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Aufklärung vs. Betroffenheitsromantik

creative commons (by-nc-nd) André Henze

Claudia Langer liest die Zeit, speziell die Serie »Wissen in Bildern« und mag Einfachheit mit Gefühl

In »Unser Planet mit 100 Menschen!« zitiert Claudia Langer aus der Infografik eines Artikels der Zeit, Sie benennt auch die Quelle, leider ohne einen Verweis zu setzen, weshalb wir dies hier für die geneigte Leserschaft nachreichen.
Der Artikel in der Zeit titelt Unser Weltdorf, und beschreibt eine vereinfachte Darstellung für »demografische, ökonomische und ökologische Zusammenhänge«.

Arbeiten, Arbeiten, Arbeiten

Anstatt den Artikel in seiner Gänze zu übernehmen, wie die Utopia AG das häufig macht, wird der Inhalt des Zeit-Artikels verkürzt wiedergegeben. Vielleicht liegt die fehlende Übernahme des Inhaltes an der gekündigten Kooperation von Zeit und Utopia, vielleicht wollte Claudia Langer auch nur das gute Gefühl haben, etwas Eigenes zu leisten.

Frau Langer hat die von ihr verwendeten Werte einer Infografik entnommen, die Sie uns leider vorenthält (als PDF herunterladbar unter oben angegebener Adresse) obwohl hier doch noch mehr zu lesen wäre. Um in Verhältnissen zu reden: Drei mal soviel Informationen finden sich in der Original-Grafik.

Konzentration, bitte!

Gleichzeitig haben sich bei der Datenübernahme ein paar kleine Fehler eingeschlichen, so hungern zwar 14 % der Menschheit, doch sind nicht 24 % übergewichtig, sondern lediglich 24 % der Erwachsenen, die dicken Kinder der Armen sind in der Rechnung noch gar nicht mit aufgeführt.
Auch besitzen nicht 68 % der Menschen ein Funktelefon, es gibt zwar so viele Telefone, während jedoch in der ersten Welt fast jeder zwei derartige Kommunikatoren besitzt, sind sie in der dritten Welt eher spärlich vertreten (Die Welt, 2008).

(Auch geht uns die inflationäre(!) Verwendung von Ausrufezeichen gehörig auf den Geist! Grund genug hier doppelt so viele einzubauen wie Frau Langer, um nach noch mehr Aufmerksamkeit zu heischen!)

Was verloren geht

Das Aussieben von Informationen hat Nachteile. So geht verloren welche Menschen sich die Mühe gemacht haben, die verwendeten (und von Frau Langer falsch zitierten) Daten zu recherchieren, dies waren Christoph Drösser und Magdalena Hamm, die sich durch einen Wust von Statistiken wühlen mussten, um zu den Ergebnissen zu gelangen die Claudia Langer eher en passant verkündigt.
Diese beiden benennen wiederum die Schöpferin des Informationsmodells Global Village, welches Verwendung findet, um die Verhältnisse auf unserem Globus darzustellen, Donella Meadows.
Unter Umständen ist Claudia Langers verkürzte Sichtweise eine freud'sche Fehlleistung, belegt Donella Meadows Hauptwerk »Die Grenzen des Wachstums«, eine Art Zukunftssimulation, doch, dass die Wachstumstheorie, die von Konsumjunkies gerne hofiert wird, noch in diesem Jahrhundert ein schmerzhafte Widerlegung erfährt.
Donella Meadows veröffentlichte die Studie im übrigen 1972, 35 Jahre bevor Claudia Langer Utopia gründete. (Einige haben halt schon früher angefangen als andere.) Geforscht wurde im Auftrag des Club of Rome, in dessen Publikationen Claudia Langer in jungen Jahren gerne, betroffen schmökerte.
2004, drei Jahre nach dem Tod der Gründerin des Sustainability Institute erscheint ein Überarbeitung der Studie unter dem Titel Das 30-Jahre-Update: Signal zum Kurswechsel.

Adieu Rührseligkeit

Wenn Claudia Langer die Zahlen der zitierten Statistik »sehr eindrücklich« findet, und diese ihrem Bedürfnis entsprechen, »hier nicht auf Kosten von anderswo leben zu wollen«, dann ist das immerhin (wieder einmal) ein erster Schritt. Aber eben nicht genug, vor allem nicht wenn im gleichen Atemzug die Resignation propagiert wird:

Das ist noch ein langer Weg. Für mich kann ich sagen, dass er sich lohnt, auch wenn es oft aussieht, wie ein Kampf gegen Windmühlen.

Zu wenig zu Ende gedacht, und wenn man auf den Blogeintrag die AIDA-Formel anwendet, fehlt eindeutig eine Aktion.
Liebe Claudia Langer,

  • schreib doch eine Rezension zu dem Buch Das 30-Jahre-Update: Signal zum Kurswechsel.
  • Oder: Greife den Vorschlag aus dem letzten Blogeintrag unsererseits auf und ermittle und veröffentliche Deinen persönlichen ökologischen Fußabdruck und einen konkreten Plan wie Du diesen reduzieren wirst.
  • Initiiere mit Brandmanger Nils Hemmerle von Henkel eine wirtschaftsunabhängige Zertifizierung von Palmöl, mit der sich Umweltzerstörung und Armut bekämpfen ließen, und hört endlich auf mit diesem Henkel-Greenwashing.

Anstatt Lippenbekenntnisse verlangt es nach Taten, an denen man sich messen lassen kann, dann sieht man auch nicht mehr so viele Windmühlen.

»…
Ein Tropfen in die Wüste ein paar Krümel vor die Füße,
und jetzt seht zu und von hier schöne Grüße.
Fangen wir doch mal an mit globaler Umverteilung
es ist alles am verrecken deshalb Beeilung.

Denn ich weiß was ihr mit globalem Denken meint:
dass man ihnen zwar nicht hilft, doch für sie weint.
«

aus »Natalie« But Alive, 1995
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