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Alles so schön bunt hier

creative commons (by-nc-nd) André Henze
— abgelegt unter: , ,

Das neue Design der Website www.utopia.de kurz zerpflückt.

Nun ist es also endlich so weit, nach der Nutzerbefragung und schweren Geburtswehen erblickt www.utopia.de in neuem Gewand das Licht der Welt.

Farbenfroh

Wie schon der erste Entwurf, ist auch der Relaunch recht bildlastig. Die Teaser-Bilder erscheinen noch größer, jeder Nachrichtenfurz hat ein eigenes Bild und dieses Design führt zu noch weniger Übersichtlichkeit.
Nun liegt das schnelle Auffinden von Informationen nicht im Interesse der Betreiber. Man wird eher zum Schlendern in der schönen neuen Öko-Shopping-Welt eingeladen. Insofern ist das Design recht gelungen, auch wenn jegliche Informationsvermittlung dabei auf der Strecke bleibt.

Screenshot Gruppenübersicht auf www.utopia.de Wieviel Informationen findest Du auf der Startseite? Neben dem großen Bild und den zwei Kleinen kann man gerade noch eine Überschrift lesen (wohlgemerkt bei einer Auflösung 1152 x 870 Pixel). Das Interface-Design ist eine Katastrophe und nähert sich dem ebenfalls gruseligen Telekom-Auftritt an, nur eben mit weniger Inhalt. Die bildtechnische Bauchbinde wird dann auch auf allen Unterseiten fortgeführt.

Wer sucht der findet

Das Interface ist im Detail nicht sehr gelungen.
So wird z.B. in der Gruppenübersicht zwar Name, Eigner und Mitgliederzahl angegeben, eine Beschreibung der Gruppe fehlt allerdings, wer hier keinen beschreibenden Namen für seine Gruppe gewählt hat, hat schon verloren. An anderer Stelle werden die Inhalte zwar angeteasert allerdings nur einzeilig. das führt zu einem häufigen klicken auf den mehr-Button.
Screenshot Gruppenübersicht auf www.utopia.de
Grundsätzlich werde ich das Gefühl nicht los, dass ich mir die Finger wundklicken muß, um endlich zum gewünschten Inhalt zu gelangen. Vielleicht gehört das zum neuen Shopping-Konzept oder aber man wird noch altertümlich nach Klickraten von den Werbepartnern entlohnt.

Eine Verbesserung des Gesamtaufbaus wurde leider auch unterlassen. So ist der ehemalig Irrgarten nun ein neuer, zumindest hat man ein schönes neues Schild vorne drangeschraubt.
Einige machen ihrem Unmut Luft und fragen Hilfe, wo bin ich?, andere geben resigniert auf (»Argh!«) oder wollen die alte ebenfalls unübersichtliche aber erlernte Utopia-Seite zurück. Beherzte Fragen werden von Mitarbeitern mit einem Schmunzeln weggewischt oder in die eigens eingerichtete Nachbesserungs-Gruppe verlinkt.
Die ist super, genauso wie der »Fehler Melden«-Button oben rechts auf jeder Seite. Allerdings frage ich mich warum beim Betatesten niemandem aufgefallen ist, dass bei der Datenkonvertierung einiges schief gegangen ist. In vielen »alten« Beiträgen tauchen die HTML-Formatierungen nunmehr als Klartext auf. Die Forenbeiträge werden anscheinend per Hand eingepflegt, oder sagen wir handverlesen eingepflegt(?), jedenfalls interpretier ich es den so.

Bling Bling

Natürlich haben sich auch einige neue Funktionalitäten eingefunden.
So gibt es nun eine, bei Twitter abgekupferte, Kurzmitteilung wo jedeR Ego-verliebte sein seichtes Geseire absondern kann. Frei nach dem Motto: Ich sag was (Sinnentleertes), also bin ich. Das schmeichelt dem Ich und läßt einen, Warhol-gleich, 10 Sekunden Superstar sein. Kurzzeitig wurde die neue Funktion zwar von frustrierten Nutzern übernommen aber mit der Zeit wird es sie sich wieder auf mainstreamige Belanglosigkeit einpendeln.

Ein weiterer Sozial-2.0-Dienst, den man sich aus diversen Heimwerker-Portalen abgeguckt hat, ist die »Gute Frage«, eine Art Schnellhilfe, die aber nicht immer helfen kann:

Portrait

Zudem gibt es mit Utopia-Live einen »Big Brother«-Kanal auf dem jede Aktion eines Nutzers hinausposaunt wird. Das heuchelt nicht nur Aktivität vor sondern parkt den gläsernen Kunden auch gleich noch im Glashaus.

Die Nutzer können jetzt animierte Grafiken als Profil-Bild einbinden, was zum weiteren Rumgezappel auf der Seite führt und die Fokussierung der Aufmerksamkeit immerfort auf die Probe stellt.

Frei nach dem Credo »der König ist tot, es lebe der König« hat die »Aktivitätsanzeige« den Umzug auf die neue Plattform nicht überlebt. Anstatt die 10.000en »Utopisten« zu ein wenig mehr Engagement zu bewegen, wurde einfach die Anzeige abgeschafft, welche diesen Missstand aufzeigte. Somit feiern nun auch die 10.000en Karteileichen fröhliche Urständ, und wen schert schon der Mief innen drin, wenn wenigstens die Fassade ordentlich gekittet ist. ;-)

Der Umzug auf ein neues System hat auch nichts gebracht. Alles fließt eher träge dahin anstatt zu plätschern. Speziell die »Wer macht was«–Funktion zwingt den Rechner in die Knie.
Bleibt zu hoffen, dass man sich mit der Trägheit nicht auch noch die letzten Nutzer vergräzt.

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