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Antifaschismus per Dekret?

Der »›Neuen Rechten‹ auf Utopia« zweiter Teil.

Die Utopia AG hat auf den Vorwurf reagiert man würde sich unkommentiert von rechts außen infiltrieren lassen.
Zum einen hat man den betreffenden Artikel gelöscht. Zum anderen hat man an anderer Stelle klar und deutlich vermittelt, dass man »Jegliche Art von beleidigenden, übergriffigen, populistischen und intoleranten Inhalten« löschen werde, sobald man davon Kenntnis erhalte. Weiter heißt es: »Auf Utopia dulden wir keinerlei antisemitische, rechtsextreme Inhalte.«

Ein solches Statement ist gut und richtig, und diese Haltung war und ist in den AGBs des Portals festgeschrieben. Allein die Definition reicht nicht aus, das Handeln entscheidet. Per se verkündeter Antifaschismus hat schon in der DDR zu einer Tabuisierung des Themenspektrums geführt, und den Rechten den fruchtbaren Boden bereitet, dessen Beackerung man heute noch bei jedem Landtagswahlergebnis nachspürt.

Die Utopia AG hat gehandelt, sie hat den betreffenden Eintrag gelöscht, und damit scheint das Problem doch erledigt(?).

Woran es fehlt ist ein Plan, ein Workaround, um mit derlei Problemen umgehen zu können. Einige werden meinen, dies wäre nicht notwendig.

Die »Neue Rechte« auf Utopia (ein Nachschlag)

Der von uns aufgezeigte Beitrag, mit drei Einstiegsseiten in die Sphäre der Neuen Rechten, ist allerdings nicht der einzige auf Utopia.
Hätte Frau Dowe (Head of Stakeholder Dialog Utopia AG), anstatt sich über Glocalist-Autor Neugebauer zu echauffieren, einmal nach den drei – von uns exemplarisch recherchierten – rechten Websites von Nuoviso, ASR und infokrieger geschaut – und zwar im eigenen Utopia-Universum –, wäre sie zu folgendem Ergebnis gekommen:

Nuoviso ist noch weitere fünf mal auf Utopia vertreten.

Im November 2008 bringt Frosch21 den Klimaschwindel ins Spiel. Der Beitrag wird vom folgenden Diskutanten als »sensationsheißerisch« abgetan, eine Verknüpfung mit der Neuen Rechten bzw. der Truther-Bewegung erfolgt jedoch nicht.
http://www.utopia.de/gruppen/forum/thema/3407?page=3

Dead_Phoenix verweist im Abschnitt »Abschaffung des Zinses« in seinem Beitrag im Thread »Eine neue Weltordnung ohne Kapitalismus« auf zwei Filme auf Nuoviso.
http://www.utopia.de/gruppen/forum/thema/184507?page=4

Der, von der NPD beworbene, Beitrag von Nuoviso.tv wird ein weiteres mal von Utopia aus verlinkt, diesmal von fantast67, der direkt danach für die sehenswerten Sendungen Zapp, Panorama und Monitor wirbt. Später intoniert Reinhard Mey »Sei, Wachsam!«, dass wir hiermit mit freundlichem Gruß an fantast67 zurücksenden möchten.
http://www.utopia.de/blog/http-www-utopia-de-blog-beitrag-mediale/mediale-beeinflussung-der-eigenen

Unter dem Stichwort »sehenswerte, kritische Dokus uvm.« verlinkt ene, völlig unkommentiert, am 2.10.2008 auf das Nuoviso-Portal.
http://www.utopia.de/gruppen/forum/thema/93975

Der uns nun bekannte fahrradfahrer weist »noch einmal« auf den Film Kriegsversprechen hin, den die NPD goutiert, diesmal ohne auf den Film zu verlinken.
http://www.utopia.de/gruppen/forum/thema/154514#comment-220715

Das Alles Schall und Rauch-Blog ist noch dreimal auf Utopia vertreten.

Urwalder kritisiert einen Beitrag bei Utopia mit den Worten, »sehr gewagte Thesen, schätze mal Du hast sie entweder von ›alles Schall und Rauch‹ oder aus einem Buch des Koop Verlag, richtig?«. Als daraufhin keine Reaktion erfolgt, verweist er noch einmal aufklärend auf Esowatch. Eine gleichartige Intervention seitens der Utopia AG erfolgt nicht.
http://www.utopia.de/blog/der-gruene-weg/co2-basis-allen-lebens

Berthild Lorenz und Andreanders verweisen auf ein recht stumpf-reißerisches Werbevideo für Alles Schall und Rauch. Thomas_M. erkennt zwar den Absender, jedoch bleibt ein erläuternder kritischer Kommentar aus.
http://www.utopia.de/blog/leben-eben-bunter-mix/in-welcher-welt-lebst-du

scanners hat bereits 2009 eine ganze Seite aus dem ASR-Blog, explizit den Betreiber Freeman, zitiert, ohne dass dies jemandem aufgefallen wäre. Zudem gibt es einen Link auf den ASR-Blog.
http://www.utopia.de/gruppen/forum/thema/4419

Im Januar 2010 lässt mört eine ganze Latte an Links auf die Utopisten los. Hier wird nicht nur an das ASR-Blog verwiesen, sondern auch Nazisprech verwendet, bei Wörtern wie »Systemmedien« darf man hellhörig werden. Die Truther-Szene war Anfang des Jahres schon einigen Utopisten bekannt, siehe weiter unten in dem Thread bei Outlaw Jens, der eindringlich vor ihnen warnt. So müssen Kommentare zu rechten Links aussehen!
http://www.utopia.de/gutefragen/fragen/wusstet-ihr-eigentlich-das-co2-nicht

Auch zu Infokrieg finden sich weiterhin Links aus dem Utopia-Portal.

Der dude empfiehlt den Utopisten ein Buch über den Infokrieg-Webshop, und verlinkt später zu einem Bundestagsmitschnitt von Henry Nitzsche, dem Rechtspopulismus vorgeworfen wird, und der soweit rechts steht, dass er aus der CDU austrat, um seine eigene Partei zu gründen, die auf den Namen »Arbeit, Familie, Vaterland« hört (als Gegenentwurf zu Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit ).
Hans-Werner Neumann ist zur Stelle und bringt die Absurdität der Infokrieger mit Zitaten von deren Webseite zum Ausdruck. »Allein der Name "infokrieg.tv" machte mich schon stutzig.« 
http://www.utopia.de/gruppen/forum/thema/4633

Auch OutlawJens ist über die Infokrieger gestolpert und macht seinem Zorn Luft. Ein nicht näher benannter inaktiver User 31958 (inaktiver User meint zumeist gesperrter User; Anm. d. Red.), weist auf die Einschätzung der Infokrieger durch EsoWatch hin.
http://www.utopia.de/blog/der-regenwald-muss-gerettet-werden/das-macht-mich-bose-der-klimawandel

Simon83 linkt diesmal ins rechte Lager der Infokrieger und wird kurze Zeit später von Komune68 in Kenntnis gesetzt, »die leute von infokrieg, sind meiner meinung nach ganz gefährliche menschen«).
http://www.utopia.de/gruppen/forum/thema/2799?page=6

Im Zuge des Obama-Wahlkampfes hat fahrradfahrer auch in der Gruppe »Yoga, Meditation, Ayurveda und spirituelles Leben« auf die Infokrieger verlinkt.
http://www.utopia.de/gruppen/forum/thema/102743

Coni bittet darum sich doch mal 2 Stunden das Zeitgeistmovie anzugucken und seine Meinung zu posten, scheint selbst aber keine Meinung zu haben, ein typisches Verhalten, wenn man um die Kontroversen eines/dieses Beitrages weiß. Die Macher des Films, man kann es sich denken,  Infokrieg.tv. weebz zweifelt deshalb an der Glaubwürdigkeit des Materials. Ines empfiehlt den Wikipedia-Eintrag zum Film, dem schließen wir uns an: Vorwurf: Struktureller Antisemitismus.
http://www.utopia.de/gruppen/forum/thema/540

 

Die Truther-Bewegung ist also seit langem auf Utopia vertreten und rückt gerade erst in unseren Fokus der Aufmerksamkeit, da das Kritische Masse Festival den zweiten Tonträger der Gruppierung bewerben soll.
Mittlerweile verlinken die Truther auch stolz zurück. Ein Link zu Utopia findet sich bei einer Weltfriedenserklärung im Anhang und steht dort gleich neben Nuoviso.tv. Hier wird Utopia für die neue Rechte instrumentalisiert und suggeriert, es würde sich bei Utopia um einen Unterstützer handeln. Die Erklärung ist seit neuestem auf den Blogs der Verschwörungstheoretiker Hinter den Kulissen (verschwörungstheoretisch unkenntlich gemacht), Terra-Germania, globale-evolution, Redlife, wir-gemeinsam, blackstone und dem querdenkerforum vertreten. Ansonsten wird auf der Seite das eigene Kritische Masse Festival vorgestellt, zum Festival der Infokrieger gibt es bei Indymedia eine kurze Erläuterung zu lesen (s.o.).

Die Frage stellt sich, wie kann es zu derlei Inhalten auf Utopia kommen und wie geht man damit um.

Es gibt diverse Links in die Truther-Bewegung und damit Nahtstellen zur Neuen Rechte. In allen Fällen hat die Utopia AG selbst Handlungen unterlassen. Aufgeklärte Utopisten haben die Kommentierung übernommen, allerdings nicht alle Auftritte aufgefunden.
Die für die Neue Rechte werbenden Utopisten stehen natürlich selbst nicht per se rechts, häufig ist man nur der Bauernfängerei der Verschwörungstheoretiker aufgesessen, nicht aus jedem einzelnen beworbenen Inhalt ist die Rechtslastigkeit der Absender ersichtlich.
Derweil tut eine Aufklärung über die Verbindungen der Truther-Bewegung und der Neuen Rechten not. Ein reines Löschen der Einträge ohne ausführliche Thematisierung und Kommentierung wird kaum einen aufklärerischen Effekt bei den Übertölpelten haben und somit die Versuche rechter Infiltration auch nicht nachhaltig eindämmen können.

Auch die Utopia AG ist nicht rechtsextrem, allerdings fehlt es an Vorbildung über rechte Gruppierungen und ihre Kommunikationsstrategien. Die fehlende Kompetenz wird mit einem gerüttelt Maß an Desinteresse gestützt, denn bis heute scheint sich niemand im Community-Management mit derlei Problemen ernsthaft befasst zu haben.
Auch technologisch scheint man steinzeitlich unterwegs. Eine Vorlage-Funktion (aller neuen Posts) scheint nicht existent oder ungenutzt. Schlagwortlisten zur automatischen Einstufung kritischer Beiträge für die nachfolgende manuellen Prüfung scheinen ebenso wenig vorhanden wie eine differenzierte Lösch-Logik. Letzte fällt wiederum in den Bereich des Community-Management und wurde schon vor einem Jahr ergebnislos diskutiert.

Momentan reagiert die Utopia AG lediglich anstatt zu agieren. Man verlässt sich auf den in den AGB fixierten Antifaschismus, und die explizite Aufforderung derlei Inhalte zu melden.

Mit der Auslagerung der Verantwortung des Inhaltlichen an die eigene Community macht man es sich leicht, überfordert aber die heterogene Zielgruppe. Menschen von 8 bis 80, mit unterschiedlichster politischer Vorbildung und Medienkompetenz sollen nicht nur rechte Inhalte erkennen, sondern auch rechte Absender identifizieren können, die ihre politische Positionierung bewusst zu verschleiern suchen.

 

 

Kleine Chronolologie

Wir finden es ein wenig befremdlich, dass Glocalist von der Utopia AG derart angegangen wird. Sicherlich ist der Kommentar streitbar. Allerdings hat er gerade damit das Maß an Öffentlichkeit erzeugen können, welches zu einem Handeln durch die Utopia AG führte. Eine Aktivierung die weder unser zeitnaher Beitrag im Watchblog noch die mehreren Kommentare innerhalb des Utopia-Portals in einer Woche erreichten.

15.08.2010 Der Utopist fahrradfahrer bewirbt Websitens der Truther-Bewegung die der Neuen Rechten zuzuordnen sind.
16.08.2010 Das Utopia Watchblog veröffentlicht diese Werbung als Screenshot mit dem Titel »Werbung für die neue Rechte« und der Beschreibung »Screenshot des Utopisten-Beitrags mit Werbung für die Rechtskonservativen.« Wir beginnen unsere Recherche zu den rechten Splittergruppen.
19.08.2010 Utopist Gilmore warnt vor der Werbung für die Neue Rechte auf Utopia und fragt »Wieso bleibt das hier 4 Tage unkommentiert stehen.«
21.08.2010 Utopist smartman schreibt »Wie kann man rechtsextreme Propaganda stehen lassen. Jeder kritische Kommentar wird zensiert, aber rechte, antisemitische Propaganda zugelassen?«
21.08.2010 Glocalist erhebt Vorwürfe zur fehlenden Reaktion der Utopia AG auf die Infiltrationsversuche aus dem rechten Lager.
21.08.2010 Der Glocalist-Artikel macht auf Twitter die Runde
22.08.2010 Utopist Parklife-kiel verlinkt auf unseren Artikel.
22.08.2010 Ein weiterer Utopist meldet sich kritisch zu Wort.
22.08.2010 Ein weiterer Utopist meldet sich kritisch zu Wort.
22.08.2010 Werner Stickler (Community Mannager Utopia AG) gibt bekannt, dass der Beitrag gelöscht wird und bittet dabei ähnlich geartete Artikel sofort zu melden.
23.08.2010 Stefanie Dowe (Head of Stakeholder Dialog) veröffentlicht die Stellungnahme der Utopia AG.

 

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