben ihn in unserem Beitrag »Etikettenschwindel« herausgeschält.
Egal welcher dieser Argumentationen man glauben mag wirft es kein freundliches Licht auf die Betreiberin der Plattform für strategischen Konsum:
»Frau Langer geht die Sache naiv, und ebenfalls nicht auf die Industrie oder Werbung, sondern auf ›Öko-Test‹ zielend, an. Gerade Frau Langers gespielte Naivität nervt besonders, weil sie damit sogar ihr ›utopia.de‹ diskreditiert, die sich doch als ›strategische Konsumenten‹ verstehen. Wer glaubt jemandem bei ›utopia‹, wenn die noch nicht einmal aufgeklärt einkaufen gehen? Um die Industrie geht es wieder nicht!« (Columbus)
»›Der Freitag‹ und die ökologische ›Wahrheit‹, das Wochenthema« von Columbus in seinem Community-Blog auf Der Freitag
15.04.2010 Utopia stänkert gegen Öko-Test
Claudia Langer hat ihren Brandbrief gegen Öko-Test beim Wochenmagazin Der Freitag untergebracht und sich somit journalistische Absolution für das »Anprangern« von (zumindest gefühlten) Wettbewerbern eingeholt. Minimal fallen die Kritiken gegen diesen unehrenhaften Versuch der Diskreditierung in den Kommentaren des Artikels selbst aus. Eine Watschen gibt es immerhin Tage später im Der Freitag-Community-Blog von Columbus.
Der eigentliche Artikel scheint leicht umgeschrieben im Vergleich zum Brandbrief, den Claudia Langer einen Monat zuvor auf ihrem Utopia-Portal veröffentlichte, das Utopia-Watchblog berichtete. Zumindest wird man in der Überschrift konkret aggressiv.
»Öko-Test verdient kein Vertrauen mehr« von Claudia Langer in Der Freitag
12.03.2010 »Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher.«
Antonia Herrscher nutzt die Vorstellung des Buchs »Ende der Märchenstunde«, um auf einen Aspekt besonders einzugehen, das Gefühl der Überlegenheit, welches sich nun auch unter den LOHAS ausbreitet. Demnach erhebt sich der Reiche über den Armen, da er vermeintlich mehr in sein nachhaltiges Verhalten investiert. Dabei verdrängt er jedoch, dass er durch seine exzessive Lebensweise mehr Schaden anrichtet als der von ihm verachtete Proll.
Parallel wird das minimalistisch ausfallende Gutmenschentum der LOHAS, von diesen als niederschwelliger Einstieg (»Wir fangen dann schon mal an.«) in eine nachhaltige Lebensweise propagiert, was zusätzlich kontraproduktiv ist, denn weder ist es ausreichend noch aufrichtig. Man sucht die eigene »gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit« mit der Metapher der offenen Hand zu kaschieren und betreibt ansonsten gerne Gentrifizierung. Zudem senkt man die Schwelle der Verhaltensänderung unter den notwendigen Wert ab, was leicht am eigenen ökologischen Fußabdruck überprüfbar ist. (Wer hier unter dem Verbrauch einer Erde bleibt darf sich zurücklehnen.)
Mit einer Einschätzung zum (fehlenden) politischen Engagement der Bürger, dieser auch von der Utopia AG gern genutzten Bresche, schließt die Besprechung. »In der ›Postdemokratie‹ (Colin Crouch) existieren demokratische Systeme formal weiter, ohne von den Bürgern/innen mit Leben gefüllt zu werden. … PR-Experten kontrollieren die zu einem Spektakel verkommende öffentliche Debatte.«
Das erinnert uns nun wieder an die PR-Profis von Ketchum Pleon, die kürzlich den Branchen-Barometer für die Utopia AG einführten.
»Kathrin Hartmann: Ende der Märchenstunde – Konsumieren für eine bessere Welt?« von Antonia Herrscher auf fluter
04.03.2010 backtalk zum »tent talk«
Bevor Claudia Langer ihre President's Lecture an der Berlin School of Creative Leadership abhielt, traf sie sich mit dem Präsidenten eben jener Schule, Michael Conrad, zu einem kurzen tent talk, also einem Gespräch vor dem eigentlichen Event, jedoch ohne Baldachin und roten Teppich.
Neben dem üblichen Monolog Langers gab es ein, zwei zitierenswerte Phrasen.
Claudia Langers »We need to do something!« kontert Michael Conrad mit einem belehrenden »Do something about what?«, um sofort, mit Verweis auf die Öko-70er, den Alleinvertretungsanspruch der Utopia AG für Öko-Belange in Frage zu stellen (»That's not your idea.«)
Beim Gespräch über die Community der Utopia AG behauptet Claudia Langer, zu den »Opinion-Leadern«, den »Evangelisten«, ihrer Community eine innige Beziehung zu haben. (»We are very close to them.«) Eine Aussage die uns ein wenig irritiert, hat man doch seitens der Utopia AG vor einem Jahr einen guten Teil der aktivsten Nutzer gesperrt und weitere mit diesem Handeln von der Plattform vergrault. Doch die Probleme mit den eigenen Gefolgsleuten werden im Folgenden kurz angesprochen: »I didn't like all of them. We have very radical Evangelists in the community, we had very aggressive people in the community.« Auf die Frage nach den Umgang mit derlei Kritikern, ob diese Nutzer akzeptiert würden, heißt die Antwort »No!« Nach kurzem Beschwören des Familiengeistes wird den Damen und Herren die anderer Meinung sind als die Geschäftsführung wiedereinmal die Tür gewiesen »When this is your way, I accept your way, but…« Nicht gerade ein Creative Leadership.
Die feine Linie zwischen »Critic« und »Bashing« zieht die Utopia AG dabei selbst – bezüglich der Werbepartner, von denen Utopia wirtschaftlich abhängig ist und an denen sich häufig der Zwist entzündet, eine fragwürdige Grenz-Definition.
Als Böse Buben-Beispiel dürfen die Vegetarier herhalten: »A Vegetarian, maybe, can be very very aggressive and militant about meateaters.« Uns sind keine aggressiven Vegetarier bekannt, auch nicht auf Utopia.de. Vielleicht lag Claudia Langer jedoch der Verriss ihres FAZ-Beitrags übers Fleischessen noch quer im Magen.
Zum Schluss wird die Frage nach den Auswahlkriterien für die Werbepartner gestellt. Ein seriöser Plan zum Ändern der Firmenpolitik würde erwartet, meint Claudia Langer hierzu. Das sieht dann z.B. beim Werbepartner Henkel so aus, wie von uns beschrieben.
In diesem Teil des Argumentationsstrangs fängt Frau Langer gern an zu fabulieren. Neben den jetzt öfter vorkommenden Ähm's werden gerne Floskeln eingebunden, wie: »we have a lot of sientists in the foundation«. Die Wissenschaftler sitzen jedoch in der Utopia-Stiftung, nicht in der Utopia AG. Die Stiftung wiederum glänzt durch das Ausrichten des jährlichen Utopia-Awards, die Arbeit des Stiftungsrates hat nichts mit dem Tagesgeschäft der Utopia AG zu tun. Der Stiftungsrat hat auch keinen Entscheidungsbefugnisse bei der Wahl der Werbepartner, wie im Gespräch suggeriert wird, es hört sich lediglich besser an, wenn Wissenschaftler mit über die Werbepartner entscheiden (würden).
Es folgt eine Lobhudelei über den Austausch von Ideen zwischen den Nutzern und den Werbepartnern der Plattform, also dem Mehrwert, den Utopia für Unternehmen darstellen könnte. Auf die vertiefende Frage Michael Conrads nach einem Beispiel, welche Unternehmen von den Ideen der Nutzer profitieren konnten flüchtet Frau Langer: »I have some examples, but I would not mention them.«
Soviel (wahlweise) zu Offenheit, Transparenz und Wahrheitsliebe der Utopia AG.
»Claudia Langer tent talk, Part 1« mit Michael Conrad
»Claudia Langer tent talk, Part 2« mit Michael Conrad
29.01.2010 Schulterklopfen für Schneemann-PR
Leonie Walter lobt die Schneemann-Werbung von Utopia-Partner Entega als »Schlaue Guerilla PR« und benennt als erste den viralen Charakter der Werbung.
»Schlaue Guerilla-PR: Entega organisiert Schneemann-Demo« von Leonie Walter auf Visuelle PR
26.01.2010 Re-Hitchhiking der Schneemann-Demo
Eindrücke vom Spaziergang über den Schlossplatz zu Berlin von den AktivistInnen von »Kohle nur noch zum Schneemann bauen«, die gleich ihr Logo hinterlassen haben.
»Schneespaß trotz Entega.«
»Schneemann-Demo oder ???« von Robert auf GreenAction
26.01.2010 Gelungene Kritik an der Kritik an Entega
Den Kritikern an der Schneemann-Demo hält Mike Kess den Spiegel vor und hat in seinen Kritikpunkten recht. Derweil ergänzen wir die Kritik im Kommentar und flechten in die PR-Debatte einige Fakten zur Stromproduktion und Kommunikation des utopischen Partners Entega ein.
»PR-Aktion: Schneemänner vom Energieversorger ENTEGA in der Kritik« von Mike Kess auf Mike Kess – Bemerkungen zum Zeitgeschehen
25.01.2010 300 Tonnen Kunstschnee
In seinem dritten Beitrag lässt Nico noch einmal die Macher der Schneemann-PR vom Utopia-Partner Entega, aber auch Heidi Klein von Lobby Control, zu Wort kommen.
»300 Tonnen Kunstschnee gegen den Klimawandel« von Nico auf Klimaxikon
24.01.2010 Bezahlte Schneemänner demonstrieren
»300 Tonnen Kunstschnee, 500.000 Euro und ein riesiger Stab an bezahlten Mitarbeitern«, wird der Artikel prägnant eingeleitet.
Wenn man auch mit der folgenden Interpretation über Entega's Einstellung zum Thema Kohle daneben liegt, was der kurzen Recherchezeit geschuldet sein mag, bringt Nick Reimer mit dem Rest doch recht trefflich auf den Punkt, wo es an der Werbekampagne des Utopia-Partners hakt. Alle Beteiligten, außer die Schneemann bauenden Berliner, sind bezahlte Statisten. Die Demo-Anleihe ist astreines »Astroturfing«. Entega sagt und denkt »Wir waren Teil des Problems, jetzt wollen wir Teil der Lösung sein«. (Das ist jetzt ein bisschen großschnäuzig, denn in 50 Jahren werden sie mit 50-60 % Ökostrom noch immer 40 % des Problems bleiben, man möchte aber schon heute das Label Ökostrom auf der stolz geschwellten Brust tragen.)
Der Artikel enthält ein wunderschönes Bild von der »Kamerafahrt«, »Die Firmen-PR braucht schließlich die Bilder«.
»Bezahlte Schneemänner demonstrieren« von Nick Reimer auf Wir Klimaretter – Online-Magazin
22.01.2010 Schneemanndemo ist Werbung
Link zum taz-Artikel über Entega's Schneemanndemo und eine kleine Diskussion an der wir uns auch beteiligen.
Neben den Links zu den Ideengebern vom BUND findet sich eine Ausdifferenzierung zwischen Ökoeffizienz und Ökoeffektivität, auch die herbeigerechneten Ökostromanteile werden noch einmal thematisiert.
»Schneemanndemo ist Werbung« von Susanne auf Hauptstadt-Blog
22.01.2010 Kunstschnee gegen den Klimawandel?
Der erste kritische Artikel zur PR-Aktion der Entega.
Heidi Klein, Lobby Control, kommt zu Wort und spricht vom Missbrauch des Begriffs »Demonstration«, Zur Untermauerung wird profilaktisch die Polizei befragt, was ein bisschen viel des Guten ist.
Ein paar SchneemannbauerInnen äußern sich selbstkritisch zu ihrem zu wenig hinterfragten Spaß-Aktionismus.
Die Verquickung von Grau- und Ökostrom wird angeschnitten, jedoch nicht vertieft.
Der Imageklau bei der Graswurzelbewegung kommt ebenso aufs Tapet wie die 300 Tonnen Kunstschnee, die für die Werbeaktion erzeugt wurden.
Insbesondere die schnippisch wortwörtlich zitierten Verantwortlichen der PR-Kampagne bereiten eine diebische Freude.
»Kunstschnee gegen den Klimawandel« von L. Strothmann & L. Sander in der taz
22.01.2010 Schneemann-Bauer fordern Energieversorger heraus
Zu den Forderungen der Kohle nur noch zum Schneemannbauen-AktivistInnen gehört unter anderem:
»Nutzt bitte nur Naturschnee für den Bau Eurer Schneemänner- und Frauen.« von Robert auf Kohle nur noch zum Grillen
20.01.2010 Die wahre Geschichte vom weinenden Schneemann
Nico nimmt die Veröffentlichung »Vom weinenden Schneemann« zum Anlass, auf die von uns kommentierte Variante zu verlinken (ab Seite 2).
Zudem nutzt er die Entega-Kampagne als Aufhänger für einen Greenwashing-Artikel, indem auch die »Klimaschützer der Woche«-Greenwashing Kampagne der Atom-Lobby behandelt wird. Witzig daran ist, dass sowohl der Informationskreis Kernenergie als auch die Entega auf den Klimaschutz als Positivimage setzten, wohl wissend um den Unterschied von Klimaschutz und Umweltschutz, denn weder bei der Atomstrom- noch bei der Gasstrom-Produktion wird die Umwelt geschont.
Zu Schluß gibt es noch einen Link, wo man derartige Werbung beim Verbraucherschutz melden kann.
»Greenwashing« von Nico auf Klimaxikon
19.01.2010 Erste Reaktion der BUND-Aktivisten zur Schneemann-Demo
Auf GreenAction gibt es eine erste Reaktion auf die Ideen-Assimilation der Schneemanndemo durch Entega von den BUND-Aktivisten die dereinst Pate für die »Kohle nur noch zum Schneemannbauen«-Aktionen standen, in den Kommentaren.
Man muss angemeldet sein um die Kommentare lesen zu können.
»Schneemann-Demo in Berlin 22. bis 24. Januar« von Beate auf GreenAction
17.01.2010 Bilder von der Schneemann-Werbung II
Vor der eigentlichen Werbeveranstaltung tingelten süße Schneemann-Maskottchen durch Berlins Straßen.
Das Auguststraße-Blog hat davon ein paar Fotos gemacht und online gestellt, nicht ohne im Kommentar auf den Fake-Faktor der PR-Aktion hinzuweisen und diesen zu benennen: Astroturfing
»Schneemann-Demo gegen die Globale Erwärmung« auf berlin online
01.2010 Bilder von der Schneemann-Werbung
Auch wenn nicht in der Weise beabsichtigt, wurde die Schneemann-Aktion der Entega zu einem viralen Werbeerfolg, weil jede/r Fotos der Schneemänner ins Netz stellte.
Hier die einzige Adresse mit einem kritischen Kommentar vor der Bildstrecke:
Die Aufforderung zur Demonstration gegen Klimawandel, bei der die lustigen Schneemänner auf dem Schlossplatz gebaut wurden, war eigentlich eine versteckte Werbeaktion eines regionalen Energieanbieters.
»Schneemann-Demo am Schlossplatz« auf berlin online
18.01.2010 Von den Schneemännern lernen
Während wir uns noch über die Instrumentalisierung von linken Aktionsformen durch die Industrie mokieren, schlussfolgert Christian Neugebauer bereits, NGOs und Unternehmen nähern sich in ihrem Gebaren einander an. Aufhänger für den Artikel ist die Viral-Marketing-Kampagne vom Schmuddelstromanbieter Entega, welche als Schneemann-Demo für Klimafreundlichkeit daherkommt.
Neugebauer konstatiert aber nicht nur ein Abkupfern von Aktionsformen durch Unternehmen sondern ebenso durch die NGOs, die ihrerseits bei ihren Organisationsformen beim Nachbarn stibitzen. Hier sind vor allem die angesprochenen Wettbewerbsverzerrungen durch öffentliche Förderung interessant.
Zu guter Letzt findet die ISO-Norm für CSR (Corporate Social Responsibilty) Erwähnung.
»Werden Unternehmen zu NGOs und NGOs zu Unternehmen?« von Christian Neugebauer auf Glocalist.com
18.01.2010 Erste Reaktionen zur Schneemanndemo in der Blog-Sphäre
Nico verweist auf die Nominierung von Entega zum Greenwashing-Preis »Grünen Tomate« auf Utopia.
»Nachtrag Schneemann-Demo« von Nico auf Klimaxikon
14.01.2010 Das Langermobil kurz zerfetzt
Wozu wir seitenlange Pamphlete verfassen, das kriegt Kathrin Hartmann in einem Absatz hin. Der peinlich unreflektierte Beitrag auf arte wird hier kurz und bündig geschreddert.
»Auto fahren mit Claudia Langer: Weltrettung im Langermobil« auf ende-der-maerchenstunde.de
14.01.2010 Wenn Milchmädchen rechnen
Die Königin von Utopia hält Hofstaat bei br alpha, einem nur schwer auffindbarem Regionalfernsehsender. Stichwortgeberin ist Ellen Norten.
Die Weltrettung wird in der Eingangssequenz ein erneutes Mal nonchalant auf den Klimawandel reduziert, Millionen Verhungernder werden es Claudia Langer danken.
Man jongliert des weiteren mit Kontaktzahlen, diesmal mit zwei Millionen Besuchern der Internetpräsenz im Jahr (dann hat in 45 Jahren jeder Bundesbürger einmal auf der Seite vorbeigeschaut), der Verweis auf Besucherzahlen soll anscheinend die Mitgliederzahl beschönigen, die bei 50.000 ruht.
Zu aller erst wird die neue Funktion des Portals als Einstieg angepriesen, »Die Gute Frage« hat man sich mal eben beim gleichnamigen Portal gutefrage.net abgeschaut. Sie liefert ebensolche qualitativ durchwachsenen Ergebnisse wie das Original.
Derweil hat Utopia den Lohas-Proll für sich als Kunden entdeckt. Der typische Kunde, Entschuldigung, »Utopist« will gesagt bekommen welche ökokorrekten Sachen er kaufen darf und welche eben nicht. »Verschone mich mit Details, ich will jetzt keine seitenlangen Testberichte lesen.« Dem so umschriebenen Nutzer antwortet Langer beschwichtigend »[…] Wir überfrachten Dich […] nicht mit Informationen.« Mit Bequemlichkeit werden wir die Welt jedoch nicht retten.
Die verkürzte, sprich prägnante, Information wird wahrhaftig häufig nachgefragt in unserer schnelllebigen Zeit, doch bedarf es dafür einer Vertrauensbasis, die Utopia wohl weder erfüllen noch aufbauen kann.
Die Stichwortgeberin leitet nun zur Verstrickung von Werbepartnern und der Utopia AG und dem daraus hervorgehenden (möglichen) Interessenkonflikt über, die Frau Langer gekonnt pariert. »Das Begünstigen ist Teil des Programms.« Wen die Utopia AG begünstigt wird dann leider nicht vertieft, unter anderem die Firma Entega, die wir schon im Artikel »Schummelstromanbieter Entega erneut auf Utopia« ein wenig begutachteten. Auch für den Premium-Partner Henkel hatten wir ein kleines Profil erstellt, »Henkel findet Palmöl gut, wir nicht«.
Die Schuld für den Weltuntergang tragen, laut Langer, die Konsumenten, welche sich den Lifestyle of Health and Sustainability nicht leisten können oder wollen. Die hätten die Industrie enttäuscht. Die Industrie – Dein guter Freund.
Claudia Langer schreibt im Folgenden die Geschichte neu, LOHAS sind die Elite, von der die Ökobewegung ausginge, und dass obwohl Claudias Mutter schon Runkelrüben gekauft hat und also auch der Öko-Elite beiwohnte. Heute kauft man sich laut Claudia Langer als Drittauto, und dabei geht sie wohl von sich aus, ein Elektro-Auto. Die Weltrettung durch Statussymbole, scheint die neue fixe Idee, der Holzkopf-Elite, die sich selbst auch gerne als »neue bürgerliche Elite« tituliert, da sie weder in die Leistungs- noch in die Wissenselite passen mag und wohl schon gar nicht in die Verantwortungs-Elite, obwohl die Schnösel das wahrscheinlich anders beurteilen.
Lustiger Weise wird weiter nach den Werbepartnern gefragt und das Ammenmärchen der Unabhängigkeit der Utopia AG gegenüber diesen genährt, mehr noch, verweist Langer explizit auf die Community als regulatives Mittel. Natürlich hat der Diskurs der Mitglieder auf der Plattform Utopia keine Auswirkungen auf die Wahl der Werbepartner, die eben rein wirtschaftlich getroffen wird, alles andere wäre geschäftlicher Selbstmord. Zwar gibt es für die Wahl der Werbepartner eine Weißliste mit Vorgaben, damit man nicht aus Versehen den nächsten Mussolini mit ins Boot holt. Aber was nützt diese Liste, wenn Firmen wie Entega, British Petroleum und Henkel Werbepartner der Utopia AG werden können, oder der Verband der deutschen Automobilindustrie auf dem »Öko«-Portal Werbung schalten darf?
Wie als Beweis der eigenen Tiefsinnigkeit führt Frau Langer anschließend folgende Floskel ins Feld: »Wir alle waren kurzzeitig verunsichert ob wir Atomstrom vielleicht doch gut finden sollen.«, mal ehrlich, für solche Sätze liebe ich Claudia Langer. Noch dazu wird der Thementeil »Ökostrom« des Interviews mit derlei geistigem Dünnpfiff eingeleitet. Wen verwundert's da noch, dass sich zwischen den vier heiligen Ökostromlieferanten (EWS, Lichtblick, Naturwatt, Greenpeace Energy) in Claudia Langers konkreter Tipp-Gabe auch der Werbepartner und Schummelstromlieferant Entega wieder findet. Dieser positiven Zuordnung wollen sich die Besucher der Plattform Utopia nicht anschließen, dort bildet das Unternehmen Entega im Bewertungsreigen das Schlusslicht.
Nun wird im Interview die Utopia-Stiftung mit der AG verquirlt und die Unabhängigkeit des wissenschaftlichen Beirates in Frage gestellt. Ohne das zu vertiefen offeriert Frau Langer ihr beschränktes politisches Weltbild, ihr gesamtes politisches Spektrum reicht gerade mal »von den Grünen bis zur CDU«. Nicht dass uns die Ausblendung linker politischer Bewegungen wundert, aber im bayerischen Fernsehen die CSU zu unterschlagen kommt einem politischen Selbstmord gleich.
Doch Frau Langer denkt nicht mehr in politischen Lagern, eher noch in ebenso antiquierten sozialen Schichten, Stichwort »Elite«.
Über die Begrifflichkeit der »Kommunikationsexperten« (Eigenbezeichnung) kommt man auf Frau Langers Werdegang zu sprechen. Irgendwie scheint sie nur einmal einen Club of Rome-Report gelesen zu haben, jedenfalls kommt dieser in jeder ökokorrekten Vita der Frau Langer vor. Mit 18 reichte es schon zum Resignieren und Seele-verhökern, erst bei einem Mode-Event, später mit der eigenen Werbeagentur für Unternehmen wie EON, Levis, Burger King.
Trotzdem möchte sie ihren Sinneswandel nicht als Weg vom Saulus zum Paulus gelesen wissen, immerhin habe die Kundenverballhornung in der Werbeindustrie mindestens genauso viel Spaß gemacht wie heuer die Missionierung der Couch-Ökos.
Die »finanzielle Misere« wird auch angesprochen, und Frau Langer beteuert ein weiteres Mal, dass sie noch keine schwarzen Zahlen schreibt, wirtschaftlicher Misserfolg wird hier als Zeichen der Uneigennützigkeit ausgelegt.
Als ökorevolutionäre Maßnahme empfiehlt Claudia Langer zu guter Letzt die Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs. Wie kann man seine Weltfremdheit besser unter Beweis stellen? Und die rhetorische Frage bei derlei Argumenten lautet: Wann bist Du das letzte Mal Bus gefahren Claudia Langer?
»Claudia Langer im Gespräch mit Dr. Ellen Norten« (Skript als PDF-Download) auf br alpha
12.01.2010 Poppig und polemisch
Utopia bei arte. Nach den 3. Programmen hat man es nun ins Bildungsfernsehen geschafft, ganz ohne Schulabschluss. Doch es reicht inhaltlich nur für 4 Minuten. Ausgerechnet auf die peinliche Guerilla-Marketing-Aktion zur IAA wird verwiesen, die lediglich die Unbedarftheit der Macher in Sachen Plakatieren dokumentiert. Die Pseudo-Guerilla-Aktion wird allerdings nicht weiter hinterleuchtet. So fehlt ein Kommentar zur offensichtlichen Manipulation der eigenen Mitglieder, denen man die Guerillia-Aktion als Idee eines »Utopisten« verkaufen wollte, genauso wie eine Vermerk, dass es sich lediglich um eine versteckte Werbeaktion für die eigenen neogrüne Plattform Utopia handelte. Stattdessen wird dieses Marketingdebakel auch noch beklatscht: »Fast könnte man meinen die Industrie selbst hat eine Guerilla-Werbe-Kampagne inszeniert.« Wir verbuchen den Kommentar mal als Ironie.
Zumindest wird der Block mit Langer's eigenen Worten eingeleitet, »Weil es klar war, dass wir […] natürlich das tiefe Wissen der Nachhaltigkeit gar nicht haben« ist eine recht treffliche Aussage über das ökologische Hintergrundwissen der Utopia-Macher, auch wenn es hier nur der Begründung dient warum Honoratioren im Stiftungsrat sitzen.
In einem zweiten kurzen Block testet Frau Langer dann einen Tesla, ein Luxus-Elektroauto, und kommt ins Schwärmen. Für Sie führt der Weg in eine ökologischere Welt ausschließlich über Konsum von Statussymbolen. »Ich kann beim Nachbarn angeben und tue was Gutes.« Wie man Frau Langer bei derlei Aussagen mit »Ökorevolutionärin« betiteln kann, bleibt uns ein Rätsel.
Die Bühne musste sich Claudia Langer diesmal mit dem Israeli Shai Agassi, das war der mit den Elektroautos, und der Französin Hélène Pelosse, Chefin der Beratungsagentur für erneuerbare Energien (IRENA), teilen, die beide neben ihr eine bessere Figur machten.
Warum ausgerechnet Claudia Langer im Tesla interviewt wird, wenn man sich vom American Way of Life verabschieden möchte, können wir nicht erahnen.
Immerhin brachte arte vorab mit dem Beitrag »Plastik über alles« eine sehenswerte Dokumentation, in der echte Ökorevolutionäre zu Wort kamen.
»Die Öko-Revolution – Abschied vom American Way of Life« von Frank Jastfelder auf arte
07.01.2010 Sexy und gar nicht ökokorrekt
Der nicht gerade investigative Artikel eröffnet mit ein paar beispielhaften Fragen mit denen sich Verbraucher an das neogrüne Portal Utopia wenden. Schon hier muss man zwischen den Zeilen lesen. So heißt es: »Welchen Firmensiegeln kann man vertrauen?« Die Antwort muss lauten, keinem. Denn nur firmenunabhängigen Siegeln kann man unter Umständen vertrauen. Firmeneigenen Siegeln wie z.B. dem von der Industrie dominierten RSPO-Siegel darf man gerade nicht vertrauen, bekräftigen unabhängige Organisationen rund um den Globus. Dieses RSPO-Siegel wird vom Utopia-Werbepartner Henkel aber gerne ins Feld geführt, um die eigene Scheinheiligkeit, Entschuldigung Nachhaltigkeit zu belegen.
Wiedereinmal wird die Utopia-eigene Behauptung man wäre die größte grüne Community in Deutschland unhinterfragt übernommen, was uns dazu zwingt auch diese Aussage zu widerlegen. (Dazu demnächst mehr.)
Auch das konstatierte Grundprinzip, dessen tieferer Sinn es sei, »durch gezieltes Konsumverhalten die Entscheidungen von Firmen und Konzernen insoweit zu beeinflussen, […] dass diese - gezwungenermaßen freiwillig - zukünftige Entscheidungen dem Umweltschutz und Nachhaltigkeitsgedanken unterwerfen«, ist schlicht falsch. Zum einen wird hier der Anteil von Konsum in der Volkswirtschaft überproportional dargestellt, zum anderen werden wir die Welt entgültig über den Jordan manövrieren wenn wir unser Verhalten nicht rigeros ändern. Richtiges Einkaufen kann die Welt nicht retten auch wenn die Plattform Utopia diese Illusion mit vielen bunten Bildern verkaufen möchte.
Wenn Claudia Langer »unseren Kindern« keinen »unfassbaren Saustall hinterlassen« möchte sollte sie das eigene Handeln schnellstmöglich überdenken. Ein erster Schritt, ganz im Sinne des Utopia-Mottos »wir fangen dann schon mal an«, könnte darin bestehen den eigenen ökologischen Fußabdruck zu messen und danach das eigene Handeln auszurichten. Zu diesem Schritt und auch dazu dies öffentlich zu tun riefen wir Claudia Langer vermehrt in diesem Blog auf, die Antwort war Schweigen.
Wenn Frau Langer des weiteren zitiert wird »Wir fordern einiges von der Industrie, sagen aber auch unsere Unterstützung zu, wenn sie sich auf den Weg zu mehr Nachhaltigkeit machen", hört sich das zwar positiv und aktivistisch an, doch wie ein Unternehmen, welches von seinen Werbepartnern finanziell abhängig ist, Forderungen stellen möchte oder wie diese Forderungen vom Finanzier aufgenommen werden, dazu verlautbart die Utopia AG nichts. Der Premium-Partner Henkel finanziert mit 100.000 Euro jährlich das Online-Portal, also ein geschätztes Fünftel des benötigten Gesamtetats.
Insofern sind Empfehlungen seitens der Utopia AG zu nachhaltigen Produkten mit Vorsicht zu genießen.
Auch die Aussage »Wir gewinnen zunehmend an Einfluss« wird mit dieser Abhängigkeit zu einem zahnlosen Bekenntnis. Einfluss auf wen(?) möchte man fragen. Hier ist wohl nicht mehr die Industrie gemeint. Vielmehr kokettiert man mittlerweile mit der Politik, die sich gerne ein nachhaltiges Image geben möchte. Vor Zeiten hatte man der politischen Intervention noch abgeschworen, nunmehr hat die AG den Wunsch seitens der Industrie und auch seitens der Community, Lobby-Arbeit zu leisten, aufgenommen und assimiliert. Vorbild sind hier die großen politischen Bewegungen (Campact, Avaaz, Greenpeace, die Parteien selbst).
Der Artikel endet mit dem Verweis auf die Unterzeichnung des »Changemaker-Abkommens«, welches Utopia-intern und -extern bereits als zahnloses Lippenbekenntnis abgetan wurde.
Im Januar hat die Utopia AG ein DAX-Unternehmen als Premiumpartner akquiriert. Wir sind gespannt für wen man diesmal die Wäsche grün wäscht.
»Ökokorrekt und trotzdem sexy« von Silke Janovsky in der Berliner Zeitung
28.12.2009 »Ich bekam mehrere Ordnungsgongs.«
Wieder treffen sich Utopisten und gewesene Utopisten außerhalb von Utopia, um über das utopische Reglement zu reden, auf Utopia.de scheint dies immer noch unmöglich.
Deshalb macht sich der eine oder die andere ab und an mal Luft, in diesem Falle Berthild Lorenz (60.000 Aktivitätspunkte, Link nur bei Anmeldung auf der Plattform einsehbar): »Utopia wird keinen los, solange es der Zensorin nicht gelingt, mich rauszuschmeißen …«.
Wer viel schreibt, also Aktivität zeigt, eckt anscheinen öfter an bei der Utopia AG. Vielleicht ist das, wenn auch unbewusst, der tiefere Sinn den die AG in ihrer Community sieht. Zwar möchte man viele Inhalte generiert sehen, um möglichst weit im Suchmaschinenranking vorne zu liegen, doch im Prinzip wünscht man sich inaktive Konsumenten deren Hauptbeschäftigung eben darin liegt zu konsumieren, nach Möglichkeit die Produkte der Werbepartner.
»Von Verschwörungsdiuretikern, Politikern und sonstigen zeitverschwendenden Flachpfeifen« von rockrebell auf facebook
2010 Scuppies!
Man versucht sich in Zielgruppendefinition, erwähnt dabei unter anderem KarmaKonsum und Utopisten und bringt die brand neue (2000) Käuferbeschreibung Scuppies, »social conscious upwardly-mobile people«, deren Definition man frei mit »Menschen, die nichts
Schlechtes daran finden, viel Geld zu verdienen und dieses für ein
angenehmes Leben auszugeben…« übersetzt. Man könnte sie auch »verantwortungslose Egoisten mit manchmal schlechtem Gewissen« nennen, dass ließe sich allerdings nicht so trefflich abkürzen.
Den Wunsch mit Konsumgewohnheiten Unternehmen in sozial-verträgliche und umweltfreundliche zu verwandeln, blendet die politische Komponente zugunsten einer sinnlich-ästhetischen Orientierung aus, die weniger Verhaltensänderung zu bedürfen scheint, da sie sich an die Konsumorientierung der Protagonisten anschmiegt.
Somit wird nicht der Wille nach gesellschaftlicher Veränderung, sondern die Suche nach einem neuen Mehrwert im Konsumüberfluss erkannt. Es geht darum ein besseres Gefühl zu haben. Deshalb sind die Greenwasher mit ihren virtuellen Mehrwerten im Vorteil (UAP) gegenüber den Anbietern echter Leistungsversprechen (USP). Als Anbieter engagiert man sich halt nur soviel, wie man muss.
»Von KarmaKonsum bis Utopisten - Nachhaltigkeit schafft neue Zielgruppen« auf PriceWaterhouseCoopers
15.12.2009 »Eine Mohrrübe im Arsch macht noch keinen Öko.«
Wohin manövriert eigentlich die taz (?), frage ich mich nach dem Lesen des Artikels »Die neue bürgerliche Elite« von Peter Unfried. Darin dekliniert er eine ebensolche, und zählt sich klammheimlich mit dazu, zu den Siegern der Klimakrise. Konservativ sein ist wieder schick und alternativ sein wird grob in erdverbundene Ökologie umgedeutet.
Da steht Unfried nicht mehr weit vom rechten Rand des Ferdinand v. Bismarck und seiner Schollen-Ideologie (»Ich bin ein Junker und will meinen Vorteil davon haben.«) Von einer neuen, jetzt bürgerlichen, »Elite« aus dem Munde des Chef-Reporters der taz zu hören, bzw. aus seiner Feder zu lesen, befremdet ein wenig.
Peter Unfried legt nach. Die »neue bürgerliche Elite« bekenne sich zu ihrer »Lebensstilverantwortung«. Eine Verbrämung der Tatsache, dass wir über unsere Verhältnisse leben, mit der Behauptung verwoben, dass wir dies mit gutem Gewissen tun könnten. »Die Grundlage dafür [Anm. d. Red.: für die Lebensstilverantwortung] ist eine gelebte Klimakultur« jedoch »nicht Ökoterror, tugendhaftes oder ›korrektes‹ Verhalten«. Auch bei dieser selbst ernannten Elite scheint einmal mehr der gute Wille und der Habitus ausreichend zu sein, um die Welt zu verbessern. Begrüßen wir also ein neues Rudel in der Horde der Absichtserklärer und Willensbekunder.
Herr Unfried stellt in Folge fest, dass man, um Öko zu sein, nicht der Linken angehören muss, auch wenn ihm die Titulierung vom »grünen Kapitalisten« nicht so recht schmeckt. Sein Stände-Denken definiert »politisch sein« denn gleich als Parteizugehörigkeit, welche Seilschaft man sich erwählt ist zweitrangig, da ist Peter Unfried liberal.
Die »neue bürgerliche Elite« verortet er im Kosmos der alternativ Konservativen, also der beforkten Burschenschaftler.
Ihre Anhängerschaft sei »materialistisch« und zudem »sozial engagiert«, wobei mich diese Argumentationskette an das soziale Engagement des Bürgertums im Frühkapitalismus erinnert, welches sich bis heute in Ländern, die einen Sozialstaat nie errichtet haben, nicht trägt.
Infolge wird die Gruppe der Lebensstilverantwortenden mit dem Gegenwortpaar »karrieristisch« und sich »über Familien- und privates Glück definierend« beschrieben. Mal abgesehen davon wie tumb Menschen seien müssen, um sich selbst als karrieristisch zu bezeichnen, sind es diese Menschen vor denen man auf Partys beim Smalltalk immer schnell das Weite sucht. Hier gerät Peter Unfrieds Beitrag zur Nabelschau.
Er kriegt Beruf und Privatleben nicht unter einen Hut. Das ist keine Problem des Leistungswillens, im Sinne von »ich habe gar nich soviel Zeit«, sondern schlicht eins der Entscheidungsunfähigkeit. Und, bitte, wer braucht eine Elite die sich in den simplen aber wichtigen Dingen im Leben (Familie & Beruf) nicht entscheiden kann, mithin, wer braucht Entscheider die zum Entscheiden zu blöd sind?
Der Autor behauptet viele Menschen wären gelähmt von den «multiplen Krisen der Gegenwart« und prognostiziert weiter »zunächst mal braucht es die, die nicht gelähmt sind.« um daraus fälschlicher Weise eine Elite-Verantwortung mit Elite-Machtanspruch abzuleiten. Dies ist der Fehlschritt in der Argumentationsfolge. Nicht, das Herrschaftswissen für sich behaltend, Macht konstituieren, sondern die Bildung der Massen hilft selben aus der Lähmung ob der multiplen Krisen. Probleme lassen sich in der Gruppe, auf viele Schultern verteilt, meist schneller und besser lösen. Dann kommt auch niemand zu dem Irrglauben, ob der hohen persönlichen Erschöpfung, er wäre Leistungsträger oder wie sich die neoliberalen Dackel noch so nennen.
»Lebensstilverantwortung ist kein hysterisches Weltretten.« konstatiert der Autor, hier gebe ich ihm recht, die »Lebenstilverantwortung« ist weder hysterisch, noch ist sie ein Weltretten, »Lebensstilverantwortung« ist eher ein autistischer Singsang.
Der Artikel hat es in diesen Pressespiegel geschafft, da, auch wenn die Utopia AG keine Erwähnung findet, die kolportierte Ideologie die gleiche ist, so haben Unfried (taz) und Langer (Utopia AG) auf deren firmeneigenen Konferenz abschließend gemeinsam ihren Weg präsentiert.
Lesenswert sind die wenigen Kommentare zum Artikel, denen ich auch die Überschrift entleihe.
»Die neue bürgerliche Elite« von Peter Unfried in der taz
PS: Die Kommentare wurden gelöscht. Warum weshalb und ob hier die Ökonomie- oder die Zensurkeule geschwungen wird, wir wissen es nicht und haben deshalb im Online-Archiv der taz nachgefragt (26.09.2010) und harren der Antwort.
07.12.2009 Applaus für die Ex-Werberin – vom Werber-Portal
neueWerbung.org, das Forum für Neue Werbung (gemeint ist wohl Werbung in Sozialen Netzen), hat sich von Claudia Langer »beeindrucken lassen«. Mark Sargent, dem Schreiber hinter neueWerbung.org, gefällt die »mädchenhaft quirlige Art«, dem kann ich zustimmen, wenn ich die Aussage inhaltlich rückübersetze: naiv begeistert. Ein weiteres Attribut, dass der Autor Frau Langer verpasst, »Freundlich bestimmt«, heißt dann »zuvorkommend herrisch«, die Neuformulierung bringt die autokratischen Machtverteilung im Utopia-Universum und die damit verbundene hierarchische Struktur besser hervor. Bei Werberportalen wie neueWerbung.org hat man allerdings das Texten gelernt, hier wird dergleichen butterweich verpackt.
Sollte die Bildunterschrift neben Claudia Langers Konterfei (»Unser Weg ist es, Forderungen an die Industrie zu stellen.«) für die freundliche Bestimmtheit herangezogen werden, verkehrt sich das Lächeln eben dieses Portraits in eine zahnlose Fratze. Die Hand, die einen füttert, beißt man nicht, schon gar nicht, wenn das unternehmerische Füllhorn gerade eher als Rinnsal verendet.
Richtig liegt der Autor jedoch beim Einschätzen der Intention der Utopisten: »Selbstdarstellung wird auch bei Utopia Beweggrund gewesen sein für 51 Tausend Utopisten sich anzumelden.« Und schon sind wir wieder beim Eigennutz, der leider noch nie die Welt gerettet hat.
Zum Abschluss werden die Trackingdaten von Utopia.de herübergereicht, sicherlich um den Erfolg von Utopia zu belegen. Doch Quantität und Qualität können differieren. Und 50.000 Karteileichen machen noch keine Aktion.
»Wir fühlen uns sozial reich!« von Mark Sargent auf neueWerbung.org
06.12.2009 Mission »Utopia«
Der Politikwissenschaftler Dorian Cantzen steigt harsch in sein Thema ein. Sein Gefühl dünkt ihn, dass er erst Buße tun müsse, damit er »einer von ›ihnen‹ werden und sich Utopist nennen darf«. Eine Gefühl das die Utopia AG keinesfalls bei ihren Jüngern aufkommen lassen möchte, betteln ihre Protagonisten doch bei jedem öffentlichen Auftritt man möchte sich auf der Plattform anmelden. (Die Mitgliederzahlen sind das Argument für die Werbepartner der Utopia AG und somit lebenserhaltend.) Gerade dieser Anmeldevorgang inspiriert Cantzen zu einem Vergleich mit der katholischen Kirche. Die von ihm zitierten, beim Anmeldevorgang abgefragten Einstellungen,
-
»
- 1. ›Ich bin Utopist weil...‹,
- 2. ›Bei mir hat es Klick gemacht...‹,
- 3. ›Ich verzichte gerne auf...‹,
- 4. ›Ich werde immer schwach bei...‹,
- 5. ›Ich wünschte, es gäbe...‹ und
- 6. ›Ich brauche täglich...‹«
erinnern ihn wohl an einen Katechismus, indem er vermeint ein Durchlaufen der Stufen Erweckung, Sündenbekennung und den Schritt in das neue Leben erkennen zu können. Eine wundervolle Interpretation, wie ich finde, die ganz in mein Bild der streng erzogenen protestantischen Firmengründerin der Utopia AG passt.
Beim missionarischen Drang einiger weniger Mitglieder mögen dem Autor die Zeugen Jehovas in den Sinn kommen. Ich sehe bei den Utopisten nicht so viel Potential. Natürlich lassen sich Einzelne aktivieren, doch die große Masse wird wohl nicht an die Tür klopfen, ist sie doch zu sehr damit beschäftigt den eigenen Nabel zu bestaunen.
Ein mal mehr fällt das böse Wort: Greenwashing. Ein Vorwurf von dem sich die Utopia AG mit ihrem Finanzierungskonzept über Werbepartner, nie wird ganz reinwaschen können.
Einen interessanten Ansatz formuliert Cantzen in seiner Elite-These nach der Utopisten glauben die besseren Menschen zu sein, und zwar obwohl sie andere Auffordern es ihnen gleich zu tun, und selbst auf einem untersten Level der ökologischen Erkenntnistheorie herumkrebsen.
In diesem Sinne schließen wir mit dem Ende des Artikels: »Ein bisschen weniger verblendete Naivität bitte!«
Dorian Cantzen schreibt für das Blog Politischer Konsum
»Utopia: Beichtstuhl 3.0« von Dorian Cantzen auf Glocalist.com
05.12.2009 »Die Idee fliegt – und dann kam Lehmann«
Leider ist der Online-Mitschnitt ein bisschen Mäusekino, dafür brillieren wir mit, aus dem Zusammenhang gerissenen, Zitaten von Claudia Langer.
- »Ich bin hier nicht der Retter der Welt.«
- »Ich bin da supernaiv reingegangen.«
- »Ich glaube nicht, dass wir konkurs gehen.«
Während sich das erste Zitat auf die, nicht zuletzt durch uns, stilisierte Heldenpose bezieht, eine Rolle die Claudia Langer nicht annehmen möchte, um nicht alsbald vom Sockel gestoßen zu werden, fasst Zitat Nummer zwei ein wenig zusammen, wie vorbereitet man sich in die Unternehmung Utopia eingelassen hat. Die dritte Aussage verrät, obwohl Sponsoren bei der Utopia AG abgesprungen sind und man einen gut Teil der Belegschaft rausschmeißen musste, schaut man hoffnungsfroh in die Zukunft und spekuliert auf weitere Partnerschaftsverträge.
Der Einstieg in die Gesprächsrunde gerät zu einem kleinen Fiasko, Claudia Langer referiert über ihre Kamerascheue und wir verbinden damit Eitelkeit. Leider vertieft sie das nicht insoweit, dass wir erfahren würden welcher Stilberater ihr vom Öko-Schal ab- und zur neuen Frisur zugeraten hat, dabei interessieren uns derartige Boulevard-Themen doch brennend. Noch immer erschließt sich uns nicht, warum uns Claudia zur utopischen Kühlerfigur avanciert, man könnte auch einmal einen anderen Mitarbeiter in die Fernsehshows schicken, aber Fernsehen gilt bestimmt noch als Chefin-Sache.
Der Einstieg ins Interview beinhaltet die Frage des Verbrauchers: »Wem kann ich vertrauen?« (Claudia Langer) und impliziert die Antwort (des Moderators), dass es doch sicherlich am einfachsten ist, in den nächsten Bio-Laden zu gehen, wo man schlicht allen Herstellern dieses Vertrauen entgegenbringen kann.
Hier steigt Frau Langer zum wiederholten Mal mit ihrer Metapher von den »großen Hebeln« ein, die als argumentative Stütze für das Umgarnen von großen Konzernen herhalten darf. (Unterschlagen wird das diese Unternehmen eine preiswerte 100.000 €-PR-Partnerschaft mit Utopia eingehen sollen.) Folgerichtig kommt man auf die Frage: »Ist Henkel ein gutes Unternehmen?« (Claudia Langer) »Eins zu dem ich ja sagen kann.« (Claudia Langer) Und schwupps wurde wieder unreflektiertes name dropping betrieben, für die Premiumpartnerschaft darf Henkel auch ein bisschen was erwarten. Alternativ hier unser kleiner Henkel-Artikel.
Weiter geht's mit der Luxus-Debatte, und der Frage: Kann sich ein Hartz-IV-Empfänger Umweltschutz leisten. Frau Langer macht erneut die Energiesparlampen-Milchmädchenrechnung auf und unterschlägt, dass die einmalige Investition eben das Problem der Armen bei derlei Anschaffungen ist. Wir wissen: Der Hartz-IV-Empfänger kann Umweltschutz – durch weniger Konsum, das ist aber nicht die langersche Utopie.
Wir hätten uns mehr investigative Fragen gewünscht, z.B. von Co-Moderatorin Charlotte Roche, die sich vorab von ihrem neuen Busenfreund (hier noch mal zum Nachlesen) und Ex-Utopisten Klaus Werner-Lobo zur Plattform Utopia hätte briefen lassen können.
»Claudia Langer« (im Mäusekinoformat) oder nicht ganz ruckelfrei bei 3 nach 9 im hr3 / radio bremen tv
04.12.2009 »Sonntagsreden über Unternehmensverantwortung«
Nachdem richtig festgestellt wird, dass zumindest momentan der politische Wille fehlt das Klima zu retten, und daran ändert sich unter Umständen erst etwas wenn die Niederlande Neutronen-Waffen anschafft, wird weiter ausgeführt, dass dies auch nur einen kleiner Teil des Problems darstellt.
Ein spannender Aspekt in Ekardt's Argumentation, ist der, dass »Konsumentendemokratie« die Armen dieser Welt entmündigt, sozusagen als postkoloniale Elite-Handlung. Derweil spricht er damit nicht etwa der Klientel der Öko-Reformer die Handlungsverpflichtung ab, nur reicht es eben nicht aus, Tesla zu fahren und Bio-Lachs einfliegen zu lassen.
Parallel zur Einforderung von mehr Nicht-Konsum formuliert er die Krux des strategischen Konsumenten: »Das eine Unternehmen verspricht vielleicht ›Produkte ohne Kinderarbeit‹, das andere Unternehmen verspricht ›Klimafreundlichkeit‹. Und jetzt soll ich als Verbraucher entscheiden, was von beidem wichtiger ist?« Da wäre es ein leichtes zu resignieren oder sich in seiner Bequemlichkeit an Greenwashing-Portale wie utopia.de zu wenden. Die Konsumenten-Monologe an vermeintlich änderungswilligen Unternehmen verfehlen dabei im Kern das Ziel. »Konsum« heißt die Nabelschau der Bürger, Umweltzerstörung und Ausbeutung sind jedoch im industriellen Bereich weitaus größer.
Die utopistischen Claqueure bemängeln derweil in den Kommentaren, die Inabredestellung der Effektivität strategischen Konsums, da es doch ein personifiziertes Handeln gäbe, dass grundsätzlich zu begrüßen sei (das wird jetzt nicht wirklich vom Autor verneint), nehmen allerdings nicht den Vorschlag des politischen Handelns auf, den der Autor ihnen anbietet.
Einen geharnischten Kommentar hält rockrebell auf seinem Blog unter dem Titel »Strategischer Konsum, um die Welt noch strategischer zu
zerstören?« bereit.
»Die Welt rettet nicht der Einkaufskorb« von Felix Ekardt in der taz
30.11.2009 Die Utopia-Konferenz 2009 – Endlich auch mal in der Presse
Fast wäre die Konferenz der Utopia AG medial völlig untergegangen, obwohl man die PR-Portale geradezu mit Erfolgsmeldungen geflutet hatte, war die mediale Rückmeldung darauf sicherlich ernüchternd. Immerhin kann man mit einer kleinen Google-Suche so die PR-Repetierer in der Öko-Webszene aufspüren, die alles nachbrabbeln, was sie vorgesetzt bekommen.
Nun hat sich Ulli Kulke doch noch erbarmt und eine Kritik zur utopischen Lobby-Party geschrieben. Genüsslich wird das, den Werbern eigene, Denglish seziert.
Neben einigen Vortragenden bekommen vor allem die Firmen ihr Fett weg, denen Kulke ob ihres Profits an der Situation nonchalant in den Mund legt »Gäbe es den Klimawandel nicht, man müsste ihn erfinden.«
So war der Utopia-Award doch noch zu etwas gut, nämlich zu dieser Glosse.
»G wie Grün. Oder: Geschäft« von Ulli Kulke in Die Welt
28.11.2009 Das utopische ChangeMaker-Manifest – Man steckt ihr fest.
Gerade lies die Führung der Utopia AG die neue Bombe platzen, man manifestiert jetzt, in der Neuen Deutschland AG. Erste Reaktionen gab es schon auf utopia.de selbst, speziell fairskate hat kein gutes Haar an den utopischen Bestrebungen gelassen.
Nun haben sich auch unsere österreichischen Nachbarn des Manifestes angenommen, und kommen ebenfalls zu einem vernichtenden Urteil. Neben dem Befremden über den aus München tönenden Nationalstolz manifestiert sich die Kritik am Manifest in dessen unklaren Formulierungen und in den sich daraus ergebenden recht laschen Selbstverpflichtungen der unterzeichnenden Unternehmen. Diese gereichen dem Greenwashing zu hohen Weihen, was auch die Frage beantwortet, wem das »ChangeMaker-Manifest« dienlich sein könnte.
ChangeMaker-Manifest: Vorwärts in die Vergangenheit von Christian Neugebauer auf Glocalist.com
26.11.2009 Utopia und seine Konferenz
Das Fazit der Utopia-Konferenz fasst Peter Unfried wie folgt zusammen: »Die Bürgergesellschaft muss ihr bürgerliches Mandat wahrnehmen.« Daraus abzuleiten Utopia bemühe eine »Klimaschutz-APO« ist eine freudsche Fehlleistung des Autors, die der taz-Leserschaft sicherlich gefallen wird. Wahr ist, dass die von Utopia deklarierte Suche nach den »großen Hebeln« im politischen wie wirtschaftlichen Sinne eine machtherrliche Führer-Elite propagiert. Eine Außerparlamentarische Opposition wird hingegen von der Utopia AG nicht eingefordert. Vielmehr rief sie zuletzt dazu auf Frau Merkel Bittbriefe zu schreiben und in Parteien einzutreten. Der anbiedernde Gang durch die Institutionen ist somit der erstrebte Weg von Chefin Langer und ihrer Belegschaft. Wobei die Utopia AG hier den Part für die Wirtschaft übernehmen möchte, ohne Mitspracherecht der über 50.000 »UtopistInnen«, für diese hat man nun das politische Engagement entdeckt, natürlich nicht so radikal wie bei Avaaz, Campact oder Greenpeace sondern eher so als seelischer Ausgleich mit Parteibuch im bürgerlichen Lager.
Mit der Aussage »Utopia.de (sei) Deutschlands größte Internet-Community für nachhaltigen Lebensstil« fehlt Unfried doppelt. Zum einen ist nichts an Utopia nachhaltig. Allerdings ist das natürlich von der Definition des Begriffs abhängig. (Henkel, einer der Werbekunden der Utopia AG, hält sich sicherlich selbst auch für nachhaltig, weil ein My der Produktion aus Regenwald zerstörendem jedoch RSPO-zertifizierten Palmöl gewonnen wird.)
Parallel ist Utopia mitnichten die größte Internet-Community für nachhaltigen Lebensstil, selbst wenn man das mit der Nachhaltigkeit überliest. Campact fiele mir spontan ein aber auch diverse andere Communities bringen mehr zu stande als Utopia. Hier fällt der Autor schlicht der utopischen Werbung mit absoluten Zahlen zum Opfer. Über 50.000 Mitglieder sind halt keine 50.000 Aktiven. Die Berliner Gruppe Fels hat sicherlich keine 50.000 Mitglieder hat aber 5 Busse nach Kopenhagen mit AktivistInnen gefüllt. Auch auf Utopia wollte man nach Kopenhagen fahren. In der eigens eingerichteten Gruppe gibt es 24 Mitglieder, wovon es 8 nun wirklich zum Klimagipfel geschafft haben. 8 von mehr als 50.000, das sind die Zahlen.
Während der Artikel noch Kongress-Sprecher Welzer als »ChangeMaker« identifiziert und hernach als Kritiker charakterisiert, wird ein weiteres Mal Morten Lund als Vorzeige-Unternehmer inthronisiert, der sich allerdings dieses Jahr verzockt hat und Privatinsolvenz anmelden musste.
Lesenswert sind derweil die Kommentare in denen sich auch die Meinung des ein oder anderen Ex-»Utopisten« wiederfinden.
»Klimaschutz-APO gefordert« von Peter Unfried in der taz
25.11.2009 Phrasendreschen mit satten Kommentaren
Melanie Ahlmeier interviewt Claudia Langer zur »Das neue Deutschland AG«, die namentlich an die Deutschland AG angelehnt ist, und einen reformistischen Abklatsch dieses Beziehungsnetzwerkes aus Macht und Gier darstellen soll. (Sicher hat die Utopia AG für die Namensadaption die Erlaubnis bei der gleichnamigen sozialistischen Tageszeitung Das Neue Deutschland eingeholt?) Leider hat Melanie Ahlmeier es nicht vermocht die Scheinheiligkeit der Langerschen Bemühungen vorzuführen, so dass der Artikel für die Utopia-AG eine gelungene Werbung darstellt. Allerdings sind einige der Kommentare lesenswert, wenn auch nicht alle »Argumente« in der nötigen Ausführlichkeit widerlegt werden.
»Total-Askese ist keine Lösung« Melanie Ahlemeier in der Süddeutschen Zeitung
20.11.2009 Kritik an dem Ende der Märchenstunde
In der Kritik findet das Utopia-Portal nicht einmal Erwähnung, es findet nur in einer Andeutung platz.
Dennoch sei auf die Kritik zur Kritik hingewiesen, da die Anleihe der Autorin bei Adorno hier hinterfragt wird. Ich teile die Schlussfolgerung von Neugebauer diesbezüglich nicht, der der Autorin unterstellt, sie leite aus Adorno's Aussage »Es gibt kein richtiges Leben im falschen.« eine Handlungsunfähigkeit ab, die wiederum suggeriere »›es [sei] ganz gleichgültig, wie man sein Leben gestalte‹«, jedoch: Die Philosophie über Ethik und Moral ist spannend an sich und auch der Vorwurf Neugebauers »Es gibt kein richtiges Publizieren im falschen Mediensystem.«, als Seitenhieb auf die Veröffentlichung in einem Verlag des Bertelsmann-Imperiums eröffnet durchaus den Diskurs, wo die eigene Handlungsfähigkeit aufhört oder eben beginnt.
»Hänsel und Gretl oder wie ich lernte, den LOHAS zu lieben« von Christian Neugebauer auf Glocalist.com
19.11.2009 Pro & Contra der individuellen Weltrettung
Zum Arte Spezial zum Klimagipfel in Kopenhagen werden in einem Für und Wieder zum Thema »Kann ich die Welt retten?« zwei Protagonisten zu Wort gebeten. Mit »Ja« plädiert Claudia Langer für ihr Portal Utopia, nach »Kauf Dich glücklich« und »kauf Dich geil« heißt es nun »kauf Dich frei von Deinem schlechten Gewissen«. Natürlich nicht in Wirklichkeit, nur so zum Schein reicht.
Oliver Geden, von der Stiftung Wissenschaft und Politik, hält dagegen, und wir zitieren hier verkürzt: »Klimafreundlicher Konsum schadet sicher nicht, aber er raubt Zeit und Aufmerksamkeit für die wirklich wichtigen Arenen.« Dem schließe ich mich an, und ergänze: Und deshalb ist Utopia.de kontraproduktiv.
»Kann ich die Welt retten?« von Claudia Langer und Oliver Geden auf arte.tv
08.11.2009 Märchenstunde mit Claudia Langer
Scharfzüngige Abrechnung mit Claudia Langers weichgespühltem Ablasshandel. Es wird deutlich, dass nicht der Bösartige eine Gefahr für unsere Welt ist, denn der ist berechenbar, sondern die vermeintlich gutwillige Missionarin unsere Existenz bedroht, indem sie uns Halbherzigkeiten und Willensbekundungen als ausreichend verkauft, um uns zu retten.
»Märchenstunde mit Claudia Langer: FAS-Interview über Fleisch, Fisch und Bio« von Kathrin Hartmann im Ende der Märchenstunde-Blog
11.11.2009 Fasching mit Jeanne d'Arc
Das Portal »Deutsche Startups« hat sich der ehrenrührigen Aufgabe verschrieben jeden Mittwoch Gründnerinnen vorzustellen. Ein Vorhaben, dass wir begrüßen.
Auch Claudia Langer mit ihrer Plattform www.utopia.de wird im Kreis der Erlauchten aufgenommen. Dabei wird Sie selbstverständlich als Alleinvertreterin der Aktiengesellschaft angesehen, was bei knapp 90% gehaltener Anteile durchaus sinnvoll erscheint. Frau Langer ist nicht nur medial sondern auch wirtschaftlich Utopia. Die restlichen Mitarbeiter sind, wie bei jeder Popband, austauschbar.
Der Artikel beginnt mit einer Einführung in die Namensgebung. Der Bezug zu Thomas Morus und seiner Definition von »Utopia« scheint sich dabei immer mehr für das Internetportal zu bewahrheiten. War dieses »Utopia« doch auch ein Sklavenstaat in dem eine Elite herrschte.
Es folgt einmal mehr die Schilderung des Werdegangs Claudia Langers über die Veranstaltungsagentur zur Werbeagentur, welche uns diese zitierenswürdige Aussage beschert: »Ich […] entschied mich, lieber ›Party zu machen‹.«
Die Geburt der ›Jeanne d'Arc‹ erfolgt zeitgleich mit der der eigenen Kinder. Hier erkennt Claudia Langer ›ihre heilige Pflicht‹, die freilich nicht darin besteht, wirklich etwas zu ändern, z.B. am eigenen Lebensstil, sondern darin die Kompagnons von einst zu bitten, sich in Sachen Nachhaltigkeit zu bessern. Das wird im Artikel jetzt so nicht deutlich. Vielmehr wird behauptet, die Partner-Unternehmen würden »auf Herz und Nieren geprüft«. Zumindest das Ziel Utopias nach dem Return of Investment unterstützen die Werbepartner schon.
Es bleibt bei Absichtsbekundungen durch Claudia Langer und durch die Werbepartner. Wer keine Ökobilanz vorzuweisen hat, redet eben gerne von der Zukunft.
Wir hätten uns von einem Gründerportal einen tieferen Blick in das Finanzierungsmodell der Utopia AG gewünscht.
»Gründerinnen. ›Glaubhaftigkeit ist unser wichtigstes Gut‹ – Claudia Langer von Utopia« mit Claudia Langer auf Deutsche Startups vom 11.11.2009
8.11.2009 Wenn Dummheit regiert – Claudia Langer meuchelt mit ihrem Halbwissen unsere Zukunft
Die Frankfurter Allgemeine am Sonntag lässt ihre Leser ein Thema wählen, an diesem Sonntag soll die Frage geklärt werden: »Sind Vegetarier die besseren Klimaschützer?«
Leider hat man mit der Beantwortung der Frage Claudia Langer beauftragt, die zwar darüber schwadroniert wie sehr ihr der Fleischverzicht schwer fällt, ansonsten aber nur ihren Ablasshandel propagiert.
Ein hübscher Verriss des Artikels erreicht uns noch am selben Tag und findet sich hier unter dem Titel »Märchenstunde mit Claudia Langer«.
»Ist das Klima noch zu retten ?« mit Claudia Langer in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 08.11.2009
7.11.2009 Utopia-Partner Henkel unter Beschuss
Henkels Öko-Putzmittel-Serie Terra Aktiv sollte eigentlich den geneigten LOHAS dazu bringen beim Chemie-Giganten sein Geld zu lassen. Die Produkte erreichten schnell dank dem nötigen Werbedruck einen Marktanteil von 5%.
Für die kleine Umwelt-Serie im Produktportfolio von Henkel werden vorwiegend nachwachsenden Rohstoffe genutzt, das verwendete Palmöl ist sogar zertifiziert. Eine hübsche heile Welt haben sich da die CSR-Strategen gezimmert.
Kathrin Hartmann reißt sie wie üblich ein. Sie nennt einerseits ein paar Zahlen und zerpflückt sehr gekonnt das Industriesiegel RSPO.
Hernach mag man kein Palmöl mehr konsumieren und auch kein Terra Aktiv.
»Öko-Putzmittel killt Regenwald: Protest gegen Henkel« von Kathrin Hartmann auf Ende der Märchenstunde
2.11.2009 Henkels Palmkernöl gereicht nicht einmal zum Feigenblatt
Im Artikel wird aufgezählt welche Auswirkungen das Anlegen von Ölpalm-Plantagen auf Flora und Fauna hat. Der Versuch Henkels, Palmöl in »gutes« und »schlechtes« Palmöl zu scheiden, wird als untauglich entlarvt. Das RSPO-Siegel wird einmal mehr mit Bezug auf die Greenpeace-Studie als Feigenblatt eingestuft. Zudem findet die Verwendung des hochgiftigen Herbizids Paraquat Erwähnung.
»Für das angebliche Bio-Produkt Terra-Aktiv wird Regenwald für Palmkernöl zerstört« von birdfish auf Klima-media.de
29.10.2009 Selbstgefällig, spießig, neoliberal
Ein weiteres Mal wird über Kathrin Hartmann's Buch beschrieben. Der Autor teilt einige wenngleich nicht alle Ideen, die das Buch vermittelt.
Eine fröhliche Mischung bilden die Kommentare. Vom sich angegriffen fühlenden Bio-Käufer bis zum Aldi-Fan ist alles dabei. Die Argumentationen sind dabei häufig so hahnebüchen, dass eins sicher sein darf, es braucht noch viel mehr Aufklärung.
»Lifestyle-Ökos – selbstgefällig, spießig, neoliberal?« von Gregor Tholl in Die Welt
27.10.2009 Abrechnung mit den Lifestyle-Ökos – Das Getue der Bionaden-Bourgeoisie
Ein schöner Artikel ist anlässlich von Kathrin Hartmann's Buchveröffentlichung Ende der Märchenstunde im Kölner Stadtanzeiger erschienen. Neben der oben benannten recht trefflichen Wortschöpfung, wird das Motto der neoliberalen LOHAS hübsch auf den Punkt gebracht: »Wenn jeder an sich denkt, ist an jeden gedacht.«…
»Abrechnung mit den Lifestyle-Ökos« im Kölner Stadtanzeiger
25.09.2009 Green Marketing – Schwerpunkt auf Innovationstag in München
»Wie kann man in der Anfangszeit von einem möglichen Hype profitieren?« ist die Frage, die sich die Anwesenden des Innovationstages stellen. Auch Claudia Langer referiert, über Nachhaltigkeit. Außerdem gibt es im Artikel, ganz WEB-2.0-affin, ein, zwei achauenswerte Video-Interviews zu sehen, unter anderem mit Alexander Schill, Kreativ-Geschäftsführer der Serviceplan Gruppe, über die Zukunft der Märchen-Onkel.
»Trends für Marken entdecken« in der Financial Times Deutschland
10.09.2009 Claudia Langer jongliert wieder
Claudia Langer wird zusammen mit Niedersachsens Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) vom Evangelischen Online-Magazin chrismon interviewt.
Es ist Bundestagswahl und da möchte jeder sein Scherflein zu beitragen. Warum Claudia Langer gern mit der FDP zusammen interviewt werden möchte, wird nicht erklärt, es mag am beiderseitigen Hang zum »Eigennutz« liegen.
Derweil schwadroniert Claudia Langer sinnbefreit: »Seit es uns gibt, haben sich mehr als zwei Millionen Menschen bei uns über nachhaltigen Konsum informiert.« Da frag ich mich doch gleich, ob in den 1 1/2 Jahren erst 2 Millionen Klicks erfolgt sind. Das ist eher unwahrscheinlich, also hat man mal wieder IP-Nummern gezählt. Eine derartige Logfile-Auswertung ist so simpel wie fehlsichtig, und dürfte auch die letzten Werbekunden verprellen. Konnte man doch vor kurzem beim Informationsdienst der IT-Branche, ibusiness, schon lesen, dass die TausenderKontaktpreise (kurz TKPs) im freiem Fall sind. Das liegt allerdings nicht am Überangebot sondern daran, dass der dämlichste Kunde bemerkt das Qualität doch vor Quantität kommt. In diesem Sinne herzlichen Glückwunsch zu »mehr als 2 Millionen« unqualifizierten Kontakten, Claudia Langer. Immerhin eine schöne neue Zahl bei seit Monaten stagnierenden »etwa 46.000« Nutzern. (Später wird auch noch auf 2,5 Millionen erreichte Menschen aufgerundet.)
Während Rösler über Demokratie redet, schweigt Langer, und meint später auf die Frage: Wo streiten sie denn? (anstatt im Parlament), sie habe sich eine »völlig verrückte Arena« geschaffen. Diese Aussage entbehrt bei Kenntnis der Streitkultur auf www.utopia.de nicht einer gewissen Komik.
Zwischendrin wird der Beschuss auf den Politiker durch Langer eröffnet, was sich recht lustig liest, denn der eloquente Gesprächspartner kontert.
Rösler schliest das Interview mit der Entgegnung auf Langers Unternehmer-Fürrede: »Ich möchte jedenfalls eine solche Fremdbestimmung nicht. Eine starke Gesellschaft besteht nicht nur aus starken Unternehmen, sondern aus engagierten Menschen in Vereinen, Verbänden und Stiftungen.«, und das von einem FDPler, großes Kino(!).
»Begegnungen – Claudia Langer – Philipp Rösler: An die Wahlurne oder ins Internet?« in Chrismon.de
ca. 30.07.2009 Kurzes Link-Update
»Was passiert, wenn sich herausstellt, dass man nicht eigentlich die Verwirklichung einer Utopie im Sinn hatte?« wird der kurze Beitrag eingeleitet, gefolgt von Links zu Utopia-Partner Henkel, dem Glocalist-Beitrag von Reto Stauss, seinem eigenen Blog und dem Artikel auf Politischer Konsum.
»Utopia von Langer-Hand geplant« auf Lohas.de
30.07.2009 Die Utopia-Kreditkarte – eine Milchmädchenrechnung
Eine Glosse über die neue Utopia-Kreditkarte.
»Kommerz-LOHAS und Utopia auf Politischer Konsum«
05.2009 Intenet-Portal Utopa: Der gemeinsame Traum von einer neuen Wirtschaft
in der Natur & Heilen
14.05.2009 Die Diffamierung der Latzhose
Dieses kleine Feature, anläßlich des 14. Deutschen Trendtags, hält ein paar fröhliche Fehlinterpretationen bereit.
Utopia-Vorstand Meike Gebhard meint, dass sich Utopia »von anderen sozialen Netzwerken dadurch unterscheidet, dass […] dort viele Menschen zusammenfinden die ein gemeinsames gesellschaftliches Anliegen haben.« Diese Aussage ist schlichtweg falsch, es gibt unzählige soziale Netzwerke die sich über ein gemeinsames gesellschaftliches Anliegen definieren, zudem lässt die Plattform Utopia ein gesellschaftliches Anliegen vermissen, es sei denn man definiert Einkaufen als ein solches. Als Gegenbeweis führen wir einige soziale Netzwerke mit gesellschaftlichen Anliegen an, teils mit deutlich mehr Mitgliedern, allesamt von den Mitgliedern her ein wenig aktiver als die Utopisten. Trotzdem ist es nur eine kleine Auswahl, die eine thematische Schnittmenge zu Utopia
bildet: GreenAction, bewegung.taz, Reset – for a better World, Campact, avaaz, Lobby-Control, Supermarktmacht, Rettet den Rewgenwald. Schade, dass Meike Gebhard die Konkurrenz so geflissentlich ausblendet.
»Bei uns finden sich viele, viele Menschen, die sagen: ›Ja, wir wollen was verändern, wir wollen Teil von Lösungen sein, wir wollen uns auf den Weg machen.‹«, heißt es weiter zur Plattform Utopia. Die Betonung des Wollens bringt uns sofort Francis Bacon in Erinnerung »Gute Gesinnung allein, wenngleich sie Gott wohlgefällig ist, hat für die Allgemeinheit wenig mehr Wert als gute Träume, es sei denn, dass sie in Handlungen umgesetzt werden.« Insofern passen die häufigen Wunschbekundungen zum selbstgewählten Namen Utopia.
Absichtserklärungen vermitteln zwar eine dynamische Aufbruchstimmung (zumindest den neu angeworbenen Mitgliedern), ermüden jedoch bei ständigem Repetieren schnell die Leserschaft.
Ganz nebenbei scheint hier der Werbeslogan des Utopia-Partners Entega das Licht der Welt zu erblicken (»Wir waren Teil des Problems, jetzt wollen wir Teil der Lösung sein.«)
Die von Claudia Langer eingebrachten Fragen »Wem kann ich vertrauen?«, »Wer sind die Guten?«, »Wem soll ich mein Geld geben?« interessieren viele Menschen. Ob die utopischen Betreiber eines Affiliate-Marketing-Portals, mit den dementsprechenden wirtschaftlichen Abhängigkeiten, die beste Adresse sind, um Antworten auf diese Fragen zu erhalten, darf bezweifelt werden (s.a. Artikel über den Utopia-ProduktGuide). Zudem wird die Nachhaltigkeitsdebatte auf den Konsum zurechtgestutzt, was ob der Ausrichtung der Plattform ausschließlich auf dieses Thema bedingt sein mag, auch wenn diese Fokussierung eher hinderlich sein wird fürs Weltverbessern.
»Wir sind davon überzeugt, dass Nachhaltigkeit ein langfristiger Trend ist«, erläutert Meike Gebhard weiter, wie könnte sie auch anders, auf den Trendtagen.
Leider reduziert nun gerade die Utopia AG die anstehenden Verhaltensänderungen auf den Konsum (möglichst ökokorrekter Erzeugnisse), anstatt unsere Selbstdefinition mittels des Konsums generell zu hinterfragen.
Die Utopia AG tappt in alle Fallen die in der Kritik an der Trendforschung beschrieben werden.
- der Fokus auf Konsumenten vernachlässigt die, z. B. sozialen, Rahmenbedingungen
- der Nachhaltigkeits-Trend wird journalistisch, nicht systematisch ermittelt, und forciert somit nur eine Bestätigung der eigenen projizierten Erwartungshaltung
- einzelne Beobachtungen werden gerne als zukünftige Entwicklung interpretiert, man klopft sich im Elfenbeinturm gegenseitig auf die Schulter
- das lineare Denkmodell (ökokorrekter Einkauf -> Weltrettung) erfasst die Komplexität der Gesellschaft nicht
Weiterhin attestiert Meike Gebhard es sei gelungen »das Thema Nachhaltigkeit / Öko aus dieser spassbefreiten Latzhosen-Ecke von früher wegzukriegen, sondern dass es wirklich in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.«
Hieraus ergeben sich zwei Fragen. Warum hält Frau Gebhard die Latzhosen-Ecke, womit wohl die Ökos gemeint sind, die bereits vor 20, 40 oder auch 100 Jahren schon mal angefangen haben, für spassbefreit?
Sie kennt keine Ökos, die ihr politisches Verständnis, schon in Jugendjahren, und nicht erst – wie man selbst(?) – in der Midlife-Crises, ausbildeten. Ein Leben ohne Konsumrausch scheint ihr einfach suspekt. Dieses Vorurteil wird dann in der Diffamierung »Latzhose« postuliert. Dabei trug Galionsfigur Peter Lustig, neben der Latzhose, den Spass sogar im Namen. Nun sind sicherlich nicht alle Latzhosenträger Ökos und schon gar nicht spassbefreit. Tausende deutsche Handwerker werden hier ebenso abgestempelt wie Klementine, die sich wahrscheinlich im Grabe umdreht.
Umetikettieren von Öko-Aktivisten der ersten Stunde zu bitterernsten Fundamentalisten hat dabei Methode. Nur in einer grenzdebilen Halli-Galli-Atmosphäre lässt sich schmerzbefreit dem Konsumrausch frönen. Deshalb muss der Spass als Metapher für den Einkauf besetzt werden was nur gelingen kann, wenn man allen anderen Genüssen den Spass abspenstig macht.
Demnach darf ein nachhaltiger Lebensstil ohne Konsum keinen Spass machen und ist allen alternierenden Lebensentwürfen fernab vom Konsumieren der Spass und die Lebenslust abzusprechen.
Wer jetzt dafür gesorgt hat, dass das Thema Nachhaltigkeit in der Mitte der Gesellschaft, zu der sich Meike Gebhard sicherlich zählt, angekommen ist, das ist dann die zweite Frage. Rein rhetorisch. Es waren die spassbefreiten Latzhosen, die den Boden bereitet haben für die neoliberalen Trittbrettfahrer die ihr, nun grünes, Mäntelchen allzu gerne nach dem Wind hängen.
»utopia.de auf dem 14. Deutschen Trendtag 2009« auf freshmilk
13.05.2009 Über Anhängerschaft und Communities – die Illusion Utopia
Ein wieder sehr eloquenter Artikel über das Ende der Konsumgesellschaft, die Unterschiede zwischen Community und Anhängerschaft und die wirtschaftliche Abhängigkeit der Utopia-Macher.
»Über Anhängerschaft und Communities - die Illusion Utopia« von Reto Stauss auf Glocalist
22.04.2009 Zum Beispiel Konsum: Lohas werden die Welt nicht retten
Der Titel faßt es trefflich zusammen. Unnötig zu erwähnen, dass die gesamte Reihe von Klaus Werner-Lobo lesenswert ist.
»Zum Beispiel Konsum: Lohas werden die Welt nicht retten« von Klaus-Werner-Lobo auf jetzt.de (Süddeutsche Zeitung)
29.03.2009 Die ökokorrekte Strategin
Die FAZ beleuchtet ein wenig den Werdegang von Claudia Langer, stellt die Unternehmung Utopia AG vor, und schließt mit den Protesten auf der Plattform.
»Die ökokorrekte Strategin« von Birgit Obermeier in der FAZ
20.03.2009 Können LOHAS mit »bio« Schaden anrichten?
Beinhaltet lediglich einen Verweis auf die Diskussion auf Nachhaltig beobachtet und besticht ansonsten durch eine recht umfangreiche Link-Liste.
»Können LOHAS mit »bio« Schaden anrichten?« auf Umgebungsgedanken
16.03.2009 Utopisches Missverständnis…
Jan Schoenmakers schreibt als Nachwehe auf den »Utopia in der Krise«-Beitrag eine Gegendarstellung.
Inwieweit ein von der Industrie finanzierter Konsumratgeber als Ratgeber taugt wird dabei nicht vertieft.
Entgegen seiner Behauptung kann in Foren und Gruppen der Plattform Utopia nicht wirklich frei diskutiert werden, dass kriegen einige Nutzer immer wieder mal zu spüren.
Der von ihm als »exzellente[r] Artikel zu Atomdelikten« eingestufte Beitrag, stammt nicht aus der Feder von den Mitarbeitern der Utopia AG sondern von einem Nutzer, dies schmälert natürlich nicht die Qualität des Beitrags (eher im Gegenteil), lässt sich aber auch nicht wirklich als Vorteil für die Utopia AG verkaufen.
Ob die »meisten Utopisten auf Utopia das finden, was sie erwarten« bleibt auch fraglich, der gerade als vortrefflich ins Feld geführte Beitrag stammt von einem Nutzer der sich in den letzten acht Monaten nur noch zweimal blicken ließ.
»Utopisches Missverständnis…« von Jan Schoenmakers auf oekostromschlaege.blog.de
15.03.2009 Diskussion zu utopia bei nachhaltig beobachtet
Weitere Kommentare als Reaktion auf den Artikel von Reto Stauss.
Diskussion zu Utopia bei nachhaltig beobachtet auf faircustomer.com
12.03.2009 Utopia in der Krise?
Krisenbetrachtung von Reto Staus, der konstatiert: »Ziel war es nie, eine lebendige, eigenmotiviert und heterogen handelnde Gemeinschaft zu bilden.« In seiner konstruktiven Art unterbreitet er sogleich Vorschläge wie man in Sachen Transparenz, Entscheidungsfindung, Authentizität und beim Geschäftsmodell deutliche Verbesserungen erwirken könnte. Aus den rmannigfaltigen Kommentaren löst sich eine umfangreiche Stellungnahme durch Claudia Langer heraus, die hier, außerhalb von Utopia, versucht die Wogen zu glätten ohne jedoch die Verbesserungsvorschläge aufzunehmen. Dafür und für die fehlende Auseinandersetzung auf der Plattform selbst gibt es dann auch sogleich Schelte.
Utopia in der Krise?! von Reto Stauss auf nachhaltigbeobachtet.ch
01.03.2009 Lohas: Öko-Hedonisten oder mehr?
Claudia Langer wird vom ZDF interviewt und gerät ins Straucheln (bei Minute 3), als das Gespräch auf die Hartz IV-Empfänger schwenkt, wohl wissend, dass die Mutter mit drei Kindern die auf Hartz IV läuft, ihren Kleinen wohl kaum eine ökokorrekte Ernährung zusichern können wird. Langer kriegt die Kurve aber noch und findet ein anderes Beispiel, das bei mir gleichsam auf Unbehagen trifft. Schuhe nicht bei Deichmann kaufen sondern ein anständiges Paar alle drei Jahre… Nennt mich konservativ, aber ich hätt gern ein Paar von der Wiege bis zur Bahre, und im Cradle-to-Cradle-Design. Den Frauen sei aber durchaus ein Mehr an Schuhen zugestanden ;-).
Der recht ruppige Beitrag im ZDF endet mit einem Besuch im Untergeschoß der Utopia-Zentrale in Bestlage (München Solln), wo die eigenständige Entwicklungsabteilung von Utopia ordentich vermüllt haust, es sieht aus wie bei Hempels unterm Sofa. Meine Lieben, wenn sich ein Fernsehteam ankündigt, darf man ruhig noch mal durchwischen. Und liebe Utopianer in München, kocht doch einmal am Tag und ladet die ProgrammiererInnen zum Tafeln ein, auf dass sie nicht ständig diesen Fastfood-Dreck in sich reinschaufeln müssen.
»Lohas: Öko-Hedonisten oder mehr?« im ZDF
03.02.2009 Henkel, Terra Activ und Social Web
Eine kurze Kritik zu Henkel und ein Link auf die Terra Activ-Projektseite, die wiederum einen schönen Einblick gibt wie soziale Netzwerke infiltriert und instrumentalisiert werden.
»Henkel neuer Premium-Partner der Utopisten« von Peter Parvan auf Lohas Lifestyle
03.02.2009 Die verpuffte Übernahme
Dementi seitens Burda, ob der Ankündigung von Utopia, wonach Inhalte von »Ivy-World« auf Utopia.de überführt würden.
»Brüder im Geiste, Utopia.de wärmt Ivy-World-Artikel auf« auf Kress Der Mediendienst
27.10.2008 Feigenblatt Utopia
Der Utopia-Award wird als Greenwashing-Preis entlarvt, nicht ob der Preisträger, sondern ob der Sponsoren. Parallel gibt es einen Verweis auf den Clap-Club der Frau Langer wohl einst seinerseits zu den 20 unwichtigsten deutschen Medienmachern gezählt hatte.
»Feigenblatt Utopia« von Dorin Popa im Tivoli-Blog
04.07.2008 Hamster mit Dynamo
»Nehmen wir mal an, dass die beiden Prämissen stimmen. … Die Ratschläge von Utopia.de hätten keinen messbaren Einfluss auf den Planeten. Sie verstärken lediglich das ängstliche Lebensgefühl einer Generation …«
»Hamster mit Dynamo« von Maxeiner & Miersch in Die Welt
11.04.2008 Utopia auf Mitgliederfang
In der Kurzmeldung wird eine Ökostrom-Aktion der Utopia AG vorgestellt. Bei »Ökostrom jetzt!« sollen 10.000 ermuntert werden zu Ökostrom zu wechseln, damals noch zu den vier »echten« Ökostromanbietern. Da die Utopia-Community allerdings erst 13.000 Mitglieder zählt, kann man von einer Werbeaktion für die eigene Plattform sprechen. Demzufolge darf ein Anreiz nicht fehlen:
Wer sich auf utopia.de als Utopist registriert und kräftig Wechselwilige wirbt, kann außerdem attraktive Preise gewinnen. Die 20 erfolgreichsten Ökostrom-Werber werden mit Gutscheinen der Utopia-Partner … belohnt. Unter allen Teilnehmern der Empfehlungsaktion wird außerdem eine Wertschrift für eine nachhaltige Geldanlage in Höhe von 5.000 Euro verlost. …
»›Ökostrom Jetzt!‹ – Deutschlands größte Wechselaktion zu sauberem Strom mit www.utopia.de« auf Deutschflüsterer
01.02.2008 Klicken, kaufen, Welt verändern
Eine PR-Glanzleistung der Utopia AG, 7-seitiges Special in der Natur + Kosmos
»Klicken, kaufen, Welt verändern« in natur + kosmos (als PDF-Download)
ca. 01.2008 Die Grüne Tomate
Damals, als Bürgerbeteiligung auf www.utopia.de zumindest noch geduldet wurde, gab es einen von Nutzern initierten und vergebenen Greenwashing-Preis. Mit dem Mausern zur Greenwashing-Plattform wurde dies obsolet. Im Artikel findet der Preis noch Erwähnung.
»Zu grün, um wahr zu sein« in Schrot & Korn
25.01.2008 Ist fairdo das bessere Utopia?
Eine kurze Vorstellung der Netzwerkplattform fairdo
»Ist fairdo das bessere Utopia?« von Reto Stauss auf nachhaltigbeobachtet.ch
14.01.2008 »Vernetzen, vernetzen - aber: vernetzen mit den richtigen Leuten!«
Claudia Langer wird während dem Vision Summit 2008, auf der Treppe vom Forum-csr.tv abgepasst. Den ersten Hänger hat sie als der Interviewer beim Thema Finanzierung und Geldverdienen das Interesse verliert. Außerdem verrät sie, dass viele nicht mehr daran glauben das Abzocke der richtige Weg ist Geschäfte zu betreiben. (Glückwunsch zu dieser späten Einsicht.) Es folgt der ominöse Ruf nach Quantität: »Mir ist es eigentlicht wurscht, sie können machen was sie wollen, Hauptsache möglichst viele Leute machen in möglichst kurzer Zeit möglichst viel.«
Claudia Langer im Gespräch mit Fritz Lietsch für forum-csr.tv
05.01.2008 Reicht Shopping um die Welt zu verbessern?
Während Daniel Überall über die Werbeeinnahmen von Henkel und Co. referiert ist sein Vorredner recht interessant. Christian Noll denkt laut über Lohas und strategisches Einkaufen nach.
Podcast vom 05. Januar 2008 mit Daniel Überall (44:36) und Christian Noll (35:02) (Lustiger weise trennt die beiden ein Song von Saul Williams »Scared Money«) auf Spreeblick
NEU 01.2008 Deutsche Sprache, wahre Sprache
In einer Kurzvorstellung des Ökoistituts wird Claudia Langer als engagiert inszeniert. Glaubt man den Headlines, dann ob ihres ökokorrekten Konsums.
Tief blicken lässt ihre Aussage zur eigenen Community. Utopia.de »soll Orientierung und Austausch für alle bieten, die denken, ›Man müsste etwas tun!‹«. Der Konjunktiv II findet hier mit Bedacht Verwendung. Nicht die Aktivisten, engagierten Bürger, sind für das Greenwashing-Portal interessant, sondern jene die gerne das Gefühl hätten sie wären aktiv. Das gleiche gilt für die Finanziers des Portals, zumeist Firmen die astreines Astroturfing betreiben. So streicht man den Elfenbeinturm von innen und außen Grün an, und gefällt sich dabei sehr.
Doch ein weiterer Umstand macht diesen kurzen Artikel für die Nachwelt erhaltenswürdig.
Als
Grund für ihren Ausstieg aus dem Werber-Geschäft mit ihrer Agenur
start und den Einstieg, nun ja, in das Werbegeschäft mit der Utopia AG
führt Claudia Langer an
»Ich habe in einer Werbepräsentation versucht, einem Energieversorger die Atomenergie auszureden – das fanden die einfach nur süß.«
Unverständlich warum Sie dieses anscheinend erfolglose Konzept mit der Utopia AG weiter verfolgt.
Engagiert von kh in oeko@work Januar 2008
23.11.2007 Vernichtender Kommentar
Eigentlich geht es im Beitrag um die Dünnbrettbohrer vom »Öko«-Portal Ivy-World, in den Pressespiegel findet der Artikel ob des Kommentars von Stefan Kurt über das Utopia-Portal:
»Ganz im Gegensatz zu Ihnen, Herr Knüwer, finde ich die Textqualität dort überhaupt nicht überzeugend. Ich weiß auch nicht, inwiefern ich den Produktempfehlungen dort trauen kann. Das wirkt auf mich alles sehr banal und peinlich. Das gleiche gilt für die Themen. Generell ist mir die Seite nicht zugänglich geworden. Die Registrierung habe ich allerdings nach dem Lesen der AGB abgebrochen.«
»›Ivy World‹: Bezirksliga statt Ivy League« von Thomas Knüwer im Handelsblatt
19.11.2007 Gegenwind von Anfang an
Dieser frühe Artikel enthält noch ein paar Freud’sche Fehlinterpretationen. Schon der Titel »Wikipedia für ethischen Konsum« ist rückblickend als fehlerhaft anzusehen. Das Wiki-Prinzip definiert die verteilte Wissensgenerierung und den Aufbau eines Lexikons mit Moderation durch die Nutzer. Weder dem Wissensaufbau durch die Nutzer noch dem solidarischen Moderieren der Inhalte wird bei Utopia Rechnung getragen. Auch das Schreiben von persönlichen Blogs mit vereinzelten Informationen hat nichts mit dem Wiki-Prinzip zu tun. Zudem werden die Produkte (im ProduktGuide) nicht von den Nutzern eingestellt sondern von den Werbepartnern.
Auch glaubt Claudia Langer wohl kaum an »die Revolution von unten«, sondern vielmehr an die Reformierung von oben, sieht man sich die, häufig devote, Anbiederung an Branchenriesen an.
Immerhin ist der Verweis auf den Label-Wald und Zertifikate-Dschungel immer noch aktuell, auch wenn der neue Utopia-Partner REWE da sein Scherflein zu beiträgt.
Auch die Floskel »Öko ist kein Verzicht. Öko ist sexy!« wird weiter so von Utopia vertreten, denn Verhaltensänderungen wären schlecht für’s Geschäft. Ein bisschen Nachhilfe über die Bedeutung des Begriffs Ökologie einerseits und in Sachen Verhaltenspsychologie andererseits könnten hier Wunder wirken.
Schön an diesen frühen Interviews mit Claudia Langer sind die Rückblicke in die seelenlose Vergangenheit der Werberin die immer wieder vortreffliche Zitate liefern, wie z.B. »dass sie damals in die Werbung gegangen sei, um nicht mehr über die Katastrophen der Welt nachdenken zu müssen«.
Wie üblich lässt die Journalistin kein gutes Haar an den Texten auf der Plattform. »Denn die Utopia-Texte über Turnschuhe und Joghurts sind bislang in einem solchen Werbesprech formuliert ("Ein Traum aus Mango und Vanille"), dass die Seite an Authentizität verliert.«
Infolge wird die Nähe zu den Werbepartnern aufgegriffen. »Dass das Portal bislang auf Unterstützung von Unternehmen angewiesen ist, sieht Langer nicht als Problem.« Wobei uns lediglich die Formulierung »bislang« irritiert, ist das Finanzierungskonzept von Utopia doch integrales Bestandteil der Unternehmenspolitik der Utopia AG. Der im Artikel geäußerte Zweifel an der Glaubwürdigkeit kulmuliert zum Schluß. »Glaubwürdig […] will Claudia Langer unbedingt sein.« und weiter »Eigentlich, sagt sie, wollte sie eine Stiftung gründen. Das Geldeintreiben habe sich aber als sehr mühselig herausgestellt.« Zumindest im Umgang mit »mühseligen« Aufgaben wird Glaubwürdigkeit erreicht.
»Wikipedia für ethischen Konsum« von Nicole Basel in der taz
14.11.2007 Ein paar kritische Worte zu Utopia.de und Ivyworld.de
Claudia Troßmann begegnet der Verwurstung von »usergenerated Content« und allzu freizügig formulierten AGBs schon beim Start von www.utopia.de mit Skepzis.
Auch die Kommentare sind lesenswert, so textet Helmut Hagemann treffsicher »Wir erleben den Ausbruch der Ökoprodukte aus der Nische. Da wundert es nicht, dass pfiffige Geschäftsleute mit dabei sind.«
»Ein paar kritische Worte zu Utopia.de und Ivyworld.de« von Claudia Troßmann auf Transmoderne
11.11.2007 Utopia.de - Konsumentenmacht für eine bessere Welt
Während Martin Hoffmann ein recht positives Bild der neu aus dem Boden gestampften Plattform www.utopia.de zeichnet, hören sich die Kommentare im Blog schon wesentlich kritischer an. Schon damals fasst Robsen die meisten Kritikpunkte zusammen »Otto Versand, AGBs, Usability und vor allem dieser überadene Flash-Header sowie die (sorry) miese Qualität der Texte machen wenig Lust auf mehr.«
»Utopia.de - Konsumentenmacht für eine bessere Welt« von Martin Hoffmann auf elfenwald.org
08.11.2007 »Spaß & Glamour«
»Öko war Antikapitalismus, Öko war Verzicht.« Jetzt gibt es »Biowasser mit drei Spritzern der unbehandelten Zitrone«. Die Marschrichtung ist klar vorgegeben.
Der Artikel stellt im folgenden das Portal Utopia, die Gründerin Claudia Langer und ihren Anspruch kurz vor. »Wir sind kein Greenwashing-Portal.« Wer's glaubt.
»Die Grüne Utopie« von Mirjam Hauck in Süddeutsche Zeitung
16.09.07/11.11.2007 Eine Krake erblickt das Licht der Welt
Die allererste Meldung über Utopia aus der Blogwelt. Hier spielt noch Ehemann Wöltje mit seiner Öko-Fastfoodkette die erste Geige. Öko-Fastfood-Kette, da muss man auch erstmal drauf kommen, was uns den rasanten Aufstieg und tiefen Fall der Gorillas in Erinnerung ruft.
Zur Utopia-Gründerin Claudia Langer heißt es von ihr selbst »Ich bin kein Gutmensch, ich will Geld verdienen. Nur eilt das nicht.«
»Wöltje wird Wirt« von Dorin Popa auf dem Tivoli-Blog


