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Claudia Langer will Pferde stehlen

Ökokapitalismus goes Subversion

Gerade läuft es durch den Newsticker: Claudia Langer, Chefin der Utopia AG, sucht kostenfreie Hilfskräfte für das Plakatieren im Raum Frankfurt/Main.
Nun gibt es für das Plakatieren an Litfaßsäulen und Haltestellen und dafür ausgeschriebenen Flächen natürlich »Inhaber« die derlei gegen eine Mietgebühr zur Verfügung stellen und dergleichen kann auch von professionellen Plakateuren bestückt werden.

Soziale Netzwerke ausnutzen

Wie ist ein Aufruf, wie der von Claudia Langer, in diesem Zusammenhang zu verstehen.
Geht der Utopia AG das Geld aus, um sich professioneller Hilfe in Sachen Eigenwerbung zu versichern?
Oder ist dies ein weiterer Versuch im Sinne eines obama'schen Sozialen Netzwerks, »das Volk zu mobilisieren«?
Im Zweiten Fall fehlt (wiedereinmal) das Grundverständnis für Networking, dass ein Stück weit aus Interessenausgleich und vor allem aus Teilhabe besteht.
Während der Interessenausgleich aus Sicht der Utopianer, sicherlich darin besteht, für die nicht weiter benannte »gute Sache« einzustehen, ist genau die Nichtbenennung eben dieser »Sache« Ausdruck einer missionarischen Selbstüberschätzung und eben der fehlenden Teilhabe der angefragten Helferinnen und Helfer.
Der Frage: »Wer kennt Menschen in Frankfurt, mit denen man Pferde stehlen und Plakate kleben kann?« mangelt es indes an Informationen dieser Art. Für wen oder was sollen die Menschen denn plakatieren gehen? Die oberste Heeresführung hält es anscheinend nicht für notwendig das Fußvolk einzuweihen, solange sich nur wer für die niederen Arbeiten findet.

Plakate und ihre Haftbarkeit

Nun ist das wilde Plakatieren strafbar, wenn der Vorwurf der Sachbeschädigung greift, daneben kommen Ordnungswidriegkeiten mit entsprechenden Bußgeldern zum tragen, ganz zu schweigen von Kosten für die rückstandslose Entfernung, die, sollte man das nicht selbst auf die Reihe kriegen, von einem entsprechend teuren Fachbetrieb ausgeführt wird.
Das alles natürlich nur wenn man sich erwischen lässt, wobei »erwischen lassen« nicht einfach »auf frischer Tat erwischen lassen« heißen muß. Denn wenn ein Verantwortlicher im Sinne des Presserechts benannt ist oder eine Firma als Absender gelten kann, halten sich die Ordnungshüter mit ihren Forderungen an den. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn der Absender die Utopia AG ist.
Allerdings frage ich mich schon ob die AG auch die Bußgelder übernimmt, die auf das oben erwähnte Fußvolk ausgestellt werden könnten.
Während Claudia Langer, erneut unbedarft aber mit gutem Willen, zur Tat schreitet und im weit gefassten Sinn zum Begehen einer Straftat einlädt, gibt die Neue Rechte ihrem Fußvolk ordentlich Rechts-Nachhilfe in Sachen wildes Plakatieren (da möchten wir jetzt allerdings nicht drauf verlinken). In der politischen Linken sind die Regeln ebenfalls bekannt und man benötigt anscheinend keinen Katechismus in Sachen Plakatieren, trotzdem gibt der EA-Frakfurt einen kurzen Überblick über die Rechtslage. Zudem findet sich ein schöner Austausch über Plakatgestaltung z.B. beim Weblog Politisches Plakat.

Die Welle der Adaptionen

commercial ogo graffiti with with critical comment

Gestaltungselemente der als hip und sexy angesehenen Bevölkerungsgruppen werden herausgelöst und kommerzialisiert. Das war so beim Sinnbild für Freiheitsdrang, dem Malboro-Mann, und bleibt so bei Nike's »Street Style«.
Neben den Verheißungen der Werbebotschaften werden nun auch die Produkte an die (Pseudo-) Bedürfnisse der Menschen angepasst. (Immerhin hat man Marketing jetzt begriffen). Dass man dabei der Absatzformel treu bleibt und im Prinzip lediglich eine Pseudo-Individualisierung betreibt, um die gleichen ollen Kamellen einmal mehr unter's Volk zu bringen ist eine andere Baustelle.

Neuester, wenn auch nicht mehr ganz so neuer Auswuchs, des Wolfs im Schafspelz, ist das Imitieren von Verhaltensweisen, in unserem Fall, dem Verhalten der Do-It-Yourself-Bewegung, und dem Versuch derartige soziale Strategien zu kopieren und zu instrumentalisieren. Allerdings wirkt das »man lässt es nicht machen – man macht es selbst« im Falle der Plakat-Aktion der Utopia AG wieder irgendwie verdreht.
Das Spiel mit der Subversion hat der Kapitalismus nun auch entdeckt, nach der extremen Rechten, die mit ihren »Autonomen Nationalisten« linke Aktionsformen imitiert, nicht verwunderlich.
Man hat halt immernoch ein Gespür für Trends und setzt sich gern die Maske auf.

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