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Vom Eigennutz, vom Gemeinnutz und von ein paar argumentativen Fehlern

Mitwirkende: CLaudia Langer
© André Henze

Kommentar auf Claudia Langers »MeineWelt«-Beitrag »Warum wir nicht an den Pranger stellen!«. Eine Art Gegendarstellung zum Primat des Eigennutzes und der selbst widerlegten These Kritik würde kein positives Ergebnis herbeiführen können.

(Der Kommentar findet sich in Claudia Langers »MeineWelt«-Blog zum Artikel »Warum wir nicht an den Pranger stellen!«. Er ist hier lediglich gespiegelt da man sich zum Lesen sonst auf Utopia anmelden müßte. Die gilt auch wenn man Claudia Langers Blogeintrag vorab lesen möchte.)

Ich kann Deine Überzeugung, »dass wir das Motiv des Eigennutzes akzeptieren müssen« nicht teilen. Mit dieser Einsicht stehe ich nicht allein. Unsere Gründerväter und -mütter haben in den Gesetzen dieser Republik durchaus auch für den wirtschaftlichen Bereich Gemeinnutz vorgesehen und in Gesetzen manifestiert. Es gibt gemeinnützige GmbHs und AGs als mögliche betriebliche Organisationsform.

Auch die immer wieder herbeigeredete Dominanz vom Gewinn als Antrieb für ein wirtschaftliches Unternehmen will ich nicht teilen. Nein, Unternehmen müssen nicht eigennützig handeln, und die welche es tun, werden sicherlich keinen gesellschaftlichen Wandel herbeiführen. Welchen denn auch und wie? Wohnungsbaugenossenschaften, AGs im Besitz der Belegschaft, Firmen, wie die Oxfam Shops belegen mir tagtäglich, dass es auch anders geht. Menschlicher, solidarischer.
Einen Alleinvertretungsanspruch des »guten« Kapitalisten gibt es schon lange nicht mehr und ich werde nicht zulassen, dass Du diesen Eindruck entstehen lässt. Gemeinnutz ist ein hohes Gut in diesem Land, es zu unterschlagen heißt, vielen Ehrenamtlichen, vielen die zuerst an andere denken als an sich selbst, unrecht zu tun.

Schade dass Du derartige Erfahrungen noch nicht machen konntest, und nur Deine Unternehmenswelt kennengelernt hast, da ist Dir wirklich etwas entgangen. Aber was nicht ist kann ja noch werden.

Du glaubst nicht, »dass es nützt andere an den Pranger zu stellen«. Mal abgesehen davon, dass dies eine recht herb gewählte Metapher ist, widerspricht sie nicht der Erkenntnis das die Konfrontation der Firmen mit ihren Missetaten »oft genug sehr erfolgreich« verlaufen ist, wie Du selbst gegenüber Greenpeace und Attac anerkennst.
Du weist es also besser, es ist nur nicht Dein Weg, weil er Dir zu provokant, zu aggressiv erscheint. Das ist o.k.
Ich finde man kann beide Wege gehen, auch parallel, deshalb bin ich hier und auch bei Attac und anderen.

Ich finde auch den positiven Ansatz nachvollziehbar, dafür braucht es Vertrauen in die Partner, als welche man Unternehmen dann sieht. Kommunikation kann helfen dieses Vertrauen aufzubauen, soweit noch nicht vorhanden. Ich bin auf die Kommunikation mit den Partnern von Utopia gespannt, momentan tröpfelt sie ja noch ein wenig anstatt zu fließen. Auch hier bin ich durchaus zuversichtlich.

In Deinem Text heißt es »Wir fordern Unternehmen heraus, aber konstruktiv, das heißt mit Lösungsansätzen«. Während ich für Greenpeace und Attac Beispiele erfolgreicher Aktionen aufzählen könnte, war ich hier doch ein wenig hilflos. Welche Unternehmen hat Utopia denn bis jetzt herausgefordert und worin bestanden die konstruktiven Lösungsansätze? Vielleicht ist das hier schon irgendwo dokumentiert, aber dann bin ich noch nicht drüber gestolpert, das Utopia-Universum ist ja groß.

Das »große Unternehmen« es ob ihrer Schwerfälligkeit verdammt schwer haben Lösungen umzusetzen mag sein. Ich gebe zu es ist mir schlichterdings egal. Ihre Organisationsstruktur ist nicht mein Problem. Wenn das kleine junge Unternehmen das ökokorrekte Produkt schneller anbietet, dann ist es das Gesetz der freien Wirtschaft, dass das große Unternehmen vielleicht pleite gehen muss und das kleine Unternehmen groß wird. Alles andere wäre doch Planwirtschaft statt selbstregulierender Marktwirtschaft oder habe ich da was falsch verstanden? Das passt jetzt vielleicht nicht ins Finanzierungskonzept der Utopia AG, o.k., aber nichts ist für immer.

In einer Frage muss ich mich der Utopistin Julia Marie anschließen: Das wir als Verbraucher »Lösungen« aufzeigen ist vielleicht ein wenig hoch gegriffen. Wir können Wünsche äußern und Fragen stellen.
Das tue ich gern und fleißig.
Allerdings möchte ich dafür nicht als »Steineschmeißer« oder »Draufhauer« denunziert werden.
Soweit.

(Anm.: Auf die eingeflochtenen Fragen wurde seitens Claudia Langer nie geantwortet. Sie scheint das Medium Internet als einen Einwegkanal wahrzunehmen und an einem Dialog nur bedingt interessiert. Allerdings gab es eine Replik eines Utopisten, welcher nach Beispielen für die meinerseits aufgestellte These das Greenpeace und Co durchaus etwas erreichen fragte. Meine Antwort folgte auf dem Fuße.)

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