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Auf ein Wort.

© André Henze

Beschreibung des Eindrucks, den die Repressionspolitik von Utopia auf mich machte

___11.03.2009

Ich möchte eine kleine Rückschau halten.

Ich habe mir bis jetzt ab und zu den Mund verbieten lassen, immer unter der Androhung von Gewalt. Allerdings bin ich ein wenig abgehärteter: Anno 1989 habe ich in die Mündung einer durchgeladenen AK-47 geguckt, das war so ein Moment des Schweigens. Die Angstschwelle, die mir gebietet, mich nicht mehr zu artikulieren, liegt also deutlich höher als bei anderen.

Um mich zu verstehen, gebe ich einen kleinen Einblick in »MeineWelt«.
Utopia, mithin Anna Lena, hat mich zum Fürsprecher der Geächteten und der Entnervten in Utopia gemacht. Diesen Job habe ich mir beileibe nicht selbst ausgesucht(!), allerdings versuche ihn die mir übertragene Aufgabe gut und richtig zu erfüllen.

Ich bekomme Post. Menschen schicken mir ihre Email-Adresse, um sicherzustellen dass wir uns nicht aus den Augen verlieren. Sie haben die Befürchtung hier nur mehr bald unerwünscht zu sein. Dieses Gefühl wird ihnen jetzt schon vermittelt. Sie sind ernsthaft überzeugt davon, dass Kritiker hier vor die Tür gesetzt werden.

Wieder andere, schreiben mir gar nicht erst über die sogenannte PM. Diese unterstellen also Utopia das es gegen Gesetzte verstößt und heimlich mitliest. Es geht nicht darum wie viel Wahrheitsgehalt diese Unterstellung nun haben mag, sondern was für ein Gefühl sich da breit macht in einem kleinen Teil der Community. Und die Frage sollte gestellt werden: Wo kommt dieses Gefühl her? Und: Wie kann die offensichtliche Diskrepanz zwischen Selbstbild und Fremdbild der Utopia AG zeitnah geschlossen werden?

Eine Nabelschau soll helfen die erste Frage ansatzweise zu erörtern.

Das und anderes erinnert mich an 1989, deshalb vielleicht auch diese Einleitung vorweg.
Damals gab es Exilanten, freiwillige oder gegangen-wordene, die schauten von außen zu.
Es gab inner Emigranten, die schwiegen.
Es gab lautstarke mutige, das waren die ersten, die weggesperrt wurden, wenn sie Glück hatten wurden sie Exilanten.
Es gab aber auch Parteikonforme, hörige zumeist.
Und einige unter diesen mit kritischem Geist, die den Gang durch die Institutionen wagten und nirgendwo ankamen.
Es gab die große Mehrheit, die wollte von allem nichts wissen und in Ruhe gelassen werden.
Und es gab die Intellektuellen, denen ich mich mal frech zuordnen wollen würde. Die lasen und schrieben zwischen den Zeilen, und erlangten darin hohe Kunst.

Ich merke wie sich meine Sprache auf Utopia verändert. Ich komme schon ins Dichten, spreche in Zitaten, (häufig nicht aus Büchern sondern aus Youtube ;-). Lese selbst zwischen den Zeilen und beginne auch so zu reden.

Das erinnert mich sehr an damals. Es fühlt sich genauso an. Das Kind hat einen Namen: Diktatur. Der Name wird häufig mit unschönen Metaphern ausgedrückt, aus dem 3. Reich und der Proletarischen. Das ist beleidigend für manchen, und doch nur falsches Wort, für ein Gefühl von »Diktatur« eben.

Es hat die selben Auswirkungen wie damals. Vergebliches Einwirken auf die Herrschenden und ihre Verhältnisse. Demonstrieren und öffentliches Auftreten gegen Zensur, unter der Bedrohung durch Sanktionen. Vorschnelle Selbstzensur.

Das ist nur mein Eindruck, geprägt von meinen Erfahrungen. Ich will hier darlegen, warum ich sensibilisiert bin (und nicht sensibel).

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