denkanstoesse?
Einweg-PR-Kanal oder Diskussionsplattform?
Der PR-Kanal des Utopia-Partners und Energieanbieters Entega/HSE heißt »denkanstoesse« und wurde mit einer »Schneemann-Demo« Anfang 2010 eingeführt.
Zu Beginn ödete der Facebook- und Twitter-Account einen mit grenzwertigen fiktiven Gesprächen zwischen Fabrizio Föhn und Schneemann Akkilokipok an, in denen man hauptsächlich Eigenwerbung betrieb:
Akkilokipok Schneemann: »Für uns Schneemänner ist es auch noch nicht zu spät! Bitte helft uns, kommt alle zur Schneemann-Demo!«
Antwort von Fabrizio Föhn: »PictureReport hat schöne Bilder von der Demo!«
Nach Abschluss der PR-Aktion gerieten die Werbetexter kurzzeitig ins Schwimmen und überschwemmten die werte Leserschaft mit inhaltsleeren Wettermeldungen:
Fabrizio Föhn: »Von Südwesten her ziehen Schnee und Regen über Deutschland. Schirm mitnehmen!«
Mittlerweile tickert denkanstoesse vornehmlich Neuigkeiten zum Thema regenerative Energien. Das hat gleich zwei Vorteile, denkanstoesse muss keine eigenen Inhalte generieren, denn man kolportiert die Nachrichten anderer, und kann sich im grünen Schein von Greenpeace & Co. sonnen. Gleichzeitig wird vermittelt, man sei ein vollwertiges Mitglied der Umwelt/Nachhaltigkeits-Bewegung, in deren Kontext man sich selbst gesetzt hat.
Problematisch wird das Ganze nur, wenn die Fremd-Meldungen den eigenen Anspruch übertrumpfen. So geschehen bei der Meldung:
denkanstösse: »McKinsey-Studie zeigt: 100 Prozent Strom aus Erneuerbaren Energien sind bis 2050 möglich, sicher und preiswert.«
Eine gute Nachricht. Noch dazu, da in der McKinsey-Studie mit den recht konservativen Zahlen der Energieerzeuger gerechnet wird.
Allerdings bleibt die HSE/Entega anscheinend hinter diesen Prognosen zurück. Grund genug nachzufragen:
»Wie verschränkt sich das mit der eigenen Firmenpolitik, nach der »in 50
Jahren [2060] vielleicht schon 60-70 %« der Energieproduktion mit
erneuerbaren Energien abgedeckt werden könnten? Da fehlen doch
mindestens 30-40%.«
http://www.youtube.com/watch?v=vCDq3ZEh9Bc
(so bei 1:20)
(In dem Firmenporträt werden die erwähnten Zahlen von Holger Mayer, Vorstand bei HSE sowie Entega, benannt.)
Die Antwort folgt auf dem Fuße:
denkanstösse: »Hallo André, vielen Dank für deinen
Kommentar! 2009 hatten die erneuerbaren Energien einen Anteil von gut 10 Prozent am deutschen Endenergieverbrauch. Beim Stromverbrauch waren es dagegen schon 16,1 Prozent. Diese beiden Bereiche muss man also unterscheiden - und die McKinsey-Studie bezieht sich auf Strom, nicht auf den Gesamtverbrauch.«
http://www.erneuerbare-energien.de/inhalt/45805/4590/...
Folgt man den Angaben im oben angegeben Link, stellen, neben der
Stromerzeugung, Kraftstoffe und Wärmebereitstellung einen wesentlichen
Faktor beim Energieverbrauch dar (allerdings hat wer beim
Tortendiagramm-Erstellen geschlafen).
Die McKinsey-Studie bezieht sich auf den möglichen Anteil der Stromerzeugung durch regenerative Energien. Das Werbevideo der HSE und somit die Aussagen von Holger Mayer allerdings auch. Oder nicht?
Folgt man der Argumentation von denkanstoesse, lässt das die Interpretation zu es fehle die Fernwärme in der Rechnung Holger Mayers, (die HSE macht zu 90% in Gas). Das würde bedeuten, dass der Ökostromanteil im Strommix der HSE 2060 sogar höher liegen würde als bei den von Holger Mayer prognostizierten 60-70% (laut denkanstoesse ist der Anteil an erneuerbaren Energien am Stromverbrauch höher als der am Gesamtenergieverbrauch). Ein Grund zum Feiern, würde sich da nicht ein winziger Zweifel regen. Wie sollte die HSE das in 50 Jahren auf die Beine stellen. Gerade hat man über ein Milliarde investiert, um die regenerative Energieproduktion um 10% aufzustocken. Das wird man sicher nicht in diesem Umfang fortführen können, jedenfalls nicht bei (nur) rund 40 Millionen Gewinn jährlich, von denen auch noch 16 Millionen an die E.ON abgezwackt werden müssen (Quelle: denkanstoesse, bei 1:45).
Oder wird in dem HSE-Werbefilm mit Floskeln um sich geworfen und es handelt sich bei »unserem Energiebedarf« gar nicht um den Energiebedarf der HSE und ihrer Kunden? Wir fragen nach:
»Das angesprochene Zitat von Holger Mayer (HSE/entega-Vorstand) aus dem Film »Mit grünem Strom an die Spitze« bezieht sich also nicht auf die Stromproduktion der HSE? Wie sieht dann die Prognose für 2050 bezüglich der Stromproduktion der HSE aus?«
Eine direkte Antwort erhalten wir nicht, werden stattdessen an eine Hotline oder (wie lustig) als Betreiber des Utopia-Watchblogs ausgerechnet an einen weiteren PR-Kanal der Entega auf der Plattform Utopia verwiesen. So kann denkanstoesse Dialogbereitschaft kommunizieren ohne in einen Dialog treten zu müssen (Wir haben allerdings keine Lust mehr auf den Gang durch die Institutionen, harrt unsere letzte, vor zwei Monaten gestellte Anfrage doch noch der Beantwortung).
denkanstösse: Hallo André, ich bitte dich um Verständnis, dass ich nicht für Herrn Mayer sprechen kann. Für Fragen zu ENTEGA gibt es eine Hotline (0800 7800777) und ein Blog bei Utopia: http://www.utopia.de/company/33/tab/201
Für unser
Denkanstöße-Team kann ich aber sagen: Wir arbeiten alle jeden Tag fleißig daran, die Energiewende voranzubringen. Und das ist doch eine gute Sache, oder?
Beste Grüße, Mathias
Dass man nicht für Herrn Mayer persönlich sprechen kann, noch muss, ist sicherlich verständlich. Doch warum kann man mir nicht schlicht die Zahlen mitteilen, nach denen ich fragte? Der Verweis auf andere Quellen lässt vermuten, dass denkanstoesse dazu nicht befähigt oder nicht autorisiert ist. Den Wahrheitsgehalt unserer Befürchtung müssen wir eruieren:
Da denkanstösse ein PR-Kanal der Entega ist, könnt ihr vielleicht nicht
für Herrn Mayer selbst sprechen, aber sicherlich doch für das
Unternehmen.
Oder ist das Projekt komplett an eine PR-Agentur
ausgelagert und ihr habt gar keinen Bezug zu dem Unternehmen für das ihr
Öffentlichkeitsarbeit betreibt?
Wie arbeitet, in dem Fall, dass
Denkanstöße-Team daran die Energiewende voran zu bringen? (Ökostrom kann
man ja mittlerweile sogar bei der Post kaufen.)
Eine Bestätigung bleibt aus. Keine Antwort ist jedoch auch eine Antwort. Zugegebener Maßen wirkt der Nachsatz wie eine Ohrfeige. Aber wozu benötigt man einen Kommunikationskanal eines Unternehmens wenn darüber nicht kommuniziert werden soll? Hatten wir noch gehofft das denkanstoesse, Social Media-mäßig, ein Versuch zum Dialog mit der potentiellen Kundschaft sei, müssen wir nun einsehen, dass es sich um ein weiteres Ein-Kanal-Medium handelt, in dem den lieben langen Tag Muzak dudelt. Man möchte vielleicht Denkanstöße verteilen aber um Himmelswillen keine bekommen. Monolog statt Dialog. Penetration der Massen, nur mit hipperen, wenn auch geliehenen Inhalten. An der Grundeinstellung hat sich noch nichts geändert.
Doch es gibt Hoffnung. Hieß der Claim von denkanstoesse im Februar noch:
»Wir waren Teil des Problems, jetzt wollen wir Teil der Lösung sein.«,
ist man diesbezüglich mittlerweile zurück gerudert und gibt sich reservierter:
»Wir waren lange Zeit ein Teil des Problems. Aber wir wollen ein Teil der Lösung werden.«
Vielleicht heißt es ja bald richtig:
»Wir sind das Problem. Wir wollen Teil der Lösung werden.«

