BP und Utopia – ein Nachruf
Die merkwürdige Freund-Feind Kennung der Utopia AG.
Utopia und BP
BP war ein Jahr lang Vertragspartner der Utopia AG. Der Vertrag lief im März 2010 aus, und umfasste ein Firmenprofil der Deutschen BP, auf dem diese ihre Pressemitteilungen veröffentlichte. Die Utopia AG ließ das Unternehmensprofil der Deutschen BP AG nach Vertragsende weiter bestehen, wohl in der Hoffnung auf eine Verlängerung des Werbevertrages und insbesondere in der Hoffnung einer Ausweitung der finanziellen Zuwendungen. Doch im April kreuzte eine Ölkatastrophe diesen Plan.
(die farbigen Hervorhebungen sind dem Webarchiv geschuldet).
Neben der Firmenpräsenz der Deutschen BP, wurde von Utopia eine Förder-Partnerschaft mit der BP Solar GmbH ausgewiesen.
BP oder BP Solar?
Während das Unternehmensprofil den Mutterkonzern Deutsche BP AG beherbergte, wurde auf der Website, welche die Förderer der Utopia AG benannte, das Logo der Tochter BP Solar eingeblendet. Die gleichzeitige Erwähnung der Deutsche BP und des Tochterunternehmens BP Solar irritierte denn auch die Nutzer der Plattform. So fragte Nutzer Boris1984 mit wem Utopia nun verbandelt ist, mit BP oder BP Solar – ohne eine Antwort zu erhalten.
Um dies zu eruieren, riefen wir BP Solar an und erhielten von Ludmila Fuhrmann, Press Officer Nordeuropa, die Auskunft:
»BP Solar hat die Utopia AG nie gefördert.«
Dem entgegen hielt Werner Stickler, Community Manager der Utopia AG, an seiner Meinung fest, eine Förderung sei von der BP Solar erfolgt. Wir baten ihn deshalb, mehrmals, diese Behauptung schriftlich zu belegen. Ein Antwort erhielten wir nicht.
Zwischenzeitlich haben wir in Meike Gebhard’s Blog, Vorstand Utopia AG, folgendes Zitat gefunden: »BP ist seit einem Jahr auf Utopia mit einem kleinen Unternehmensprofil vertreten und zählt insofern zum Kreis der ›Förderer‹.«
Wir halten uns deshalb weiter an die Aussage von BP Solar, da wir keinen Grund haben, diese in Zweifel zu ziehen.
Beyond(?) Petroleum (BP)
BP macht in Öl, hat in Öl gemacht und wird in Öl machen.
BP macht Profit. Auf kosten von Menschen. Auf Kosten der Umwelt.
Der
Nettogewinn lag 2009 bei nur 14,58 Milliarden Dollar.
Bei der Katastrophe im Golf von Mexiko wurden 17 Menschen schwer verletzt, 11 sind umgekommen.
Die Folgen für die Umwelt, die fehlende Sicherungsmaßnahmen, die ausgesetzten Sicherheitsauflagen durch die US-Regierung, dies alles wurde hinlänglich durch die Presse kolportiert.
Kein Zweifel bleibt, dass die Kosten einer Umweltkatastrophe, mit dem möglichen Profit verrechnet, in Kauf genommen wurden und werden. Kurz nach der Katastrophe im Golf von Mexiko wurden von BP weitere Tiefseebohrungen beantragt, und auch ins lukrative Öl-Sand-Geschäft will man einsteigen.
Dies alles geschieht jedoch nach der Lösung der BP von Utopia.
Kurzsichtig könnte man meinen, die Utopia AG habe bei Vertragsunterzeichnung von derlei noch nichts wissen können.
Schauen wir uns in die Geschichte der BP ein wenig um, eine Recherche die auch der Utopia AG zuzumuten gewesen wäre. Da der Jahresvertrag mit der BP im März 2010 auslief, setzen wir vor dem März 2009, also vor Beginn der Partnerschaft an.
| 2000 | BP firmiert von »british petroleum« zu »beyond petroleum« um, parallel wird das neue Logo eingeführt |
| 2001 | sind die ersten Probleme mit dem Prudhoe-Bay--Ölfeld, des größten Ölfeldes in Alaska, der dortigen Umweltbehörde bekannt und werden, mutmaßlich durch Einflussnahme von BP-Mitarbeitern, nicht benannt. |
| 2005 | In der Raffinerie BP Texas City explodiert eine Isomerisierungseinheit bei Inbetriebnahme, 15 Arbeiter werden getötet und 180 verletzt. Bereits zwischen 1974 und 2004 kam es zu mehreren schweren Betriebsunfällen mit insgesamt 23 Toten. |
| Der Geschäftsbereich BP Alternativ Energy wird gegründet, 8 Mrd. $ sollen bis 2015 investiert werden, das sind 800 Mio. im Jahr. 200 Mio. gibt man für die Werbung zur Markteinführung aus. | |
| Im gleichen Jahr macht BP 25 Mrd. $ Umsatz wovon ganze 0,13 Prozent aus regenerative Energien erwirtschaftet werden. | |
| 2006 | wurde in der westlichen Prudhoe Bay der größte Ölausfluss im nördlichen Alaska in der Geschichte entdeckt, eine Millionen Liter Öl liefen aus. |
| 2008 | im Dezember verleiht Greenpeace BP den Greenwashing Award. |
| 2009 | im März schließt die Utopia AG den Vertrag mit der Deutschen BP ab. |
Partnerwahl
Die Frage nach der Wahl von Werbe-Partnern stellt sich.
Meike Gebhard dazu: »Utopia steht für den Dialog zwischen Verbrauchern und Unternehmen. Nachdem es in den letzten eineinhalb Jahren wiederholt einen hoch spannenden Dialog zwischen Ulrich Winkler, dem Unternehmenssprecher der BP Deutschland, und der Utopia Community gegeben hat, haben wir im vergangenen Jahr das Unternehmen eingeladen, den Dialog im Rahmen eines Unternehmensprofils auf Utopia zu führen und sich dort den kritischen Fragen der Community zu stellen.«
Nur schade das über das Firmenprofil von BP Deutschland lediglich Pressemeldungen durchgereicht wurden. Ein Dialog fand nicht statt.
Bei der Bewerbung der Unternehmensprofile wird die Formulierung der Utopia AG schon allgemeiner:
»Jedes Unternehmen kann auf Utopia ein Unternehmensprofil buchen. Diese Profile sind … kostenpflichtig.
Es gibt keine Einschränkungen bezüglich Branchen und Produktbereichen.«
Wenn also alle großen Atomstromanbieter, Rüstungskonzerne oder eben Ölfirmen es wollen, dürfen sie ihre PR über Utopia verbreiten.
Die Nutzer können zwar diese Einträge kommentieren, allerdings ist dies kein Garant für einen Dialog. In Ermangelung des BP-Profils hier ein schönes Beispiel des Utopia-Partners Telekom. Unliebsame Fragen werden erst einmal nicht beantwortet und gehen irgendwann im PR-Strom unter.
Selbstredend zählen Unternehmensprofile – neben Kooperationen, Sponsoring und Partnershops – zur Werbung auf Utopia, jedenfalls im Selbstverständnis der Utopia AG.
Das Ende einer Freundschaft
Von verschiedenen Blogs wurde kolportiert, der massive Widerstand der Community hätte zur Löschung des BP-Unternehmensprofils von der Utopia-Website geführt. Dem möchten wir widersprechen.
Noch im Mai schreibt Meike Gebhard in ihrem Blog
»Das Profil ist auch in der aktuellen Situation der perfekte Ort, um eure berechtigte Kritik zu äußern und mit BP zu diskutieren.
Darüber hinaus gibt es keine Verflechtungen und Verpflichtungen zwischen beiden Unternehmen.«
Und:
»Sowohl das Unternehmensprofil als auch der Förderer-Status sind bereits im März ausgelaufen …« und ergänzt erläuternd, »Wir haben das Profil aber zunächst weiter online gelassen und hoffen, dass sich BP hier in den Tagen zur aktuellen Umweltkatastrophe äußern wird.«
Zum Zeitpunkt der Ölkatastrophe war der Vertrag mit der Deutschen BP bereits ausgelaufen.
Einen Tag später schreibt sie:
»Wir werden heute das Unternehmensprofil von BP aus unserem Webauftritt herausnehmen. Nach Rücksprache mit BP Deutschland ist deutlich geworden, dass dort momentan weder die Zeit noch die personellen Kapazitäten für einen aktiven Dialog mit der Utopia Community vorhanden sind. Deswegen haben wir im beiderseitigen Einverständnis beschlossen, das Profil offline zu stellen.«
Die Kritik von Seiten der Utopia-Community hat also lediglich dazu geführt, dass man mit der Deutschen BP AG Rücksprache hielt, diese jedoch kein Interesse an einer Vertragsverlängerung zeigte.
Hätte die Deutsche BP einer Vertragsverlängerung zugestimmt, wäre das Unternehmensprofil auch nicht offline gestellt worden.
Ausschlaggebend für die Entscheidung war nicht der Widerstand seitens der Community sondern die Absage seitens BP, die Community hat allerdings diesen Entscheidungsprozess forciert.
BP-Bashing
Nach der Auflösung der Geschäftsbeziehungen zwischen der Deutschen BP AG und der Utopia AG, kündigt die Redaktion im Utopia-Team-Blog eine Geschichte über die Auswirkungen der Ölkatastrophe auf Flora und Fauna an, die so nie erscheinen wird.
Stattdessen interviewt man Christian Bussau von Greenpeace. und titelt: »Alle Maßnahmen von BP wirken hilflos«.
Zudem kolportiert Utopia Newsmeldungen, welche die Redaktion in Teilen noch als »geschmacklos« einstuft, aber der Leserschaft trotzdem vermitteln möchten.
Das viel beachtetet Video BP Spill Coffee der UCBC-Comedy-Gruppe wird ebenfalls von Utopia verbreitet, mit dem lässlichen Kommentar »Utopia amüsiert sich über BPs nächsten schwarzen Fleck und möchte Ihnen das schwarz-humorige Video nicht vorenthalten.«
Die kritische Berichterstattung über BP ist berechtigt, jedoch verwundert diese 180°-Kehrtwende der Utopia AG, vor allem, da jede Erklärung zur neugewonnen Einsicht fehlt.
Der unterschwellig mitschwingende Sarkassmus bei den Wortmeldungen wirkt dabei unangemessen und peinlich - gegenüber der Situation selbst und in Anbetracht der zuvor getätigten Kommunikationspolitik gegenüber BP.
Natürlich lässt dieses Verhalten auf den Umgang mit Werbepartnern in Zukunft schließen.
Fazit
Die Utopia AG wurde nie von BP Solar gefördert.
Die Unternehmensprofile auf der Plattform Utopia können von jedem gebucht werden, insbesondere wenn Diskussionsbereitschaft signalisiert wird. Sie eignen sich als zusätzlicher PR-Kanal für Unternehmen, und können ohne Probleme von diesen für Greenwashing missbraucht werden.
Wer Greenwashing unterstützt, und sei es um sich einen ökonomischen Vorteil zu verschaffen, muss sich gefallen lassen, selbst als Greenwasher eingestuft zu werden.
Der Umgang mit Werbe-Partnern lässt eine fehlerhafte Unternehmenskommunikation bei der Utopia AG erahnen.
Die Unternehmensprofile auf dem Utopia-Portal sind konzeptionell unausgereift.
Aus den Erfahrungen mit BP Deutschland wurden keine Lehren gezogen. Eine kritische Reflexion seitens der Utopia AG findet nicht statt.


